Schule auf dem Zauberberg Filmkritik

Film über Internat in der Schweiz : Die Markt-Reifeprüfung

Die Kino-Doku „Die Schule auf dem Zauberberg“ porträtiert Kinder von Superreichen.

Der Junge heißt Berk, und er ist der allerbeste Kerl, den man zuletzt im Kino erleben durfte. Man würde ihn so gerne aus seinem Internat in der Schweiz herausholen, man möchte ihn retten vor der Zudringlichkeit der kapitalistischen Welt und ihm ermöglichen, was er sich am sehnlichsten wünscht: daheim in Istanbul eine Bar eröffnen und mit den Kumpels rumhängen. Leider geht das aber nicht. Berk ist nämlich gerade dabei, sein Abi zu versemmeln.

„Die Schule auf dem Zauberberg“ heißt die Dokumentation von Radek Wegrzyn, die nun ins Kino kommt. Der Regisseur porträtiert Schüler der idyllisch gelegenen „Leysin American School“, eine der exklusivsten Privatschulen der Welt. Eltern zahlen 92.000 Dollar pro Jahr, damit ihre Kinder mit Angehörigen von Kuwaits Königsfamilie und anderen Superreichen lernen. Einer von ihnen ist Berk. Dessen Zielvorgabe formuliert sein Vater recht kompromisslos: „Ich erwarte, dass er besser ist als ich. Das ist alles.“

Berk indes ist lethargisch und verträumt, ihn umgibt eine Brummbärhaftigkeit, die zwar hochsympathisch, aber nicht markttauglich ist, und deshalb wird er in extra-strenge Betreuung genommen. „Manchmal denke ich, mein Job besteht darin, Reichen beizubringen, wie sie reich blieben“, seufzt sein Lehrer.

Der Film bietet interessante Einblicke in die Welt der Elite. Erzählt wird ein Internatsroman, eine Art „Fliegendes Klassenzimmer“ der oberen Zehntausend. Schön ist der Kommentar der Schülerin, die im Seminar „Die Grenzen des Wachstums“ damit konfrontiert wird, dass die Erdöl-Reserven irgendwann versiegen: „Wenn das passiert, werde ich längst tot sein. Also, wo ist das Problem?“ Einmal werden Muffins versteigert, um für Waisenkinder in Zimbabwe Geld zu sammeln. Zehn Stück gehen für fast 900 Dollar weg.

Im Zentrum des Films steht Berk, die reine Seele. Man sieht ihn zuhause mit seinen Jungs; einer von ihnen sitzt im Rollstuhl, und wie liebevoll Berk ihn ins Auto trägt und dann aufs Boot, wo sie den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, ist wunderbar. „Das System ist zu kompliziert für mich“, sagt Berk und meint den Kapitalismus: „Ich bin zu müde, es zu verstehen.“

Am Ende wird es eng für ihn. Er muss einen Aufsatz schreiben, um sein Abitur zu retten. Sein Scheitern wäre für seinen kühlen Vater eine existenzielle Enttäuschung. „Es kostet nicht viel, ,Ich liebe dich’ zu sagen“, schreibt Berk. „Aber genau das macht den Unterschied.“ Im Abspann berichtet der Regisseur, Berk lebe inzwischen wieder in der Türkei: „Er ist glücklich.“

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