Acht Schüler aus dem Kreis Kleve radeln selbstständig durchs Land

Pilotprojekt : Längs durchs Land mit Rad und ohne Navi

Acht Kinder sollen erfahren, was sie alles können, wenn sie müssen. Eine vierwöchige Radtour geht zu Ende, ein Film entsteht.

Das Projekt ist weniger touristisch, als vielmehr sozialpädagogisch angelegt. Thomas Binn, der seit vielen Jahren für seine Aktion „Zielpunkt Meer“ bekannt ist, hat den Anspruch in diesem Jahr noch deutlich verschärft: Fast ganz auf eigene Faust radeln seit vier Wochen acht Jungen und Mädchen aus dem Kreis Kleve von Süd nach Nord an der früheren innerdeutschen Grenze entlang. Sie organisieren alles selbst: den Weg, den Übernachtungsort, ihre Mahlzeiten. Der Kevelaerer Pädagoge und Filmer Thomas Binn und ein zweiter Begleiter fahren mit einigem Abstand hinterher. Über dieses große Abenteuer wird ein Film gedreht, der ab März 2020 zu sehen sein wird. Die Helden der Geschichte werden am Freitag am Bahnhof in Kevelaer zurück erwartet. Ob sie das Meer erreicht haben, wollen sie nicht sagen. Das ist später im Film zu erfahren.

„Es war ein ungeheurer Kraftakt“, sagt Binn im Gespräch mit der Rheinischen Post. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für ihn, der sicherlich die Kilometer in den Beinen spürt, aber ebenso die Last der Verantwortung und den Druck, geeignetes Material für einen professionellen Film zusammenstellen zu müssen. Die vier Jungen und vier Mädchen, Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums Geldern, des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums Kevelaer, des Collegium Augustinianum Gaesdonck in Goch und der Klever Gesamtschule Am Forstgarten, sind für das besondere Pilotprojekt von den Direktoren ihrer Schulen (mit Bewilligung der Bezirksregierung) vom Unterricht freigestellt worden. Was sie auf dieser Tour lernen, ist in vier Wochen Schule nicht zu erreichen.

„Uns ging es darum, den Kindern, deren Alltag so durchorganisiert ist, mal die Erfahrung von Freiheit und von eigenen Entscheidungen zu gönnen“, sagt Binn. „Helikopter-Eltern“, die immer in der Sorge leben, ihr Kind könne sich verlaufen, verletzten, überfordert sein, müssen in dieser Phase sehr tapfer sein. Nur selten haben die jungen Abenteurer die Möglichkeit, zu telefonieren. Postlagernd konnten Briefe geschrieben werden, ansonsten darf ab und zu eine Telefonzelle genutzt werden – Handys sind verboten. Was auch bedeutet, dass von Online-Navigation keine Rede ist. „Die Kinder orientieren sich anhand von Kartenmaterial. Danach suchen sie auch Orte aus, in denen vermutlich ein Zeltplatz zu finden ist“, berichtet Binn. Denn die Gruppe muss mit täglich 80 Euro auskommen – Übernachtung und Verköstigung inklusive. „Einmal waren sie schon blank, dann konnten wir das Zelt mal kostenlos aufbauen, und schon passte es wieder.“

Die ersten Tage waren besonders hart, denn im Süden Deutschlands (Start war im bayerischen Hof) gibt’s reichlich Anhöhen. Auch im Harz war noch mal ein richtiger „Brocken“ zu bezwingen, danach ging’s in die Ebene. „Es ist fast ein Wunder, wie die Gruppe die Herausforderungen meistert“, sagt Binn.

Vier Wochen lang wurde im Zelt geschlafen. Die Übernachtungsplätze mussten die Kinder selbst finden, dann das Zelt aufbauen, kochen, aufräumen. Foto: BINN-Medienproduktion

Niemand musste oder wollte aufgeben, kleine Blessuren und Heimweh waren immer schnell wieder vergessen. Eine Erfahrung fürs Leben – und ab Freitag brauchen alle erst einmal Ruhe.

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