Künstlergruppe "FormArt'93" in Kempen

Kempen: Die Einheit liegt in der Vielfalt

Die Kempener Künstlergruppe „FormArt’93“ gibt es seit 25 Jahren. Sie stellt regelmäßig im Kramer-Museum aus.

Vor 25 Jahren entstand in Kempen die Gruppe „FormArt’93“. Doch irgendwie geartete Jubiläumsfeierlichkeiten waren für dieses Jahr nicht geplant, versteht sich diese Gemeinschaft doch nicht als herkömmlicher Verein, sondern als ein „Interessenkreis freischaffender Kunst“. „FormArt“ ist fester Bestandteil der örtlichen Kunstszene, richtet alle zwei Jahre eine Ausstellung im Städtischen Kramer-Museum aus.

Ein Markenzeichen der Gruppe ist ihre Offenheit, Durchlässigkeit und Beweglichkeit, in persönlicher wie in inhaltlicher Ausrichtung. In ihr engagieren sich lokale Künstler aus verschiedenen Gewerken wie Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Lyrik, Glaskunst und Musik. Es gibt einen stabilen personellen Kernkreis, darüber hinaus sind Gäste gern gesehen. „Wir sind wie ein Planet, der auch neue Beobachter aus dem All einfängt“, sagt die Kempener Lyrikerin Ulrike Göttlich, die zu den Gründern der Gruppe gehört. „Wir waren zunächst ein eingetragener Verein. Das haben wir später aufgegeben. Weg von der Satzung. Das war gut. Dadurch wurden wir frei“, erinnert sie sich.

Ein räumlicher Anker des kreisenden Planeten ist die Galerie Q1 von Reinhold Heik an der Kuhstraße in Kempen. Auch Heik gehört zu den Gründungsmitgliedern. In der Person des 66-Jährigen verkörpert sich in gewissem Sinne bereits die Charakteristik der Gruppe. Als – mittlerweile pensionierter – Erzieher bei der Lebenshilfe betätigte er sich immer auch als Autodidakt auf kreativem Terrain. Zunächst in den Bereichen Bühnenbau, Pantomime, Schwarzlicht- und Straßentheater, später als Maler und Bildhauer.

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Die Tür zu den hellen Räumlichkeiten an der Ecke Tiefstraße steht meist offen. Zwischen den Bildern und Skulpturen lässt es sich bei einer Tasse Tee auch mal gemütlich plaudern. Und hier finden die regelmäßigen Treffen der Gruppe statt, die sich damals aus dem „Kunstkreis’87“ herausgelöst hat. „Das war ein Riesenkreis“, sagt Heik rückblickend und erinnert sich an eine Ausstellung im Städtischen Kramer-Museum mit 365 Bildern. „Wir wollten aus den Strukturen raus, kreativ sein, andere Wege gehen. Auch kritisch miteinander umgehen“, sagt er. „Und zu aktuellen Themen Stellung beziehen“, ergänzt Christel Tarras.

Die Ausstellung, die die Gruppe alle zwei Jahre im Kempener Museum ausrichtet, bildet dabei das Ziel, auf das alle Akteure hinarbeiten. „Wir geben uns ein Thema, zu dem unterschiedliche Arbeiten zusammengeführt werden. Das ist immer sehr spannend“, sagt Christel Tarras. Die Treffen werden in dieser Zeit häufiger, es wird diskutiert, miteinander gerungen. Die Werke werden einander vorgestellt Und manche Idee auch wieder verworfen. „Wir arbeiten heftig daran“, sagt Heik. Ausstellungstitel der vergangenen Jahre waren etwa: Susanna im Bade, Das Weib, Das letzte Hemd oder Nirgendwoandersalshier. Die letzte Ausstellung war im Jahr 2015. Sie widmete sich dem Thema der digitalen Allüberwachung. Als Gewerke waren damals „digitale Kunst, Figurenspiel, Fotografie, Glaskunst, Lyrik, Malerei, Kabarett und Objekte“ aufgeführt.

Die Kommunikation dieser verschiedenen Gewerke untereinander, das mache gerade den Reiz aus, befinden die Mitglieder. „Wenn Kunst sich gegenseitig befruchtet, dann ist es perfekt“, sagt Ulrike Göttlich. Seitdem wartet die Gruppe auf ihre nächste Ausstellungsmöglichkeit. Inhaltlich steht das Thema „Nischen“ bereits fest, ein Termin wurde aber wegen der aktuellen Umbaumaßnahmen im Museum immer wieder verschoben.

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