Kempener Stadtrat diskutiert über das Thema Wohnen

Kempen: Stadt ist ohne Konzept beim Thema preiswertes Wohnen

In der Thomasstadt könnten sich die Versäumnisse der Vergangenheit rächen. Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Die Politik hatte dies immer angemahnt. Passiert ist aber kaum etwas.

Die Stadt Kempen ist bis heute ein attraktiver Wohnort für finanzkräftige Familien, die sich hier den Traum vom eigenen Heim erfüllen. Das belegen auch die Wartelisten, die es bei der Stadtverwaltung gibt, für Interessenten, die in der Thomasstadt ein Baugrundstück suchen. Diese Interessenlage hat bei den Verantwortlichen im Rathaus den Blick für die Problemlagen nicht so zahlungskräftiger Bürger offenbar über Jahre verschränkt. Nicht anders ist es zu erklären, dass ein Konzept fehlt, mit dem die Stadt auch den preiswerten Mietwohnungsbau ankurbeln möchte.

In der Ratssitzung am Donnerstagabend herrschte in der Politik Einigkeit darüber, dass sich dabei dringend etwas ändern muss. Zum wiederholten Male gab es entsprechende Absichtserklärungen aus allen Fraktionen. Die gibt es übrigens seit einigen Jahren. Gehandelt hat aber bis heute niemand so recht. Das Thema wieder in die aktuelle Diskussion brachten die Grünen mit einem Antrag, der im Zusammenhang mit zwei weiteren Häusern steht, die für die Unterbringung von Flüchtlingen und anerkannten Schutzberechtigten – das sind solche Ausländer, die nach einem positiv beschiedenen Asylantrag einen festen Wohnsitz zugewiesen bekommen, – gebaut werden müssen. Wie mehrfach berichtet, musste die Stadt hier umplanen, weil das ursprünglich geplante Grundstück am Schmeddersweg wegen der Lärmschutzproblematik an der benachbarten Sportanlage für dauerhaftes Wohnen nicht in Frage kommt. Stattdessen will die Stadt die marode Notunterkunft neben dem Bürgerhaus in Voesch abreißen und dort ein neues Wohnhaus bauen.

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Dieser Standort missfiel der Politik bereits bei der Vorstellung im Sozialausschuss. Die Verwaltung wurde aufgefordert, nach einem anderen Standort zu suchen. Doch den gibt es auch nach der Ratssitzung am Donnerstagabend nicht. Im Gegenteil: Obwohl alle politischen Parteien diesen Standort im Außenbereich für ungeeignet halten, stimmten CDU, Grüne und Freie Wähler dafür, dort zumindest eine Interimslösung zu errichten, ein Wohnhaus für Flüchtlinge, die dort so lange bleiben, bis an anderer Stelle eine geeignete Wohnung für sie gefunden ist. SPD, FDP und Linke lehnten eine solche Lösung ab.

Das Problem: Die Stadt verfügt über keinen geeigneten Wohnraum für Flüchtlinge, aber auch für andere Menschen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. Den Absichtserklärungen der vergangenen Jahre, man müsse endlich auch preiswerten Wohnraum in Kempen schaffen, sind nur bedingt Taten gefolgt. Im Rathaus verfügt man weder über ein Konzept noch über geeignete Grundstücke. Als Grünen-Fraktionssprecher Joachim Straeten in der Ratssitzung den Bürgermeister direkt ansprach („Herr Rübo, wir müssen handeln!“), zählte der Angesprochene zwar eine Reihe von möglichen Standorten für preiswerten Wohnungsbau auf. Doch jeder davon ist nicht von heute auf morgen zu realisieren. Das spricht für die Konzeptionslosigkeit in der Sache. Der Bürgermeister erklärte auch, man könne überlegen, im Neubaugebiet „Auf dem Zanger“ in St. Hubert, das derzeit erschlossen wird, als Stadt eventuell selbst zu bauen, und damit einen eigenen Wohnungsbestand aufbauen. Diese Aussage zeigt zwar den richtigen Weg auf, zu dieser Erkenntnis hätte der Bürgermeister aber schon vor Jahren kommen können – ja müssen. Diese Aussage belegt auch, dass es der Stadt bei diesem Thema an einer Strategie mangelt.

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