1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Durch Trinkwasser Frieden schaffen

Kleve : Durch Trinkwasser Frieden schaffen

Monsigneur Laurent Lompo, frisch ernannter Weihbischof aus dem Niger, verbringt diese Woche in Kevelaer. Er trifft sich mit Mitgliedern des Hilfsprojekts "Pro Humanität", das in seiner Heimat in Afrika Brunnen baut.

Von Niamey nach Kevelaer ist man gute sieben Stunden unterwegs, inklusive einmal Umsteigen in Paris. Für Weihbischof Laurent Lompo ist der Weg von der Hauptstadt des Niger an den Niederrhein auch eine Reise durch die Stationen seines Lebens: Im Niger ist er aufgewachsen, in Paris hat er nach seiner Priesterweihe gelebt und eine Fortbildungsschule besucht. Und auch mit dem Niederrhein verbindet ihn seit vielen Jahren eine besondere Beziehung.

Die vielen Helfer der Aktion "Pro Humanität" aus dem Kreis Kleve machen das möglich, was in seinem Land, das zu den ärmsten der Welt zählt, so dringend gebraucht wird: die Versorgung mit Trinkwasser. "17 Brunnen haben wir seit 2005 schon gebaut, in diesem Jahr sollen fünf weitere hinzukommen. Auch eine Krankenstation und ein Ambulanzfahrzeug haben wir finanziert", berichtet Elke Kleuren-Schryvers, Vorsitzende der Aktion. Auch die Stiftung der Familie Seibt aus Wesel und eine Spendergruppe aus Sonsbeck sind an den neuen Brunnen beteiligt.

Mit dem ehemaligen Priester und jetzigem Weihbischof — er wurde im Januar von Papst Benedikt XVI. ernannt — ist während dieser Zusammenarbeit eine Freundschaft entstanden. In den sechs Tagen, die er zurzeit am Niederrhein verbringt, übernachtet er bei Familie Kleuren-Schryvers in Kevelaer.

Lompo kommt regelmäßig an den Niederrhein, um sich zu bedanken und die weitere Entwicklung des Projekts mitzugestalten. Seine Tage verbringt er mit vielen Gesprächen, trifft Spendergruppen, nimmt an Projektsitzungen teil und bespricht Details. Das Trinkwasser, das die Niederrheiner durch ihre Brunnen in den Wüstenstaat bringen, bedeutet für Lompo mehr als nur eine Verbesserung der Hygiene und Gesundheit. "Das Wasser kann auch Frieden zwischen den Religionen schaffen und für mehr Dialog sorgen", sagt der Weihbischof. Im Niger gibt es immer wieder Konflikte zwischen den Muslimen, die eine große Mehrheit der Bevölkerung stellen und der christlichen Minderheit. Trotzdem galt das Land im Vergleich zu anderen westafrikanischen Staaten lange als beispielhaft für den interreligiösen Dialog. Durch den Krieg im Nachbarland Mali, in dem Islamisten nach der Macht streben, hat sich die Lage jedoch wieder verschlechtert. "Die Angst vor islamistischen Übergriffen ist groß", berichtet der Weihbischof. Er selbst ist in einer muslimischen Familie geboren und erst im Erwachsenenalter getauft worden.

Elke Scheuren-Klyvers und die anderen Mitglieder von "Pro Humanität" waren früher regelmäßig im Niger. Seit drei Jahren ist das nun nicht mehr möglich. "Es ist momentan einfach zu gefährlich für uns", sagt sie.

Am Samstag fliegt Lompo zurück nach Niamey, wo im Juni vor rund 2 000 Menschen seine Bischofsweihe stattfinden wird. "Ich habe die Zeit im Wallfahrtsort Kevelaer auch zur spirituellen Vorbereitung auf das Ereignis genutzt", erzählt er. Seine Soutane ist bereits beim päpstlichen Schneider in Rom in Arbeit.

Gespannt erwartet Lompo auch die Papstwahl. Ein Afrikaner muss es für ihn aber nicht unbedingt sein. "Es ist nicht wichtig, von welchem Kontinent er stammt. Es ist wichtig, dass er die Krisen der Kirche bewältigen und die Authentizität des Glaubens bewahren kann", sagte der Bischof.

(RP/rl)