Jubiläum des Bezirksverbands Kempen

Schützenverband : Schützen freuen sich auf das Jubiläum

Der Bezirksverband Kempen feiert am 7. Oktober sein 90-jähriges Bestehen. Bezirks-Bundesmeister Uli Loyen möchte die Jugend für den Schießsport begeistern.

Was sich Uli Loyen wünscht, wenn der Bezirksverband Kempen vom Bund Deutscher Schützenbruderschaften hundert Jahre besteht: „Dass es bis danach weiterhin genügend Nachwuchs gibt und dass verstärkt auch junge Leute bereit sind, sich aktiv in den Bruderschaften einzubringen.“ Noch ist Zeit, denn zunächst feiert der Bezirksverband mit seinem Bezirks-Bundesmeister Uli Loyen und mit den angeschlossenen 14 Bruderschaften am Sonntag, 7. Oktober, mit einer Festmesse, dem Großen Zapfenstreich und einem geselligen Beisammensein sein 90-jähriges Bestehen.

Tagsüber betreut der 55-jährige Vorster Loyen die Kunden in der Volksbank Kempen-Grefrath. Abends und an den Wochenenden ist er seit langem in Sachen Brauchtum unterwegs. Schon als Zwölfjähriger trug er das kleine Füllhorn bei den Kehner Junggesellen in Vorst, war auch einige Jahre Brudermeister. Mit der Heirat musste er in die Sebastianus-Bruderschaft wechseln; dort war er 20 Jahre lang Brudermeister. Seit 2015 ist er Bezirksbundesmeister.

„Wir werden nicht gewählt, weil wir so gut sein, sondern meist, weil kein anderer den Posten will“, sagt Loyen im RP-Gespräch. Ein Höhepunkt seiner bisherigen Amtszeit war, als der Bund Deutscher Schützenbruderschaften mit großem Gefolge und einigen Kapellen 2008 eine Rom-Wallfahrt unternahm und der Vorster mit dem Goldenen Kreuz in den Petersdom voranging: „Das war Gänsehaut pur.“

Beim Gespräch ist auch die Geschäftsführerin des Bezirksverbandes dabei, die Oedterin Petra Volgmann. Die 34-jährige Altenpflegerin, die im Alexianer in Tönisvorst arbeitet, hat von ihrem Vater, Karl-Heinz Ruzek, die Begeisterung für das Schützenwesen geerbt. Sie kommt von der St. Heinrich und St. Vitus Bruderschaft Mülhausen, war 2014 die erste weibliche Schützenkönigin. Etwa ein Jahre später gelang ihr sogar beim Bezirkskönigsschießen der Volltreffer. Vor wenigen Wochen war sie unter den rund 30.000 Schützen, die sich zum Europakönigsschießen im niederländischen Leudal trafen: „Das war schon der Hammer, es war ein wunderschönes und überaus friedliches Fest.“

Petra Volgmann freut, dass mittlerweile etwa 160 Frauen in den 14 Bruderschaften mitmachen: „Es könnten aber ruhig noch einige mehr sein.“ Insgesamt gehören dem Bezirksverband Kempen derzeit rund 1600 Schützen an. Die Gründung im Jahre 1928 ging von der St. Marien-St. Michaelis Bruderschaft Kempen aus, die es heute nicht mehr gibt, die aber bis 1973 immer den Bezirks-Bundesmeister stellte. Der erste hieß Josef Dicks. Am 7. Oktober 1928 trat St. Michaelis der Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus und dem Verband der Schützenbruderschaften erst von Rheinland und Westfalen und dann vom Bund bei. Damals war es erst der Kreisverband Kempen.

In einem alten Protokoll der Gründungsversammlung heißt es auszugsweise: „Die angeschlossenen Bruderschaften sollen ihre geistige Wehrhaftigkeit einsetzen in dem Kampf für die Verteidigung des katholischen Glaubens, für die Überwindung der Trennung von Religion und Leben, für die Erhaltung und Erneuerung der Pfarrgemeinschaften.“ Dem damaligen Kreisverband gehörten in den Anfängen etwa 200 Schützen an.

Heutzutage versucht der Bezirksverband unter anderem, die Jugend für den Schießsport und für das Schützenwesen zu begeistern So hat man beispielsweise kürzlich ein gefahrloses Laser-Gewehr angeschafft, das die Bruderschaften ausleihen und das unter Anleitung schon Kinder in jungen Jahren nutzen können. Hier wünscht sich Uli Loyen noch mehr Aktivitäten, so mehr Info-Stände bei Dorf- und Stadtteilfesten oder die Durchführung spezieller Tage für die Jugend. Anfänge seien gemacht. Loyen: „Auch Schnupperkurse wären ganz gut, ohne gleich einen Beitrag zu verlangen.“

Mit dem Blick nach vorn hofft Loyen weiter, dass sich neben der Bereitschaft, Vorstandsämter in den Bruderschaften zu übernehmen, auch mehr Schützen als bisher für das Amt des Schützenkönigs interessieren. Von den 14 Bruderschaften sind derzeit vier ohne einen König. Der Bezirks-Bundesmeister dazu: „Meist sind es nicht die finanziellen Gründe, sondern es ist die Vielzahl der Verpflichtungen, die das ganze Jahr über auf das Königspaar zukommen“

Auch die Schützenbruderschaft Hüskes Krone aus Schmalbroich ist Mitglied des Bezirksverbands. Foto: Prümen, Norbert (nop)

Was Uli Loyen für das Hundertjährige im Jahr 2028 gerne noch erreichen will: den Bundesköniginnen-Tag in Kempen auszurichten. So wie es bereits im Jahr 2020 die Grefrather St. Antonius Bruderschaft vorhat.

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