Antoniusbild der Hanselaerer Kirche aufwändig restauriert.

Hanselaer : Teufelchen bei der Versuchung

Jens Hofmann erläuterte die Restaurierung des Antoniusbilds aus der Hanselaerer Kirche.

Seit 40 Jahren lädt abwechselnd eine andere Familie die gut 100 Einwohner von Hanselaer zum Nachbarschaftsfest an einem Junisonntag ein. In diesem Jahr gab es eine Besonderheit, die mit dem Pfarrpatron zu tun hat. Von dem gibt es in der gotischen Dorfkirche nicht nur eine Figur samt obligatorischem Schwein, sondern auch ein einzigartiges Bild. Und zu dem gab es bei der monatlichen Messe viel zu erzählen. Dabei feiert man am 14. Juli zugleich auch das Namensfest eines großen anderen Antonius, eines Schülers des heiligen Franziskus, des großen Bußpredigers Antonius von Padua, den viele wegen verlorener Sachen anfragen.

Die ungeheizte Kirche bringt es mit sich, dass das auf Leinwand gemalte Gemälde von 1622, 1973 zuletzt restauriert, einiges an Schäden aufzuweisen hatte, zumal es erst jetzt eine Rückenabdeckung bekommen hat gegen die kalte Wand. Restaurator Jens Hofmann aus Bonn, der schon das Kalkarer Gerichtsbild in ein neues Licht gerückt hat und in Nicolai die Kunstpflege übernommen hat, war wegen der Reinigung der Hanselaerer Altäre in diesen Tagen sowieso anwesend.

Der Kirchenvorstand von Heilig Geist hatte ihm die Restaurierung des Bildes im Frühjahr aufgetragen mit der Bitte, es zum 40. Dorffestjubiläum der Gemeinde vorzustellen. Unter der Schmutzschicht kam nun über dem Antonius der Monreberg mit seiner Monterburg wieder deutlicher zum Vorschein. Die Teufelchen bei der Versuchung und die Frauen seiner Umgebung sind viel plastischer und ausdrucksstärker. Die Goldtaler des Geizes und die Liebreize der Damen sind wieder im Detail sichtbar. Die Krallen der tierischen Wesen oder die Gesichter kommen viel prägnanter heraus. Kurz: Es kam ein eminent kostbares und differenziertes Gemälde hervor. Und wenn man das Foto der Bibel des Antonius auf den Kopf stellt, sieht man, dass eine klare rote Inschrift die Textseite ziert: „St. Tönnes, bit fijr uns! M. Iann Schijlder Anno 1622“.

Restaurator Jens Hofmann sprach über Meister Jan, den Maler. Noch sind die Herkunft und der „Nachname nicht bekannt. Man wird in einem größeren Umfeld suchen müssen. 1622 war in Kalkar Belagerungszeit und die Bürger hatten ihre liebe Not, Kontributionszahlungen zu leisten. Die beiden Kirchmeister, die nach der unten aufgeführten Inschrift dieses Bild gespendet haben, könnten dieses Bild im Gegenzug zu Geld- oder Naturalienzahlungen auch von weit her eingetauscht haben.

Die Kirchengemeinde ist dankbar für die Spenden der Hanselaerer, zweier Kalkarer Bruderschaften und des Bistums Münster, um die kostspielige, aber nötige Aufarbeitung finanzieren zu können. Jedenfalls muss man weit und breit suchen nach einem Antoniusbild, das so intensiv die Versuchungen des Antonius, den Besuch bei dem Einsiedler Paulus, das Sterben und das Begräbnis des großen Heiligen des Klever Grafenhauses präsentiert und das vor einer Kulisse des Monrebergs.

(AvD)
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