Uedem: Der Bürgerbusverein sucht dringend neue Fahrer

Uedem : Bürgerbus-Fahrer schlagen Alarm

Seit 2004 befördert der Bürgerbusverein überall dort Fahrgäste, wo sich der Linienverkehr in Uedem nicht lohnt. Zuletzt wurde der 100.000 Gast gezählt. Doch es fehlt an ehrenamtlichen Fahrern. So steht der Betrieb vor dem Aus.

Geht es um die Zukunft des Uedemer Bürgerbusses, nimmt Bürgermeister Rainer Weber kein Blatt vor den Mund. „Wenn da nicht was passiert, werden wir das Angebot beenden müssen“, sagt er. Gemeinsam mit dem Bürgerbusverein lud der Verwaltungschef zum Pressegespräch ins Rathaus ein. „Das ist ein Appell, ja ein Aufschrei“, kündigt Weber weiter an. Der Grund: Die Zukunft des Bürgerbusses ist in Gefahr. Dieser fährt auf zwei Linien. So verbindet der Bus Uedem mit Weeze über die Dörfer Uedemerbruch und Labbeck, zudem verkehrt er zwischen Uedem und Keppeln. Und das von Montag bis Freitag zwischen 7 und 18 Uhr.

2004 wurde der Bürgerbusverein, ausdrücklich vom damaligen Bürgermeister Werner van Briel goutiert, ins Leben gerufen. Das Ziel: Der Bürgerbus soll Menschen überall dorthin bringen, wo der Linienverkehr nicht im Einsatz ist. Dafür setzt der Verein einen Niederflurbus mit acht Sitzplätzen ein und, noch viel wichtiger, ehrenamtliche Fahrer. Doch diese fehlen zunehmend. „Das Ehrenamt findet einfach nicht mehr den nötigen Zuspruch. Das ist in vielen Vereinen der Fall, bei uns aber besonders bedrohlich“, sagt Paul-Günter Bremen, stellvertretender Vorsitzender des Bürgerbusvereins. Während der Verein früher noch über 28 Fahrer verfügte, sind es nun nur noch 14. Im kommenden Jahr dürften es zwölf sein.

Angst macht das zuvorderst Menschen, die auf den Kleinbus angewiesen sind. Eine derer, die den Bürgerbus kaum missen könnten, ist Christel Hülsmann aus Uedemerbruch. „Wenn es den Bürgerbus nicht mehr geben würde, wäre das eine Katastrophe für mich. Ich kann kaum beschreiben, wie schlimm das wäre“, sagt die 79-Jährige. Den Bürgerbus nutze sie bereits seit mehr als einem Jahrzehnt, um von Uedemerbruch nach Uedem zu kommen. Auto dürfe die Rentnerin ob hartnäckiger Schwindelbeschwerden nicht mehr fahren, daher sei sie auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. „Ich will selbstständig sein und eigenständig über meine Zeit bestimmen. Das geht aber nicht, wenn ich immer andere fragen muss, ob sie mich fahren können“, sagt Hülsmann, die am 18. Oktober der 100.000 Fahrgast war. So steigt sie in den Bürgerbus, um zum Arzt, zum Supermarkt, zur Physiotherapie oder zu Freundinnen zu kommen. „Ohne Auto würde man in Uedemerbruch festsitzen“, sagt die Seniorin weiter. Für die Vereinsverantwortlichen ist auch klar: Das Angebot erfreut sich wieder wachsender Beliebtheit. Früher, da habe man bis zu 10.000 Gäste jährlich transportiert, mittlerweile seien es nur noch knapp 5000 – allerdings mit steigender Tendenz. „Seitdem wir Weeze ansteuern, läuft es wieder besser“, sagt Bremen.

Eigentlich, so erklärt es Vereinschef Hans-Georg Fröhlich, brauche man zwanzig Fahrerinnen und Fahrer, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Da sich so viele längst nicht mehr als Personenbeförderer engagieren, fahren die Freiwilligen mittlerweile täglich im Zwei-Schicht-Dienst. Früher sei ein Betriebstag in vier Schichten eingeteilt worden. So komme es vor, dass Fahrer bis zu sechs Stunden hinterm Steuer säßen – schließlich befördere man in den Morgenstunden auch noch Kinder zur Schule. „Weil uns Fahrer fehlen, müssen wir teilweise zu viel fahren. Ein Hobby sollte aber nicht in Stress ausarten“, sagt Fröhlich. Auch Weber erklärt: „Was diese Menschen für die Allgemeinheit leisten, ist bemerkenswert.“

Doch die Gruppe ehrenamtlicher Fahrer ist nicht nur klein, sondern auch recht betagt. Der Älteste ist 83 Jahre alt, mit einer Ausnahme sind alle Fahrer längst verrentet. Es fehlt also an Nachwuchs. Dabei sind die Hürden niedrig: Mehr als den Führerschein der Klasse drei, einen Personenbeförderungsschein und ein ärztliches Gutachten brauche es nicht. So hoffen Fröhlich und Bremen, dass sich schnellstmöglich neue Freiwillige melden. Rainer Weber sagt dazu: „Viele merken erst, was fehlt, wenn´s nicht mehr da ist. Es muss jetzt etwas passieren.“