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Fotokünstler besucht Aufnahmeort seiner Beuys-Bilder 43 Jahre später.

Joseph Beuys : „Jeder Künstler ist auch ein Mensch“

Der Fotograf Gerd Ludwig besuchte den Ort, an dem er vor 43 Jahren eine Fotoserie mit Joseph Beuys machte. Er kam aus Los Angeles an den Niederrhein.

Er lebt seit den 80ern in den USA, besucht zwar regelmäßig sein Heimatland Deutschland, aber an einem bestimmten Ort war er 43 Jahre lang nicht mehr. Es ist die Düffel zwischen Rindern und Kleve, wo der Dokumentarfotograf Gerd Ludwig zusammen mit dem ZEIT-Journalisten Peter Sager im Januar 1978 eine Fotoserie mit Joseph Beuys machte. Eine Auswahl dieser Bilder als übergroße Installationen in der Landschaft, in der der weltbekannte Künstler, der gleichermaßen bewundert wie kritisiert wurde, als Kind und Jugendlicher aufwuchs, zu sehen. Er wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

Die frei zugängliche Fotoausstellung mit dem Titel „Kunst & Klimawandel: Beuys´ Land“ initiierte der Freundeskreis Museum Kurhaus & Koekkoek-Haus Kleve sowie der Verein Forum Arenacum Rindern. Die Koordination übernahm Frank Mehring, Professor für Amerikanistik in Nijmegen. Die etwa zwei mal drei Meter großen Alu-Dibonds stehen genau an den Plätzen, an denen die Fotos vor 43 Jahren gemacht wurden, zum Beispiel am Dassendonkhof, wo Ludwig den Künstler neben seiner Wiege und mit einem toten Hasen in der Hand fotografierte. Mit schnellem Schritt geht Ludwig darauf zu und sagt: „Beuys hätte anstelle der Wiege wohl lieber eine Zinkwanne neben sich gehabt.“ Und der Hase sei ihm in der Hand mit der Zeit etwas schwer geworden. „Kann ich nicht die andere Hand nehmen?“, habe er gefragt. Nein, das hätte nicht zur Bildkomposition gepasst, so der Fotograf. Die Inszenierung des Fotos habe einige Zeit gedauert, es habe eisiger Wind geherrscht und die Kühe im Hintergrund hätten nicht immer in der gewünschten Position gestanden. Beuys sei etwas skeptisch gewesen, aber er habe zu ihm gesagt: „Sind sie mal sie selber!“ Das Bild erlangte später einige Berühmtheit, ebenso die anderen aus der Serie. Die Grundidee dazu hatte Peter Sager, berichtet Ludwig. Sager verfasste für das Zeitmagazin den Artikel „Beuys: Die heilige Kuh vom Niederrhein“, spürte darin der Landschaft und den Menschen nach, die den Künstler prägten. Der Artikel erschien ein Jahr vor Beuys´ international beachteter Guggenheim-Ausstellung in New York. Frank Mehring sieht in den Fotos besonders den Menschen Joseph Beuys. „Beuys hat ja gesagt: Jeder Mensch ist ein Künstler. Aber jeder Künstler ist auch ein Mensch, das, finde ich, zeigen die Fotos.“

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Insgesamt neun Stationen kann man als Besucher der Ausstellung (am besten) er-radeln. Mehring erläutert weiter: „Die Installationen funktionieren anders als in Museums-Räumen, sie ermöglichen einen menschlichen Kontakt mit dem Künstler. Hier in der Natur des Niederrheins waren sein Ursprung und sein Kraftort.“ Zu Gerd Ludwigs Besuch an seiner Wirkstätte waren zahlreiche Mitglieder des Freundeskreises der Klever Museen gekommen. Die Vorsitzende Helga Diekhöfer erzählte, wie diffizil es war, den jeweils richtigen Standort für die Fotos zu finden. Man wollte möglichst exakt den gleichen Punkt wie 1978 finden. Aber die Landschaft habe sich auch verändert. Wichtig sei ihnen gewesen, dass Besucher auch an das Bild herangehen können, also nicht über Zäune klettern müssen. Gerd Ludwig war bei seinem Besuch im regen Gespräch mit den Gästen am Dassendonkhof, wo die Familie van Heukelum zu Kaffee und Kuchen einlud. Er habe bei der Arbeit mit Beuys den Künstler sehr menschlich erlebt, er sei nicht immer todernst gewesen, habe sich aber von ihm und Sager führen lassen. Bei dem Nahporträt allerdings habe er als Fotograf nicht viel sagen müssen, da sei Beuys sich seiner Präsenz sehr bewusst gewesen.

  Gerd Ludwig, Jahrgang 1947, ist ein deutsch-amerikanischer Dokumentarfotograf. Er arbeitete unter anderem für Geo, Spiegel, Zeitmagazin, Time und Life und als Vertragsfotograf für National Geographic. Ihn interessieren besonders ökologische Themen. Er berichtete ausführlich über die Atomkatastrophe in Tschernobyl. Aktuell beschäftigt er sich mit der Geschichte der ehemaligen Sowjetunion.

Die Radtour zu den Fotoinstallationen in der Düffel „ZEIT im Beuys´ Land“ ist möglich bis zum 3. Oktober. Ausführliche Informationen dazu auf: www.ArtandClimateChange.com