Korschenbroich: Der ehrenamtlich organisierte Bürgerbus wird 2020 zehn Jahre alt

Bürgerbus in Korschenbroich : 89 Minuten mit dem Bürgerbus durch die Stadt

Der Bürgerbus fährt seit bald zehn Jahren durch das Stadtgebiet und bringt seine Gäste täglich von A nach B – aus ehrenamtlicher Kraft. Eine Rundfahrt.

Ein schöneres Kompliment als Fahrer eines Bürgerbusses kann man eigentlich nicht bekommen als das von Marion Hüschelrath: „Das sind alles sehr nette Fahrerinnen und Fahrer. Hilfsbereit, höflich und immer bei guter Laune.“

Marion Hüschelrath ist Stammfahrerin und benutzt den Bürgerbus oft, um von ihrer Wohnung am Hallenbad in Kleinenbroich zur Hindenburgstraße in Korschenbroich – und natürlich wieder zurück – zu kommen.

Hier besucht sie ihre Mutter im Seniorenheim. So wie Hüschelrath, erzählen viele Nutzer die Vorteile des Modells Bürgerbus, das in diesem Jahr bereits seit zehn Jahren durch erhenamtlichen Engagement in der Region existiert.

Hauptsächlich sind es Senioren, die eine der werktäglich insgesamt acht angebotenen Fahrten nutzen; samstags werden nur drei Runden angeboten.

So zum Beispiel auch Gerda van de Mee, die von Korschenbroich kommend ihren Frisör in Glehn besucht. Die frühere Glehnerin lässt sich trotz Umzug aus Verbundenheit nur von ihrem Frisör des Herzens die Haare machen.

Das Ehepaar Ursula und Gottfried Döring aus Aldenhoven hingegen nutzen den Bus, um ihre Einkäufe zu tätigen. Da es im Heimatdorf keinen Einzelhandel mehr gibt, fahren sie bis Glehn.

Die Dörings nutzen den Bürgerbus, der auch diesen Teil der Stadt Jüchen befährt, sehr gerne: „Es sind ja nur sieben Minuten von Glehn bis zu uns und im Bus sind diese Minuten sehr kommunikativ, entweder mit dem jeweiligen Fahrer oder mit anderen Gästen.“

Einer dieser anfangs beschriebenen sehr netten, hilfsbereiten und gut gelaunten Fahrer ist Jupp Lambertz.

Der Ehrenamtler engagiert sich bereits im dritten Jahr im Bürgerbusverein. Seine Fahrt geht quer durch das Stadtgebiet und einen Teil von Jüchen. Mit dem Neunsitzer und seinen acht bequemen Einzelsitzen mit genügend Beinfreiheit, großem Einstieg und viel Platz für Rollatoren und Kinderwagen startet er in Glehn und endet seine Fahrt dort auch wieder.

Dazwischen liegen 89 Minuten Fahrtzeit mit 60 offizielle Haltstellen.

Gestoppt wird mangels Kundschaft nicht an allen Stationen. Die vom Energieunternehmen NEW organisierte Strecke ist eng getaktet. Im Schnitt hält der Bus alle 90 Sekunden an.  Der Zeitplan sei schon sportlich zu nennen, meint auch Ulrich Suberg, der als neuer Fahrer von Jupp Lambertz in diese Strecke eingearbeitet wird.

Während Lambertz konzentriert durch die Straßen fährt, hat er auch immer wieder Zeit über das System Bürgerbus zu erzählen.

Der Bürgerbus, den es seit dem 6. April 2010 gibt, hat schon früh seinen Fahrbetrieb aufgenommen und wurde von den Bürgern sehr schnell angenommen. „Begonnen haben wir mit fast 2900 Fahrgästen. Anfang dieses Jahres konnten wir bereits den insgesamt 100.000. Fahrgast begrüßen“, sagt Jupp Lambertz stolz.

Alleine schafft er das jedoch nicht. Jede Woche setzen sich 21 Fahrerinnen und Fahrer zum Wohle ihrer Fahrgäste ein. Insgesamt etwa 60 von ihnen sind bereits im Rentenalter, die die Initiative aktiv unterstützen.

Sie alle werden jährlich auf ihre Gesundheit und Fahrtauglichkeit gründlich untersucht. „Auch ein polizeiliches Führungszeugnis muss vorgelegt werden“, sagt Suberg.

Jupp Lambertz ergänzt: „Schulungstermine zur Ersten Hilfe sind natürlich Pflicht für alle. Und das alles, was wir zur Sicherheit unserer Fahrgäste erfüllen müssen, sollte eigentlich auch für jeden Autofahrer ab 65 Jahre eine Selbstverständlichkeit sein. Bei uns Fahrern stellt der Arzt die Grenze zur Fahrtüchtigkeit.“

Die Fahrgäste kommen letztlich alle pünktlich am Ziel in Glehn an. Das liege zurzeit vor allem daran, dass es in der Weihnachts- und Ferienzeit weniger Fahrgäste und damit weniger Stopps gebe, wissen die vielen Fahrer. Den Fahrplan, die Preise und den Streckenplan sind aig der Internetseite des Bürgerbusses unter www.buergerbus-ko.de einzusehen.