1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Bauprojekte

Tausendfüßler: Politik streitet über Denkmalschutz

Tausendfüßler : Politik streitet über Denkmalschutz

SPD und Grüne kritisieren eine Expertise über den Abriss des Tausendfüßlers. Sie werfen der Stadt vor, sie stelle die Kulturpolitiker vor vollendete Tatsachen. CDU und FDP dagegen verteidigen den Plan: Der Fall der Hochstraße ermögliche "ein besseres Leben in der Stadt".

Der geplante Abriss des Tausendfüßlers hat gestern einmal mehr zu einer lebhaften Debatte geführt. Die Verwaltung hatte dem Kulturausschuss ein Gutachten vorgelegt, in dem ein Sachverständiger aus Hamburg keinen Anlass sieht, die Hochstraße aus Gründen des Denkmalschutzes zu erhalten. Die SPD kritisierte, dass das Papier zu einem Zeitpunkt vorgelegt wird, da der Abriss des Bauwerks längst beschlossene Sache sei. Die Verantwortlichen im Rathaus hätten es verpasst, die Kulturpolitiker rechtzeitig zu beteiligen, sagte Cornelia Mohrs (SPD).

Nach Ansicht der Grünen kommt der von der Stadt beauftragte Gutachter zu "absurden Schlüssen": So heißt es unter anderem: "Am heutigen Zustand lässt sich (...) ablesen, dass das Gebäude aus geschädigtem Beton mit korrodierter Stahleinlage besteht" und dass es die Umgebung benachbarter Baudenkmäler störe. Für Clara Deilmann ein Hohn: "Die Stadt hat den Tausendfüßler verkommen lassen und darf ihn deshalb jetzt abreißen. Ein wenig mehr Mühe hätte sich die Stadt schon geben können, den Abriss zu rechtfertigen."

Der Düsseldorfer Architekt Bernhard Bramlage, ein vom Kulturausschuss bestellter Sachverständiger in Sachen Denkmalschutz, nannte das Gutachten tendenziös. Gleichwohl biete sich der Stadt durch den Fall des Tausendfüßlers "eine Riesenchance". Wolfgang Döring, ebenfalls Architekt und Experte für Denkmalschutzfragen, dagegen betonte, er halte die Hochstraße für erhaltenswert: "Aber machen wir uns nichts vor, die Sache ist gelaufen, warum also noch lange darüber diskutieren? Die Welt dreht sich weiter."

Alexander Fils verteidigte für CDU und FDP die Expertise und den Abriss des Tausendfüßlers. Mit dem Fall der Hochstraße und dem Bau des Kö-Bogens werde ein Stück Reparatur "für ein besseres Leben in der Stadt" betrieben. Außerdem würden die Sichtbeziehungen verbessert, wodurch die Johanneskirche besser zur Geltung komme.

Kritik äußerten SPD und Grüne auch daran, dass die Behörde, die in Düsseldorf für den Denkmalschutz zuständig ist, sich bisher nicht geäußert hat, ob das Bauwerk erhaltenswert ist. Jörg Heimeshoff, Leiter der Unteren Denkmalbehörde, kündigte an, er werde seine Stellungnahme abgeben, sobald der Landeskonservator seine Beurteilung vorgelegt hat.

Dessen Haltung ist bekannt. Der oberste Denkmalschützer des Landes, Udo Mainzer, hat sich in ersten Stellungnahmen für den Erhalt des Denkmals Tausendfüßler ausgesprochen, weil er ein ästhetisch hochrangiges Bauwerk seiner Zeit sei und im Ensemble mit Dreischeibenhaus und Schauspielhaus das Stadtbild präge. Beharren sowohl die Stadt als auch der Landeskonservator auf ihren gegensätzlichen Standpunkten, wird der Minister für Städtebau, Norbert Walter-Borjans (SPD), eine Entscheidung fällen müssen. Die Stadtverwaltung kann bei diesem Abwägungsprozess mit dem neuen Gutachten Argumente gegen die Auffassung des Landeskonservators ins Feld führen.

(RP)