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Debatte um Siegfried-Eulen-Straße in Weeze

Siegfried-Eulen-Straße in Kevelaer : Schwierige Debatte um Straßennamen

Wie umgehen mit Straßenzügen, die nach Personen mit zweifelhafter Biographie benannt sind? In Kempen hat man gerade entschieden, einen Namen nicht zu ändern. In Weeze läuft eine ähnliche Debatte zur Siegfried-Eulen-Straße.

In Weeze war das 100-jährige Bestehen des Volksbundes der Anlass, auch über die Person Siegfried Emmo Eulen kritisch nachzudenken. Wie berichtet, ist der Gründer des Volksbundes in Weeze begraben und eine Straße nach ihm benannt. Allerdings stand er den Nationalsozialisten sehr nahe. Professor Wolfgang Kruse, der die Geschichte des Volksbundes aufgearbeitet hat, stuft ihn ganz klar als Nazi ein. Bürgermeister Ulrich Francken hat sich jedoch deutlich dagegen ausgesprochen, die Straße umzubennen. „Wenn man es wegwischt, dann ist es aus dem Sinn. Das halte ich für falsch. Geschichte vermittelt man nicht, indem man unbequeme Dinge verschweigt“, so seine Meinung. Er ist eher dafür, einen erläuternde Zusatz unter dem Schild anzubringen. Das könne auch zur Diskussion anregen. In der kommenden Woche will er das Thema im Rat ansprechen.

Nicht nur in Weeze wird aktuell über ein solches Thema diskutiert. In Kempen haben sich Verwaltung und Politik gerade erst ausführlich mit der Wilhelm-Grobben-Straße beschäftigt. Grobben war ein glühender Verehrer des Heimatgedankens, hat dies in zahlreichen Dichtungen, auch in Kempener Mundart, zum Ausdruck gebracht. Er war nach Hitlers Machtergreifung seit 1933 Mitglied in der NSDAP und zeitweise als Ortsgruppenführer ranghöchster Nazi-Funktionär in Kempen. Der Kulturausschuss hatte Anfang November die Umbenennung der Straße beschlossen. Auch das Kulturamt in Kempen hatte sich für die Umbenennung ausgesprochen. Auslöser war ein Bürgerantrag, der angesichts Grobbens Rolle als führender Funktionär der Nazi-Partei in Kempen eine Erinnerung an diese umstrittene Person auf einem Straßenschild für nicht gerechtfertigt hielt.

Nach dem Beschluss des Kulturausschusses, die Straße umzubenennen, hagelte es Kritik vor allem von Anwohnern der Straße. Sie fühlten sich bei der Entscheidung nicht mitgenommen, waren tatsächlich im Vorfeld nicht einbezogen worden. Sie sammelten Unterschriften gegen die Umbenennung.

Anwohner und der Vorstand des Vereins Linker Niederrhein, dessen Vorsitzender Grobben seinerzeit war, hatten sich einem Kompromissvorschlag des Historikers Hans Kaiser angeschlossen, auch Grobbens Rolle als Nazi-Funktionär auf einer Zusatzinformation zum Straßenschild zu dokumentieren.

Dieser Linie schloss sich auch die Politik am Ende an und der Hauptausschuss kippte jetzt den Beschluss des Kulturausschusses. Im Kempen entschied man also am Ende so wie es jetzt für Weeze vorgeschlagen wurde.

Gegen die Umbennennung der Siegfried-Emmo-Eulen-Straße hatte sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Günther Bergmann ausgesprochen. Er sei gegen jegliche Form von „Denkmalsturz“. Dies sei für die Gegenwart nicht hilfreich.

Als Beispiel nannte er ein umstrittenes Kriegerdenkmal aus Kalkar, wo aller, auch jüdischer Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Kalkar, als Helden gedacht werde. Später sei auf der Rückseite als Relief ein NS-Adler eingraviert worden. Es gebe Bestrebungen, das Denkmal und damit auch das Gedenken an die Toten zu entfernen. Das lehnt Bergmann ab. Auch hier schlägt der CDU-Politiker eine ergänzende Erläuterung vor.