Makler und Stadtplaner: "Wir brauchen mehr Hochhäuser"

Makler und Stadtplaner: "Wir brauchen mehr Hochhäuser"

Makler und Städteplaner sehen eine Renaissance des Hochhauses. Düsseldorfer Makler halten sie für notwendig, Planungsdezernent Bonin ist nicht abgeneigt und stellt fest, dass sie wieder gesellschaftsfähig sind. Einen Hochhaus-Rahmenplan hat die Stadt seit 2004. Fishman-Tower kommt nicht.

Wer linksrheinisch steht und auf Düsseldorfs Stadtkulisse schaut, der kennt die hohen Häuser alle — denn ihre Zahl ist überschaubar: Dreischeibenhaus, das Gebäude der Stadtsparkasse, das Wilhelm-Marx-Haus, die WestLB, die LVA, in der Ferne der Arag-Tower, das SkyOffice, das Mannesmann/Vodafone-Hochhaus, GAP 15. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen, aber nur sehr langsam.

Das jedoch könnte sich in den nächsten Jahren beschleunigen, denn nicht nur Immobilienexperten befürworten den Bau zusätzlicher Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken. Auch Gregor Bonin, Dezernent für Stadtplanung, sieht eine neue Zeit für die hohen Gebäude herankommen. Bonin: "Wer heute noch denkt, Hochhäuser bedeuten automatisch soziale Brennpunkte, der liegt völlig falsch. Da hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan, die Situation hat sich völlig verändert." Der Dezernent ist daher durchaus offen für das Thema, allerdings der Stadtentwicklung angepasst.

Das bedeutet: In Flughafennähe oder bei den Einflugschneisen verbietet sich der Bau solcher in den Himmel ragender Gebäude von selbst. Aber auch die Silhouette der Altstadt oder anderer historischer Bereiche soll nicht beeinträchtigt werden, bestimmte Sichtachsen auf markante Objekte müssen erhalten bleiben. Unwahrscheinlich also, dass das Dreischeibenhaus dereinst einmal durch andere Türme verdeckt würde.

Die Stadt entwickelte dafür bereits vor fast sieben Jahren einen so genannten Hochhausrahmenplan. Der sieht durchaus neue Bauten von großer Höhe vor, allerdings alle drapiert in einem weiten Ring rund um die Innenstadt. Teile davon wurden realisiert — wie zum Beispiel das GAP 15 am südlichen Ende der Königsallee.

Für Immobilienexperten muss dieser Plan dringend erneuert werden. Marcel Abels zum Beispiel, bei Jones Lang Lasalle für Büro-Objekte zuständig, sieht große Chancen für Hochhäuser, allerdings auch nur in der Peripherie der City. Kennedydamm, neben dem GAP 15, im Regierungsviertel — alles Areale, die nach seiner Einschätzung noch höhere Gebäude vertragen könnten, ohne dass die gesamte Optik der Stadt gestört würde. Andere Makler sehen das ähnlich und nennen als Beispiel das Grundstück unterhalb der Kniebrücke, auf dem heute noch das Innenministerium steht. Für sie wäre das — nach dem geplanten Abriss des Ministeriums — der ideale Standort eines nach oben strebenden Bauwerks.

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Denn auch bei diesen Türmen spielt die Lage eine entscheidende Rolle. Dass die Arag ihr Gebäude am Mörsenbroicher Ei errichtete, also weitab von der Innenstadt, hat nach Aussage von Fachleuten nur einen Grund: Die Firma wusste, dass sie die Fläche selbst nutzen würde. Ein Investor würde so weit ab vom Schuss nicht bauen — ohne Infrastruktur in unmittelbarer Nachbarschaft, ohne attraktives Umfeld sind solche Bauten heute kaum noch zu vermarkten.

Das ist übrigens auch der Grund, warum der Arag-Nachbar Fishman-Tower wohl nicht kommen wird: Weil das Umfeld zu wenig bietet, hat der Investor den Plan auf Eis gelegt, eigentlich sollte längst Grundsteinlegung sein — aber seit Monaten hört man nichts mehr von den schon sehr konkreten Absichten.

Stadtplaner Gregor Bonin erklärt die Bedeutung des Umfeldes: "Die Menschen wollen wieder in Gebäude mit Weitblick, und immer mehr Investoren sehen diese Nachfrage." Er spricht allerdings vor allem von Wohngebäuden und verweist auf das Beispiel Portobello im Hafen. Wohnungen in diesem Turm waren schnell verkauft oder vermietet — weil das Umfeld stimmt. Das gilt auch für Häuser mit gewerblicher Nutzung: Sie müssen verkehrsgünstig liegen, also direkt an Bahn- oder Bushaltestellen. Aber in der Nähe muss es eine gute Gastro-Szene und ausreichend Einzelhandel geben. Daher also die bevorzugte Lage nicht weit von der City.

Fachmann Abels schaut noch weiter nach vorn: "Die Stadtentwicklung hört ja nach dem Abschluss des Kö-Bogens nicht auf!", sagt er. Und regt ein Nachdenken über die neuen Ansprüche künftiger Kunden an, eine Art neuer Qualitätsstrategie für den starken Standort Düsseldorf. Er müsse im Kampf um Talente auch auf attraktive Gestaltung von Arbeitsplätzen setzen, beispielhaft seien Campus-Bauten wie der von Vodafone in Heerdt. Außerdem, so Abels, brauche Düsseldorf einen "Central Business District" — Bereiche also, die sich auch dem auswärtigen Besucher sofort als gewollte und geplante Ballung von Unternehmen präsentieren und die es in anderen wirtschaftlich erfolgreichen Städten gebe. In der Politik stößt das Thema bestenfalls auf zurückhaltende Skepsis. Andreas Hartnigk, CDU-Bauexperte, lehnt weitere Hochhäuser zwar nicht prinzipiell ab, reagiert aber eher bedächtig. Es stehe viel Büroraum leer, meint er, wenn neuer hinzukomme, wachse der Leerstand alter Gebäude. Aber in bestimmten Gebieten könne er sich Wohnen in hohen Gebäuden vorstellen.

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