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Monika Heinsohn aus Kalkar ist Pflegerin ihr Job ist nicht selbstverständlich

Debatte nach TV-Doku : Pflegerin in Kalkar – nicht selbstverständlich

Mit einer Aufsehen erregenden Fernseh-Dokumentation rückt der Pflegenotstand wieder in den Fokus der Debatte. Sie macht klar: Diese Arbeit ist nicht selbstverständlich. Arbeit wie die von Monika Heinsohn aus Hönnepel.

In der vergangenen Woche hat ProSieben TV-Geschichte geschrieben – und damit Schlagzeilen gemacht: Der Privatsender hatte am Mittwochabend auf Betreiben der Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sieben Stunden Sendezeit freigeräumt, um mit einer Dokumentation ohne Werbeunterbrechung auf Deutschlands Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Unter dem Motto #Nichtselbstverständlich wurde mit Hilfe einer Bodycam in Echtzeit eine Schicht der Krankenpflegerin Meike Ista in der Uniklinik Münster gezeigt. Die Visite bei den Patienten war mit jedem einzelnen Arbeitsschritt zu sehen. Zuschauer erlebten unmittelbar mit, was es wirklich heißt, in der Pflege zu arbeiten. Reaktionen darauf kamen sogar aus der Bundesregierung.

Nicht selbstverständlich. Das ist auch die Arbeit der Pflege am Niederrhein. Monika Heinsohn zum Beispiel ist eine von 263 Mitarbeitern der Mobilen Pflege des Caritasverbandes Kleve. Die 60-Jährige, die mit ihrem Sohn in Hönnepel lebt, hat erst mit Anfang 50 die Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert. Flink läuft die kleine Frau mit den roten Haaren durch die Räume der Mobilen Pflege in Kalkar. Unter dem Arm hält sie die Tourenmappe, mit der Kollegin vom Spätdienst bespricht sie noch schnell die Übergabe. Danach geht’s heim. Monika Heinsohn sagt: „Ich liebe meinen Job.“

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Warum? Weil Monika Heinsohn es liebt, mit Menschen zu arbeiten, wie sie sagt. Und zwar ganz nah. „Als Altenpflegerin bin ich für viele Menschen oftmals der einzig verbliebene Kontakt. Das macht das Arbeiten schön“, sagt Heinsohn. Kalkar ist nicht nur ihr Wohnort, die Hansestadt und deren umliegende Ortschaften sind seit drei Jahren auch ihr Tätigkeitsfeld. Dort beginnt jeden Morgen um 6 Uhr ihre Schicht, Monika Heinsohn ist eine von 27 Mitarbeiterinnen, die für die Außenstelle Kalkar arbeiten. Fünf Frühdiensttouren und eine Spätschicht versorgen die Patienten aus Kalkar und Umgebung.

„Monika ist immer einsatzbereit, wenn es um kurzfristige Zusatzschichten geht“, sagt Elke Huber-Groenewald, die Leitung der Mobilen Pflege. „Monika ist immer interessiert, wenn es um Fort- und Weiterbildungen geht. Sie ist motiviert, lebendig, sie arbeitet selbstständig, auch bei Problemen. Ich bin froh, so eine Kollegin an Bord zu haben.“

Heinsohns Tätigkeit beim Caritasverband Kleve begann 2014 in Emmerich – als Auszubildende. „Zuvor habe ich 20 Jahre lang als Friseurin in Duisburg gearbeitet. Dann hat es uns an den Niederrhein verschlagen“, sagt sie. Damals habe sie noch einmal so richtig durchstarten wollen. Nur durch Zufall sei sie in der Pflegeausbildung gelandet. Mit Anfang 50. „Ich war die Älteste und habe mit der Jüngsten zusammen gelernt. Das waren drei tolle Jahre. Die Pflege ist mit das Beste, was mir passieren konnte.“ Und, das müsse auch mal gesagt werden: „Ich verdiene hier gutes Geld.“

Empathie, Offenheit und Flexibilität sowie eine große Portion Teamfähigkeit seien die besten Voraussetzungen für die Arbeit in der Mobilen Pflege. „Jeder Tag ist anders, man weiß nie, was einen erwartet. Das ist das Schöne daran“, sagt Heinsohn. Wichtig sind ihr, klare Grenzen zu ziehen. „Du darfst die Pflege niemals mit ins Privatleben nehmen.“

Menschen wie Monika Heinsohn aus Kalkar sind es, denen viele zu Beginn der Corona-Pandemie applaudiert haben. Der Applaus auf den Balkonen ist inzwischen wieder verstummt. Der Pflegenotstand aber bleibt in Deutschland weiterhin Thema. Laut Medienberichten ist die Zahl der Beschäftigten in der Pflege zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 bundesweit um 9000 gesunken. Etwa ein Drittel der Pfleger denken einer Umfrage zufolge wegen der Arbeitsbedingungen über einen Berufswechsel nach. Die Politik ist gefragt. „Es ist gut, dass die Pflege jetzt in der Primetime läuft. Pflegerinnen und Pfleger verdienen unseren Respekt, unser Dankeschön, aber vor allem bessere Arbeitsbedingungen“, sagte als Reaktion auf die Dokumentation von ProSieben Jens Spahn. Und der ist als Gesundheitsminister nicht nur jemand, der es wissen muss. Sondern auch einer, der etwas dafür tun kann.

(lukra)