Wehrleute zeigten ihr Können

Großübung der Feuerwehr : Großübung: Feuerwehr im Dauereinsatz

Bei einer Großübung simulierte die Feuerwehr den Zusammenstoß eines Zug mit vier Autos. Das Szenario hielt die Rettungskräfte mehre Stunden lang in Atem.

Eine Schulklasse hat gerade den Krefelder Zoo besucht. Die Schüler sitzen oder stehen auf der Rückfahrt nach Kleve im nahezu vollbesetzten „Niers-Express“, als das schreckliche Unglück geschieht. Aufgrund eines Blitzeinschlages in der Steuerungsanlage ging die Bahnschranke am Hoogheweg nicht runter. Es kommt zum Zusammenstoß mit einigen Autos und zur Notbremsung. Es gibt dem Anschein nach drei Tote und 50 Leicht- bis Schwerverletzte. Es ist glücklicherweise nur eine Übung – die größte, die es bislang in Kempen gegeben hatte. Etwa 160 Rettungsräfte von DRK, Feuerwehr, Stadt und Krankenhaus sind über drei Stunden lang im Einsatz.

Die Übung, die der stellvertretende Wehrführer, Thomas Hormanns, mit seinem Team, darunter Vertreter der NordWest-Bahn, seit Mitte 2016 vorbereitet hatte, begann mit einer etwa zehnminütigen Verspätung. „Typisch, der Niers-Express kommt meistens nicht pünktlich“, war der Kommentar eines Schaulustigen, der den exakten Beginn des Zusammenstoßes aus der Zeitung erfahren hatte.

Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreis Viersen waren am Samstag in Kempen im Einsatz. Foto: Norbert Prümen (nop)

Als erstes Feuerwehrfahrzeug traf am Samstag gegen 14 Uhr Henrik Genneper mit den Erkundungstrupps ein. Schnell wurden alle vier Löschzüge aus Kempen, die Wachtendonker Feuerwehr und DRK aus dem gesamten Kreisgebiet, Katastrophenschutz und Krankenhaus alarmiert. Das Szenario: Aufgrund des Blitzeinschlags und der offen gebliebenen Schranke kollidieren vier Wagen mit dem rund 70 Tonnen schweren Triebzug. Personen sind in den Fahrzeugen eingeklemmt; ein Transporter und ein weiteres Auto werden vom Zug etwa 150 Meter weit mitgeschleift. Durch die Notbremsung stürzen und fallen die Zugpassagiere übereinander. Darunter schwangere Frauen, Kinder und Senioren. Rauch quillt aus dem Zug und aus einem Autos.

Hormanns teilt die verschiedenen Abschnittsleiter ein. So sind Ralph Stutz und Daniel Lochda mit ihren Leuten für die technischen Hilfen zuständig, Gisbert Hansen für den Brandeinsatz und für die Menschenrettung, Michael Beyer für die Wasserversorgung, und Nico Lorenz ist der leitende von neun Notärzten. Aus etwa hundert Meter Höhe sieht sich eine Drohne, gesteuert von Klaus Westermann, das Szenario an.

Kempens Pressesprecher Christoph Delmanns kümmert sich derweil um die Vertreter der Printmedien. Löschzugführer Michael Nagels führt die Pressevertreter an den drei direkten Gefahrenstellen am Gleisbett vorbei. Vor und hinter dem Zug müssen die Wehrleute gerade erst einmal vorsichtig und mit entsprechendem Gerät die Verletzten aus den Autos befreien. Der Zugang zum Niers-Express war da etwas einfacher: Es gibt nämlich einen äußeren Nothebel, durch den sich alle Türen leicht öffnen lassen.

Zahlreiche Beobachter verfolgen das Geschehen, darunter Kreis-Brandmeister Rainer Höckels oder Beigeordneter Hans Ferber. Die NordWest-Bahn sowie die „DB Netz AG“, haben ihre Notfallmanager geschickt. Einige DRKler hatten sich die violetten Westen mit der Aufschrift „Notfallseelsorger“ übergezogen. Die Insassen aus etwa 30 Fahrzeugen kümmern sich um die Brandbekämpfung und um die Menschenrettung und Erstversorgung.

An der Schrankenanlage sowie im Gleisbett mussten zahlreiche Personen gerettet und geborgen werden. Foto: Norbert Prümen (nop)

Die Großübung diente dazu, dass im Ernstfall alle Rettungskräfte optimal zusammen arbeiten und kommunizieren. So gab es dann auch einmal ein kurze Pause, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. So konnten die geschminkten „Verletzten“, junge Leute von Feuerwehr und DRK, auf der Ablagewiese vor der Firma Schönmackers etwas durchatmen. So klagte Johanna Schmitz (23) hinterher wieder über eine Kopfverlezung, stand Maike Marganiec (25) wieder unter Schock. Die „Schwerverletzten“ wurden umgehend in das Krankenhaus gebracht. Das Unfallszenario fand auf einem Privatgleis der Firma Wall Chemie statt. Direkt daneben sind zwei Gleise, auf denen tatsächlich der „Niers-Express“  fährt. Und um einer wo möglichen Panik vorzubeugen, informierte frühzeitig der vorbeifahrende Zugführer seine Passagiere, dass es sich nur um eine Übung handelt.

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