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Wählergemeinschaften Kreis Kleve starten mit neuem Landratskandidaten

Landratskandidaten in Weeze : Freie Wähler unterstützen Guido Winkmann

Am Samstag kam es in Weeze zur Kampfabstimmung: Am Ende konnte sich der unabhängige Kandidat gegen Stefan Welberts durchsetzen. Für die Grünen ist der Sozialdemokrat aber immer noch im Rennen um das Amt des Landrats.

„Am Ende siegt die Demokratie“, hatte Guido Winkmann vor seiner Vorstellungsrunde bei den Vereinigten Wählergemeinschaften Kreis Kleve am Samstag in Weeze prophezeit. Und er sollte recht behalten. Am Ende siegte wirklich die Demokratie. Es siegte aber auch der Unabhängige gegen den Sozialdemokarten. Ursprünglich hatten die Spitzen von SPD, Grünen und Vereinigten Wählergemeinschaften den SPD-Mann Stefan Welberts als gemeinsamen Wunschkandidaten für das Amt des neuen Landrats für den Kreis Kleve vorgestellt. Drei Tage später gab es eine Pressemitteilung mit dem Titel „Rufe aus den Wählergemeinschaften nach Guido Winkmann werden lauter“. Woraufhin der unabhängige Kandidat ebenfalls zur Mitgliederversammung nach Weeze eingeladen wurde.

Vier Stunden hatten die Mitglieder hinter verschlossenen Türen diskutiert. Viel länger, als der Vorsitzende der Vereinigten Wählergemeinschaften, Ralf Janssen, erwartet hatte. Querelen mit der Basis habe es nicht gegeben, sagte er hinterher, im Gegenteil. Die Stimmung sei „gut und konstruktiv“ gewesen. Die Mitglieder hätten dem Vorstand „gute Arbeit“ attestiert. Aber da beide Kandidaten im Südkreis nicht so bekannt seien, hätten die Mitglieder viele (kritische) Fragen gestellt.

 Nachdem Stefan Welberts am Samstag bei den Freien Wählern war, stellte er sich auch noch den Mitgliedern der Grünen vor.
Nachdem Stefan Welberts am Samstag bei den Freien Wählern war, stellte er sich auch noch den Mitgliedern der Grünen vor. Foto: Evers, Gottfried (eve)
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Ein Ergebnis war, dass man sich entschieden habe, keinen Kandidaten aus den eigenen Reihen um das Amt des künftigen Landrats aufzustellen. Entschieden habe man sich auch dafür, keinen der beiden Kandidaten für die Wahlversammlung zu empfehlen. Anders gesagt: Es kam überhaupt keine Wahlversammlung zustande. Stattdessen stimmten die Mitglieder dafür, den bereits zur Landratswahl angemeldeten, parteiunabhängigen Kandidaten Guido Winkmann bei seiner Kandidatur zu unterstützen.

Janssen sagt, in beiden Fällen handele es sich um sehr gute Kandidaten. Dennoch fiel das Ergebnis eindeutig aus: 72,7 Prozent der Anwesenden stimmten für den 48-jährigen Guido Winkmann aus Kerken, der seit April diesen Jahres in der Geschäftsführung der Soko Begas (Bekämpfung Geldautomatensprengungen) für das nordrhein-westfälische Innenminisiterium tätig ist. Vielleicht, spekuliert Patricia Gerlings-Hellmanns, Sprecherin der Vereinigten Wählergemeinschaften Kreis Kleve, war seine Unabhängigkeit ausschlaggebend. „Vielleicht passt ein parteiloser Kandidat einfach besser zu uns.“ Um zur Wahl zum Landrat zugelassen zu werden, muss Winkmann allerdings noch bis zum 29. September 300 Unterschriften vorlegen. „Dabei“, sagt Gelings-Hellmanns, „werden wir ihn natürlich unterstützen.“

Bei der Verkündung des Abstimmungsergebnisses war Stefan Welberts schon nicht mehr anwesend, weil er ebenso zur Vorstellungsrunde bei den Grünen eingeladen war, die zur gleichen Zeit in der nur 200 Meter entfernten Alten Schmiede die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und Grünen-Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, Mona Neubaur, zu Gast hatten und anschließend zur Wahl des Landratskandidaten übergingen. Von seiner Niederlage bei den Freien Wählern erfuhr Welberts telefonisch. Das Gespräch habe nur ein paar Minuten gedauert, berichtete Ralf Janssen von den Wählergemeinschaften. „Er hat es sehr sachlich aufgenommen.“

 Grünen-Ministerin Mona Neubaur (l.) war ebenfalls in der Alten Schmide in Weeze zu Gast.
Grünen-Ministerin Mona Neubaur (l.) war ebenfalls in der Alten Schmide in Weeze zu Gast. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Bei den Grünen hingegen verlief alles nach Plan. Zwar hatte deren Sprecher Bruno Jöbkes im Vorfeld der Mitgliederversammlung einen eigenen Kandidaten für die Landratswahl nicht ausschließen wollen, doch am Ende blieb es bei Stefan Welberts. Zwei Drittel stimmten für ihn als gemeinamen Landratskandidaten mit der SPD. Eine genauere Prozentzahl lag nicht vor. Den Ausgang bei den Vereinigten Wählergemeinschaften kommentierte Jöbkes nur mit den Worten: „Überrascht hat es uns nicht.“ Sich selbst beschied er eine gute Vorarbeit. „Ich glaube schon, dass wir viele Leute in den Prozess miteinbinden konnten. Deshalb ging das für uns auch in die richtige Richtung. Wir werden nun mit den Sozialdemokraten nach gemeinsamen Schnittmengen suchen.“

„Ich habe 100 Prozent reingegeben“, erklärte Stefan Welberts nach der Vorstellungsrunde bei den Freien Wählern. Doch gereicht hat es am Ende nur für 27,3 Prozent.