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Kleve: Mifgash plant Festival und Grundsteinlegung in der Innenstadt

Festival und Aktionen : Mifgash plant Doppel-Event in der Klever Innenstadt

Am 10. und 11. September erwartet der Verein Hunderte Besucher an der Reitbahn in Kleve. Los geht es am Freitag mit der „Grundsteinbildung“ für das Haus Mifgash. Am Samstag folgt ein Festival mit einer stillen Tanzfläche, Ständen und viel Programm.

Als Verein ist es eigentlich bescheuert, so etwas zu machen“, sagt Thomas Ruffmann. „Das sind schon sehr große Events für uns, die an die Grenzen der Kräfte gehen.“ Sie haben es trotzdem getan – und so erwartet Kleve am 10. und 11. September eines der größten Festivals seit Beginn der Corona-Pandemie.

Los geht es am Freitag mit der Grundsteinbildung für das Haus Mifgash ab 17 Uhr an der Schwanenburg. „Die Vorstellung, dass es einen Ort der Begegnung in Kleve gibt für jeden Menschen ungeachtet von Hautfarbe, Religion, Nationalität oder Vorliebe beim Fußballverein, das ist radikal und gut“, sagt Künstlerin Nicole Peters. Dieses Haus soll nach Plänen des Vereins bekanntlich an der Reitbahn, am Synagogenplatz in Kleve entstehen.

Nicole Peters hat Menschen gefragt, wie sie zusammenleben wollen. Herausgekommen sind 712 in Tonziegel geritzte Antworten. Die gebrannten Ziegel werden den Teilnehmern bei der feierlichen Grundsteinbildung wieder ausgehändigt, am Abend des 10. September vor Sonnenuntergang in direkter Nachbarschaft der ehemaligen jüdischen Synagoge. Dabei werden Unterzeichner ans Mikro treten und ihre Botschaften vorlesen. „Dass Kunst mit dieser Grundsteinlegung irritiert, ist gut. Kunst soll irritieren“, sagt Peters. „Sie wird durchgeführt, ohne dass es schon eine Baugenehmigung gibt.Es wäre aber schade, wenn diese Irritation zu einer Abneigung der Pläne führt.“

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Für den Verein sei die Gedenkstätte an der Reitbahn ein „ganz wichtiger Ort“, sagt Ruffmann, der betont, dass auf dem Synagogenplatz kein festes Haus gebaut werden und auch die derzeitige Gedenkmauer erhalten bleiben soll. „Wir wünschen uns das sehr und die Reaktionen aus den Fraktionen im Klever Stadtrat sind grundsätzlich positiv. Auch wenn es natürliche wichtige Fragen zu Details gibt“, sagt er. Details wie: Soll der Synagogenplatz künftig eine überdachte Gedenkstätte sein? Aber auch Fragen der Finanzierung müssen noch geklärt werden. „Wir haben keinen Mäzen, der uns die nötigen zwei Millionen Euro einfach so gibt“, sagt Ruffmann.

Die Entscheidung steht noch aus – am Samstag, 11. September wird aber erst einmal gefeiert. Das sechste Festival Mifgash steht an, von 14 bis 24  Uhr auf dem Gelände rund um die Schwanenburg zwischen Synagogenplatz, Reitbahn und Marstall. Geboten werden soll ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit über zehn lokalen und regionalen Ensembles. Dazu kommen verschiedenen Aktivitäten, Aktionen und Darbietungen auf dem Gelände. Rund 20 Vereine, Initiativen und Organisationen nehmen teil. Und wie schon bei den ersten fünf Mifgash-Festivals ist auch eine kulinarische Meile mit Gerichten aus der ganzen Welt aufgebaut.

Auf der Bühne geht es um 14 Uhr los, zu hören sind unter anderem die Multi-Instrumentalisten Archer & Tripp (16 Uhr), die KAG-Big Band (18 Uhr) und Blues und Balladen mit Bel Sonics (21 Uhr). Zwischen 22 und 24 Uhr geht die Party weiter – mit Rücksichtnahme auf die Lage direkt in der Klever Innenstadt, wie Lena Tschirsch erklärt. Sie ist genau wie Violet Roberts eine der Studierenden, ohne die das Festival laut Thomas Ruffmann nicht hätte organisiert werden können. „Wir veranstalten eine stille DJ-Party“, sagt Tschirsch. Dabei legen vier DJs auf, alle Besucher tragen Kopfhörer und wählen selbst, wozu sie tanzen wollen. „Das ist schon an der Hochschule super angekommen. Wir hoffen, dass es dieses Mal auch so ist“, sagt Tschirsch. Die Kopfhörer gibt es für eine Leihgebühr von zwei Euro, für die Party gilt – als einziger Programmpunkt – die 3G-Regel.

Wo sich früher der Rittersaal der Schwanenburg befand, machen sich am Samstag über 20 Klever Vereine, Initiativen und Parteien breit und laden zu Aktionen und Gesprächen ein. Außerdem gibt es zwei Ausstellungen zu sehen: Auf dem Synagogenplatz wird die Plakatausstellung „Drei Pavillons“ gezeigt, die die Planungen für das Haus der Begegnung erläutern. Im Burghof ist die Ausstellung „200 Jahre Klever Snyagoge“ vom Stadtarchiv in Kooperation mit dem Klevischen Verein zu sehen. Um 16 Uhr findet ein Bildervortrag zur Geschichte der Synagoge mit Helga Ullrich-Scheyda statt, um 17 Uhr sollen unter dem Titel „Integration! Respekt!“ Demokraten diskutieren und mit Herzblut streiten, wie es von den Veranstaltern heißt. Den ganzen Tag über gibt es im „Open Space“ spontane Begegnungen, Workshops und Aktionen. Der Eintritt zum Festival ist frei.