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Korschenbroich: Gruppe "Syrtaki" trainiert griechische Tänze.

Korschenbroicher Gruppe „Syrtaki“ : Die griechische Kultur ertanzen

Seit fünf Jahren trifft sich die Tanzgruppe „Syrtaki“ regelmäßig im Haus Schellen. Ein Trainingsbesuch.

Die Gruppe tanzender Frauen und Männer erinnert manchmal an eine Schneckenform, die sich ein- und wieder ausrollt, manchmal an eine lange Schlange, deren eines Ende unter einem von Armen gebildeten Tunnel hindurchtanzt – aber eigentlich sind diese Tänze mit Worten nicht angemessen zu beschreiben. Dass man sie überhaupt erlernen und aus dem Kopf tanzen kann, ist schon erstaunlich.

„Pame“ klingt es immer wieder durch den Saal hinten im Restaurant Syrtaki im Haus Schellen. Griechische Musik kommt aus der Anlage, Hans-Joachim Riesen bewegt sich leichtfüßig vor seiner großen Tanzgruppe. Es herrscht eine schöne, eine warme Atmosphäre. Die Assoziation blauer Meere, weißer Dächer, einer warmen Sonne an einem wolkenlosen Himmel nistet sich dabei im Kopf ein.
„Der griechische Tanz berührt den Körper, die Seele und den Geist. Dabei vergesse ich den Alltag“, schwärmt Riesen. „Pame“ ruft er wieder und die Schritte ändern sich erneut. Was klingt wie ein geheimer Code, ist nichts weiter als die Aufforderung „Es geht los“ und damit der Hinweis auf einen tänzerischen Schrittwechsel.

50 Füße folgen den Anweisungen von Riesen, schwingen hin und her, trippeln, gehen versetzt. Alle Tänzer halten sich an den Händen, tanzen im Reigen. Das ist eine schöne Besonderheit: Niemand braucht einen festen Partner. Als es gerade danach aussieht, als ob keiner dieser Füße jemals einen falschen Schritt macht, kommt ein Paar Füße aus dem Rhythmus – aber findet ganz schnell zurück. Keinen hat’s gestört, das aus dem Takt geratene Paar Füße findet wieder in die Reihe zurück und es geht weiter.

„Wenn man griechisches Leben mitbekommen möchte, muss man tanzen können“, sagt Hans-Joachim Riesen. Riesen kam über seine Frau in Kontakt mit der griechischen Tanzkultur. Diese hatte griechische Nachbarn, bei denen die sprichwörtlich gewordene Gastfreundschaft gelebt und die Nachbarn eingeladen wurden. Reisen nach Griechenland wurden zur Tradition. Das Ehepaar lernte die griechische Sprache und die Tänze.

Vor fünf Jahren hat Hans-Joachim Riesen die Tanzgruppe „Syrtaki“ gegründet, mit Unterstützung des Restaurants Syrtaki können sie den Saal nutzen. Hier kommen jeden Dienstagabend griechische und deutsche Männer und Frauen zusammen. Eine zweite Tanzgruppe, die „Philhellines“ findet in Neuss in den Räumen des Caritasverbandes zusammen. Und das schon seit 25 Jahren.

An diesem Dienstag sind alle ins „Syrtaki“ gekommen. Der jüngste Tänzer ist Luca, er ist 18 Jahre alt und ist mit seinen Eltern dabei, der älteste ist 73 Jahre alt. Und alle, egal ob in Deutschland oder Griechenland geboren, schwärmen von Griechenland.

Was so toll an Griechenland ist? Die Lebensphilosophie, die Gastfreundschaft, die Landschaft, die Vielfalt. Und die spiegelt sich auch in den Tänzen wider: 120 Tänze kennt Riesen, 70 sind Teil des Repertoires der Tanzgruppe, der Kalamatianos, der Syrtaki, Tänze aus Kreta, Rhodos, Mykonos, Makedonien, Thrakien. Denn jede Region hat ihre eigenen Tänze. Die Tradition des Tanzens ist in wenigen Ländern so in den Alltag integriert wie in Griechenland.

Tanzen verbindet: Ute, Brigitte und Areti stehen wie viele Männer und Frauen in einer Tanzpause zusammen und schwätzen miteinander, lachen, und das über ihre Nationalität hinaus. „Das Tanzen beflügelt“, sagen sie. „Es steckt so viel Gefühl darin“. Sie verreisen sogar in der Tanzgruppe nach Griechenland, um dort zu tanzen. Auf Kirchweihfesten und zum traditionellen griechischen Neujahrsfest treten die Gruppen in ihren Trachten auf.

Leicht und mühelos sehen die Tänze während der Probe aus. Dennoch kommen die Tänzer ordentlich ins Schwitzen. Da hilft, nein, kein griechischer Wein, sondern deutsches Bier.