Jubiläumskonzert "Original und Fälschung" im Robert-Schumann-Saal

Jubiläumskonzert : Klassik durch die Brille des Jazz

Jubiläum: Im Schumann-Saal gab es zum zehnten Mal „Original und Fälschung“.

VON GERT HOLTMEYER

Schon zum zehnten Mal fand „Original und Fälschung“ statt, nicht als Bildervergleich, sondern musikalisch. Die Reihe, die Wolfram Goertz, RP-Musikredakteur vor zehn Jahren ins Leben rief, hat längst ein begeistertes Stammpublikum gefunden. Die Reihen des Robert-Schumann-Saals waren gut gefüllt, geboten wurde hohe Qualität.

Zwei gänzlich andere Ansätze von musikalischer Betätigung stehen sich hier gegenüber. Hier die strenge Klassik, bei der der Wille des Komponisten befolgt werden muss. Ganz anders im Jazz. Thema und Harmonieschema lässt man sich vielleicht noch vorschreiben. Aber dann wird improvisiert, dann sind Spontaneität und Individualismus gefragt. Dass beide Zugänge zur Musik ihre Berechtigung haben, ist der Grundgedanke von „Original und Fälschung“. Original ist wörtlich zu verstehen, Fälschung meint hier natürlich nicht Betrug, sondern bewusste Veränderung.

Diesmal, so war verschiedentlich aus dem Publikum zu hören, war die Veranstaltung besonders gut. Das lag nicht nur, aber ganz wesentlich auch am Klarinettisten Wenzel Fuchs. Wie beseelt er den langsamen Satz aus Mozarts Klarinettenkonzert spielte, wie lebendig Debussys Rhapsodie für Klarinette, wie pfiffig ein Prelude von Gershwin, wie virtuos den Csárdás von Vittorio Monti: Der Solo-Klarinettist der Berliner Philharmoniker blieb nichts schuldig.

Und alle diese Kompositionen bekamen einen neuen Charakter, wenn die versierten Jazzer vom Engstfeld-Weiss sie sich aneignen. Wolfgang Engstfeld (Tenorsaxofon), Peter Weiss (Schlagzeug), Christian Ramond (Bass) und Sebastian Gahler (Klavier) ließen die Originale mühelos wiedererkennen – und machten doch ihre eigene, reizvolle Musik daraus.

Wolfram Goertz moderierte gleichermaßen informativ wie unterhaltsam. Und als bei der Klassik-Zugabe die zuverlässige Pianistin Yvonne Gesler feststellen musste, dass sie die Noten vergessen hatte, war das auch kein Problem. Goertz zeigte, dass es sich auch in der E-Musik improvisieren lässt, und übernahm aus dem Kopf die Klavierbegleitung in Schumanns „Träumerei“.

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