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Korschenbroich: Thalia Theater beeindruckt mit "Ein großer Aufbruch"

Thalia Theater Korschenbroich : Das spannungsgeladene Szenario als Zuschauer hautnah erleben

Zur Premiere „Ein großer Aufbruch“ beeindruckte das Thalia Theater mit Wortwitz und Tiefgang. Besonders ist auch der Bühnenaufbau im Sandbauernhof.

Die absolute Nähe lässt keinen emotionalen Rückzug zu: Zur Adaption des Fernsehfilms „Ein großer Aufbruch“ bespielt das Thalia Theater eine komplette Längsseite des Saals im Sandbauernhof. Drei tribünengleich gestaffelte Sitzreihen gegenüber geben den unverstellten Blick frei ins spannungsgeladene Szenarium. Hier entfaltet das Ensemble unter Axel Loobes’ Regie im packenden Spiel Wortwitz, Sarkasmus, schwarzen Humor und tief berührende Momente. Das auch räumliche Spiel mit dicht angelegter Konfrontation und auseinandergezogenen Arrangements fordert heraus.

Die sieben Darsteller zeigen die Geschichte des schwer erkrankten Holm, der eingeladen hat, um Ab-schied zu feiern. Für Holm und seine Gäste wird der Abend zu einer emotionalen Achterbahnfahrt mit überraschenden Wendungen. Die Rollen sind durchweg gut besetzt. Ralf Pint gibt den Holm als von den 1968er Jahren geprägten Lebemann. Er gestaltet eindringlich die widersprüchliche Gemengelage von scheinbarer Gelassenheit, geheimer Angst und doch wiederkehrenden schmerzhaften Momenten der Selbsterkenntnis.

Ursula Kamper entwickelt ihren Part als Holms Ex-Frau Ella zunächst zurückhaltend, doch spannungsreich und nutzt geschickt das Potential zu einfühlsam gesteigerter Intensität, um überraschende innere Werte zu offenbaren. Holger Kahl personifiziert hinreißend den Adrian, der für kulinarische Verlockungen poetische Worte findet und vergeblich auf Deeskalation durchs Essen hofft. Eindringlich mimt Kahl den hitzigen Ausbruch des scheinbar Gelassenen.

Zur Premiere agiert Ina Kahl (Zweitbesetzung Brigitte Paulußen) als Katharina mit packender Wucht und Energie, die Konfliktbereitschaft, Frust und Ratlosigkeit signalisieren. Mit gut platzierten Pointen gibt Dennis Lange den vordergründig kühl kalkulierenden Juristen Heiko. Im ausdrucksstarken Monolog offenbart Lange eine verborgene Seite seiner Figur und lässt die Zuhörer den Atem anhalten. Sabine Loobes und Nicole Malik entfalten facettenreich die Gefühlslagen der ungleichen Töchter Marie und Charlotte.

Weitere Termine: Freitag, 6. und Samstag, 7. März, um 20 Uhr sowie Sonntag, 8. März, um 18 Uhr.