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Grevenbroich: Erinnerungen an die Erfthalle

Grevenbroich : Erinnerungen an die Erfthalle

Ende einer Epoche: Jetzt rücken die Abrissbagger an der Erfthalle an. Für viele Frimmersdorfer war sie die gute Stube im Ort, in der sie getanzt, geschunkelt und gelacht haben. Die NGZ sucht Bilder und andere Zeugnisse.

Der Glanz ist Vergangenheit, die Erfthalle bietet einen trostlosen Anblick: Das Gebäude ist weitgehend entkernt. Heute startet der Abbruch der Hallendecke. Was bleibt, sind Erinnerungen an rauschende Feste, an schöne Momente, gesellige Stunden und bekannte Stars. Die NGZ möchte einige dieser Momente festhalten — und sucht Fotos und Erinnerungen von Frimmersdorfern an Feiern und Veranstaltungen in der Erfthalle (siehe Infokasten).

Vor zwei Jahren wurde der große Festsaal wegen Brandschutzmängeln geschlossen. Andreas Schmitz erinnert sich gern an die Schützenfeste dort. "Der Saal war mit Blumen und Vereinsfahnen schön geschmückt, jeder Zug hatte sein Wappen an der Decke." 2008 war für ihn ein besonderes Jahr, damals stand der heute 36-Jährige dem damaligen König Marco Brüggen als Adjutant zur Seite.

Dessen Vater Hans Brüggen (63) hat den Bau der Halle in den 70er Jahren miterlebt — und war nachher oft dort: "Wenn eine große Veranstaltung war, ging man hin, wenn man irgendwie konnte." Beispielsweise zu den Sendungen des Westdeutschen Rundfunks: "Wiedersehen" hieß eine WDR-Reihe, die von 1994 bis 1996 für einen hohen Promi-Faktor in Frimmersdorf sorgte: Wim Thoelke, Wolfgang Niedecken, Heinz Sielmannn, Johannes Rau, Hanns Hieter Hüsch und viele andere gaben sich vor den Kameras ein Stelldichein.

Höhepunkte waren auch die großen Polizeifeste mit vielen hundert Besuchern und die Karnevalssitzungen — etwa wenn die Karnevalsgesellschaft "Die Dampfrösser" das Zwerchfell strapazierte. "Wir haben fast alle Stars aus dem Kölner Karneval bei uns gehabt: De Höhner, Paveier, Et Rumpelstilzchen und viele mehr. Es war immer eine Riesenstimmung", schildert Willi Spieß, der alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus jener Zeit aufbewahrt hat.

Der heute 73-Jährige war Präsident der 2003 aufgelösten "Dampfrösser", die sich aus der Schicht vier des Kraftwerks Frimmersdorf rekrutierten. "Die Akustik im Saal war nicht optimal, aber die Bühne war groß genug für ganze Tanzkorps." Auch die RWE-Pensionärsvereinigung, Spieß ist Vorsitzender, nutzte die Halle als Domizil für ihre Treffen mit bis zu 600 Menschen.

Feste gab's aber auch in kleinerem Rahmen — im Erfthallen-Restaurant im Erdgeschoss: "Mein Mann und ich haben dort 1992 Silberhochzeit gefeiert", sagt Katharina Kauertz (68). "Der Tisch war wunderschön eingedeckt, man brauchte sich um nichts zu kümmern — und wir benötigten kein Taxi, um nach Hause zu kommen."

Aus, vorbei. Der Bürgerverein lädt nun zum Schützenfest ins Zelt, und Katharina Kauertz sagt: "Schade, dass wir unsere Goldhochzeit nicht mehr in der Erfthalle feiern können. Wir müssen uns einen anderen Ort suchen."

(NGZ/rl)