Hückeswagen: Der Landarzt – ein ungeliebter Job

Hückeswagen : Der Landarzt – ein ungeliebter Job

2010, vor der vorigen Landtagswahl, galt die hausärztliche Versorgung in Hückeswagen noch als qualitativ und quantitativ gut. Jetzt gilt das nur noch für die Qualität. Denn Ärzte-Sprecher Helmut Beckert sieht nach dem Rückzug von drei Kollegen die Stadt als unterversorgt.

Die Hückeswagener werden weniger, vor allem aber älter. Das belegt seit Jahren der Demografiebericht für den Oberbergischen Kreis und die kreisangehörigen Kommunen. Ein Problem dieser Entwicklung: Ältere Menschen brauchen im Regelfall mehr, teilweise auch speziellere medizinische Versorgung als Jüngere.

Wirtschaftlich unattraktiv

Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Doch für ihn wird die Praxis gerade im ländlichen Raum zunehmend wirtschaftlich unattraktiv. Ein junger Arzt steht nach dem Studium vor hohen Investitionen in eine eigene Praxis, und hier im ländlichen Raum klafft die Schere zwischen realistischer Einkommenserwartung und hoher Verschuldung extrem auseinander. Kein Wunder, dass sich seit Jahren in der Schloss-Stadt keine jungen Ärzte mehr niedergelassen haben.

Zwei aktuelle Beispiele: Dr. Elias Moussa suchte mehrere Jahre lang einen Nachfolger für seine Praxis am Etapler Platz. Vor einigen Monaten war der Facharzt für innere Medizin fast fündig geworden. Doch der junge Arzt entschied sich kurzfristig dann doch lieber dafür, in eine Gemeinschaftspraxis in einer Großstadt einzusteigen. Auch Helmut Beckert suchte vor einigen Jahren einen neuen Partner, als seine langjährige Partnerin beschloss, zurück nach Köln zu gehen. Beckert schaltete etliche Anzeigen, doch seine Suche war frustrierend: "Ich hatte nicht einen Bewerber."

Noch gibt es neun Allgemeinmediziner, teils mit (meist) internistischer Zusatzausbildung — das sind rund 1775 Patienten pro Arzt. "Im ländlichen Bereich sollen aber auf jeden Arzt nur 1500 Einwohner kommen", sagt Beckert. Das bedeutet, dass die Praxen voller werden und die hiesigen niedergelassenen Ärzte mehr zu tun haben — aber nicht gleichzeitig auch mehr verdienen. Da als Berechnungsgrundlage der Monat des Vorjahrs dient, müssen die Ärzte diejenigen Patienten, die jetzt von den drei ausgeschiedenen Ärzten kommen, fürs Erste umsonst behandeln.

Immerhin gibt es in Hückeswagen (noch) einen niedergelassenen Kinderarzt, eine Facharzt-Praxis für Frauenheilkunde und einen Unfallchirurgen mit festen Sprechstunden am Ort.

Prekäre Situation

Die Hausärzte-Situation in der Stadt ist jedoch prekär: Zwei Mediziner sind über 60 Jahre alt und gehen in einigen Jahren in Rente, nur zwei sind Anfang/Mitte 40. Der Rest ist Ende 40/Anfang 50. In 15 Jahren, wenn dieses Gros vor dem Ruhestand steht, könnte es durchaus eng werden.

(RP/rl)