Caritas im Rhein-Kreis Neuss: Norbert Kallen geht, Reisdorf und Inderfurth kommen

Caritas im Rhein-Kreis Neuss : Norbert Kallen sagt „Tschüss!“

Norbert Kallen sagte gestern: „Tschüss!“ Der Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands im Rhein-Kreis Neuss übergab Amt und Verantwortung an Hans W. Reisdorf. In den Abschiedsreden wurde Kallen als „streitbar“ charakterisiert.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen – das von Norbert Kallen (65) ist blau. Zum Abschied bekam der Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Rhein-Kreis Neuss am gestrigen Donnerstag von den Mitarbeitern einen blauen Rucksack. Gefüllt war der mit Souvenirs aus Ländern und Städten, die Kallen im Ruhestand besuchen soll. Und damit die 950 Mitarbeiter in mehr als 80 Caritas-Diensten und Einrichtungen den Rhein-Kreises nicht in den Verruf kommen, auf diese Weise ihre „Stehrumchen“ zu entsorgen, gab es die Reisekasse in Form eines orange leuchtenden Sparschweins gleich dazu.

„Wenn es nach Herrn Kallen gegangen wäre, dann stünden wir alle jetzt nicht hier“, sagte Monsignore Guido Assmann als Kreisdechant und Vorsitzender des Caritasrates. Nach 40 Jahren in verschiedenen Positionen und Ebenen des Caritasverbandes wollte Norbert Kallen einen klaren Schlussstrich ziehen – aber keine langatmige Abschiedsfeier erdulden. Beide Wünsche gingen gestern für ihn in Erfüllung. Die Feier seines Abschieds – auch von allen Ehrenämtern - begann würdig mit einer Andacht in der Kapelle des Caritashauses St. Barbara in Grevenbroich. Und sie mündete in eine kurzweilige Übergabe von Ämtern und Verantwortung an seine Nachfolger. Der vier Jahre jüngere, bisherige Stellvertreter Hans W. Reisdorf folgt an der Caritas-Spitze auf Kallen. Mit Marc Inderfurth (51) zieht ein Sozialarbeiter und Verwaltungs-Betriebsrat in den Vorstand ein.

Norbert Kallen bekam in drei Reden zu seinem Werden und Wirken viel Lob – aber aber auch klare Worte. Die Vokabel „streitbar“ spielte in allen Vorträgen – von Monsignore Assmann, Caritasdirektor Dr. Christoph Humburg vom Erzbistum Köln und Peter Brunsbach für die Mitarbeitenden, eine tragende Säule. Kallen habe jeweils engagiert für seine Positionen gekämpft – offenbar konnte man mit diesem Chef so manche Klinge führen, immer im Sinne der möglichst besten Lösung, natürlich. Unmittelbar nach dem Jura-Studium kam Kallen 1983 zur Caritas, wechselte 1987 von Wuppertal zum Caritasverband Neuss. Dort leitete er den Fachbereich für Alten- und Behindertenhilfe und das Ressort Recht und Vertragswesen. 1989 wurde er zunächst stellvertretender- , später Geschäftsführer des städtischen Caritasverbandes Neuss. 1991 kam die Geschäftsführung des Verbands der katholischen Kirchengemeinden in Neuss und die Ernennung zum Caritasdirektor hinzu. 2005/2006 organisierte Norbert Kallen die Verschmelzung von Stadt- und Kreisdechanat zum Caritasverband Rhein-Kreis Neuss.

Immer sei es darum gegangen, von Bund, Land und Kommunen Gelder zu bekommen – „für die Armen“, sagte Kallen in seinen Abschiedsworten. Deren Nöte und Bedürfnisse sollten nicht vergessen werden. Nun sei es Zeit Abschied zu nehmen – „Time to say Goodbye“. Bewusst habe er keinen gleitenden Übergang in den Ruhestand gewählt, sondern trenne sich auch von zahlreichen Ehrenämtern: „Meine Ehefrau hat noch viel gut bei mir.“ Marlies Kallen stand in der ersten Reihe und schmunzelte: „Das habe ich mir gemerkt.“

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