Grabhügel zwischen Uedem und Weeze

Heimatverein Uedem : Das Gräberfeld von Kalbeck

Der Heimat- und Verkehrsverein zeigt erstmals seit 80 Jahren 24 Fundstücke aus den Ausgrabungen des Duisburger Museumsdirektors Rudolf Stampfuß. Er hatte 1932/33 im Bereich Weeze/Uedem 158 Grabhügel untersucht.

(RP) Im Wald beim Schloss Kalbeck haben sich bedeutende Hinterlassenschaften der Menschen aus der Zeit vor der römischen Besiedlung erhalten, und zwar im Grabhügelfeld von Kalbeck. Teilweise erforscht im 19. und 20. Jahrhundert, bilden die Grabhügel immer noch ein eindrucksvolles Beispiel für eine der wichtigen Siedlungsperioden der Menschen am unteren Niederrhein.

Die ersten bekannten Untersuchungen führte in den Jahren 1831/32 Prof. Janssen von der Universität in Utrecht aus. Aber schon er berichtete von Zerstörungen von über 500 Gräbern bei Rodungen, die kurz vor seinen Grabungen stattgefunden hatten. Aus den Berichten wird jedoch nicht klar, wie viele Grabhügel er untersucht hat. Auch er berichtet von Mehrfachbestattungen in einem Grabhügel, wobei er darauf hinweist, dass die einzelnen Urnen in unterschiedlichen Höhen innerhalb der Hügelaufschüttung beigesetzt waren. Die Funde seiner Grabungen kamen nach Utrecht und Leiden, wo sie Rudolf Stampfuß später teilweise noch nachweisen konnte.

Rudolf Stampfuß sind die Funde zu verdanken. Foto: HVV Uedem

In den 1850er Jahren gab es weitere größere Raubgrabungen, über die aber heute keine Informationen mehr vorliegen. Durch die Publikation von Janssen war Carl Rademacher aus Köln aufmerksam geworden. Er machte im Jahr 1896 Untersuchungen in 34 Hügelgräbern, allerdings gibt es auch darüber keine Aufzeichnungen mehr.

Es dauerte bis 1923, bis Josef Rademacher aus Köln wieder Grabungen durchführte. Allerdings suchte dieser lediglich Funde für sein Kölner Museum. In den Jahren 1932 und 1933 folgten die Grabungen durch Rudolf Stampfuß, der seine Ergebnisse schnell und ausführlich publizierte. 1936 gab es noch kleinere Untersuchung durch das Rheinische Landesmuseum Bonn. Seit dieser Zeit gab es keine wissenschaftlichen Untersuchungen mehr.

Rudolf Stampfuß war in den frühen 1930er Jahren Direktor des Städtischen Heimatmuseums (seit 1942: Niederrheinisches Museum) in Duisburg-Hamborn. In dieser Funktion hatte er im Winter 1930/31 Grabungen im germanischen Gräberfeld von Keppeln durchgeführt. So bekam der Forscher Kontakt zum damaligen Eigentümer des Waldes, Freiherr von Vittinghoff-Schell. Da Rodungen auf dem Gelände anstanden, konnten mit großzügiger Unterstützung des Freiherrn die Grabungen an drei Stellen durchgeführt werden.

Im Feld I am Keppelner Grenzweg erfasste er 130 Hügelgräber, im Feld II im mittleren Teil 14 Hügelgräber und im Feld III auf einer schmalen Rodungsflur im Osten 14 Grabhügel, zusammen 158 Grabhügel mit 192 Bestattungen, darunter 27 Nachbestattungen. Nach dem Ende seiner Untersuchungen stellte Stampfuß die Grabhügel so her, wie er sie vorgefunden hatte. So sind sie heute noch weitgehend im Gelände vorhanden und die Lage an Hand der Grabungspläne nachvollziehbar.

Bei den von Stampfuß untersuchten Hügelgräbern handelt es sich in der Regel um Rundhügel. Bei der Differenzierung der Größen und Höhen ist natürlich die Erhaltung zu beachten, da seit der Errichtung rund 2500 bis 3000 Jahre vergangen sind. Die überwiegende Anzahl der Funde stellen Keramikgefäße dar. In einigen Fällen wurden umgedrehte Schalen genutzt, aber es kamen auch Tücher, Steine oder Ähnliches vor. Bei einigen Bestattungen wurden Beigefäße mitgegeben.

Das Gräberfeld Kalbeck weist eine lange Belegung durch alle Abschnitte der Bronzezeit und Älteren Eisenzeit auf. Die ältesten Funde datieren in die Mittlere Bronzezeit (1500–1200 v. Chr). Einen deutlichen Rückgang der Belegung verzeichnet man bei der Mittleren Eisenzeit (250–125 v. Chr.).

Das Gräberfeld von Kalbeck gehört zu den bedeutenden Fundstellen der Metallzeiten am unteren Niederrhein. Durch die wissenschaftlichen Ausgrabungen können die grundlegenden Fragen nach der Dauer der Belegung und nach der Ausformung der Bestattungen beantwortet werden. Danach liegen die Bestattungen in einem Zeitraum von rund 1000 Jahren. Die Größe des Gräberfeldes mit mehr als 1000 Bestattungen ist ungewöhnlich. Es ist heute nicht mehr zu klären, ob die Toten eines oder mehrerer Dörfer oder mehrerer Hofstellen bestattet sind.