Kaarst: Désirée Brodka mag es auch mal leise

Serie Kaarster Stimmen : Désirée Brodka mag es auch mal leise

Der Opernsängerin wurde Musik in die Wiege gelegt. Sie sang sogar schon auf dem ZDF-Traumschiff.

Von wegen Starallüren: Opernsängerin Désirée Brodka entpuppt sich beim Gespräch als herzerfrischende junge Frau, in deren Leben die Musik eine große, aber nicht die alles entscheidende Rolle spielt. „Stille finde ich auch schon mal toll“, sagt sie und lacht. Désirée Brodka wohnt seit ein paar Jahren wieder in ihrem Heimatort Büttgen und hat Anfang des Jahres mit ihrem Ehemann Gregor Duschkin ein Haus bezogen. Man sieht gleich: Hier wohnt eine Künstlerin, die das Heim kreativ gestaltet.

Am meisten weiß sie aber mit ihrer Sopranstimme zu verzaubern, als sie eine Kostprobe aus ihrem aktuellen Projekt „La Traviata“ gibt. Diese Oper im Espresso-Format wurde kürzlich unter anderem in Büttgen aufgeführt. „Über 500 Besucher waren gekommen“, schwärmt sie. Dieses Format liegt ihr seit drei Jahren besonders am Herzen, denn so lässt sich die klassische Oper einem breiten Publikum nahebringen. Auch ihre frühere Erzieherin wohnte der Aufführung bei und war begeistert. Denn schon im Kindergarten liebte Désirée Brodka Musik und Gesang. „Meine erste Rolle war die eines Engels im Krippenspiel – damals war ich vier Jahre alt“, erinnert sie sich. Ihr Vater sei ein hoch begabter Bariton gewesen, der eigentlich ständig Arien vor sich hingesummt habe. Ihre Mutter spielte Klavier. Für Désirée Brodka war klar: „Ich wollte immer etwas mit Musik machen!“ Und so wählte sie klassischen Operngesang als Studienfach.

Nach ihrem Studium erhielt sie als erste deutsche Opernsängerin ein Fulbright-Stipendium am „Oberlin Conservatory of Music“ in Ohio, machte Abschlüsse in Diplom-Operngesang, in Kammermusik, ein Konzertexamen und zusätzlich noch einen im Fach Kulturmanagement. Konzertreisen führten sie nach Korea, Kuwait, Italien und Norwegen. Sie wird gebucht für die Leipziger Operette, das Staatstheater Stuttgart oder das ZDF-Traumschiff. Da sie Rollen sehr schnell erlernt, hat sie sich als „Einspringerin“ einen Namen gemacht. Bei allem Enthusiasmus für ihren Beruf steht sie der Musikbranche aber auch kritisch gegenüber. Die Musikszene neige zu Dumpingpreisen und die Gleichberechtigung sei noch nicht wirklich angekommen: Männer würden oft besser bezahlt, selbst wenn sie nur eine Nebenrolle haben. Trotzdem liebt die Sopranistin ihren Beruf.

Und welche Musik hört sie privat? „Am liebsten kubanisch – den Buena Vista Social Club oder Jazz“, antwortet sie. Außerdem schwebt ihr die Komposition eines Popsongs vor. Denn ihr falle musikalisch immer noch Neues ein. „Musik ist, was ich tue“, so Désirée Brodka.

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