Berufskolleg Geldern: Im Rausch des Zufalls

Berufskolleg Geldern : Im Rausch des Zufalls

500.000 Deutsche sind gefährdet, spielsüchtig zu werden – das besagen Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 26. September trug dazu bei, über die Gefahr aufzuklären und auf das Leid der Betroffenen und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen.

Die Diakonie im Kirchenkreis Kleve leistete hierzu im Foyer des Berufskollegs Geldern Aufklärungsarbeit. Die Schüler des Berufskollegs seien eine Risikogruppe für Spielsucht, erklärt Yevgeniy Steinhauer, Suchttherapeut der Diakonie. Grund sei das Alter der Schüler. Viele seien bereits volljährig und dürften damit laut Gesetz in Deutschland Glücksspiel betreiben. Zudem seien bei den jungen Leuten die finanziellen Mittel aufgrund der Ausbildungsvergütung oder Bafög gegeben. Auch gebe es in Geldern mit einigen Spielcasionos und einem Wettbüro genügend Anlaufstellen fürs Glücksspiel.

„Wir haben in Schulnähe ein Büro für Sportwetten. Einige Lehrer berichteten mir, dass sie von mindestens einem Schüler pro Klasse wissen, dass er zockt“, erzählt Meike Grondstein, Schulsozialarbeiterin am Berufskolleg. Rund 95 Prozent der Spielsüchtigen seien Männer, ergänzt der Suchttherapeut.

Um 14 Uhr startete in der schuleigenen Aula der Film „Rausch des Zufalls“ vom Medienprojekt Wuppertal. Im Film werden Spielsüchtige zu ihrem Suchtverhalten interviewt. Mit großer Glaubwürdigkeit veranschaulichen die der Spielsucht verfallenen Männer ihre Gedanken, ihre Empfindungen und ihr Leid.

Der 27-jährige spielsüchtige Turan berichtet vom Beginn seiner Sucht: Als der erste Fünf-Euro-Einsatz gleich über 400 Euro Gewinn brachte, war er vom Zocken am Automaten fasziniert und verfiel zunehmend in einen Spielrausch, in dem sich die Einsätze von Mal zu Mal erhöhten. Von fünfstelligen Schuldenbergen, zerrissenen Partnerschaften und familiären Krisen berichten die interviewten Spielsüchtigen einvernehmlich.

Auch locken einige Automaten-Casinos mit kostenlosen Getränken und Zwischenmahlzeiten. Dies sei ein Anreiz für einige Schüler, beispielsweise in Freistunden, für ein paar Groschen ins Casino zu gehen, um zu spielen und dafür Snacks abzustauben.

Die Veranstaltung wurde von den Schülern gut angenommen. „Zwei jungen Männer kamen sogar auf uns zu und haben von ihren Spielsucht-Problemen berichtet“, informiert Steinhauer. Nur selten gehen Schüler im öffentlichen Raum derart offen mit solch einem intimen Thema um, berichtete er. Deswegen gibt es eine anonyme Onlineberatung der Diakonie. Alle, die befürchten spielsüchtig oder gefährdet zu sein, können sich hier Hilfe holen: www.gluecksspielsucht-nrw.de/onlineberatung.

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