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Reinhard Febels geniale Studien über die „Kunst der Fuge“

Klassik-Überraschung : Geniale Studien über die „Kunst der Fuge“

Der Komponist Reinhard Febel hat eine faszinierende Bearbeitung von Bachs „Kunst der Fuge“ für zwei Klaviere vorgelegt. Yaara Tal und Andreas Groethuysen spielen sie kongenial.

Klassik Leute, die sich am Allergrößten versuchen, hat es immer gegeben. Manche scheiterten, manchen gelang Grandioses. Anton Weberns Version des „Musikalischen Opfers“ ist ein Wunderbeispiel für klingende Analyse, Leopold Stokowskis Version von Toccata und Fuge d-Moll (für Orgel, jetzt für Orchester) ist ein köstlicher Fall von Gigantomanie.

Jetzt kommt ein Künstler, den die allermeisten Musikfreunde nicht auf dem Schirm haben: Reinhard Febel. Der 1952 in Metzingen geborene Komponist, der eine Professur am Salzburger Mozarteum innehat, ist ein einfallsreicher und vor allem gewissenhafter Meister. Viele Jahre verbrachte er im Ausland: in Peru, Kamerun, Neuseeland, Lettland, Uruguay, Schottland. Febel hat die Welt gesehen.

Jetzt können wir vermelden, dass der Globetrotter Febel auch seinen Johann Sebastian Bach ausgiebig bereist hat, vor allem den am wenigsten bekannten Kontinent: die „Kunst der Fuge“, Bachs letztes großes Werk. Febel hat nun eine Version für zwei Klaviere erstellt, in der er die 18 Einzelsätze mit sogenannten Manipulationen überzieht. Das klingt wie ein frivoler, listiger, höllischer Kommentar, der gleichwohl das Original nicht brutal antastet, allerdings – im Sinne des Kontrapunkts – befragt, eigenkompositorisch überwölbt. Anfangs, im Contrapunctus 1, wirkt das, als ob eine Platte hängenbleibt oder der CD-Laser stockt. Später hat man mitunter das Gefühl, als liefen zwei Stücke nebeneinander her. In Wirklichkeit sind es nur das Original und sein Schatten, sein Echo.

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Im Duo Yaara Tal / Andreas Groet­huysen haben Febels „18 Studien für zwei Klaviere nach Bachs Kunst der Fuge“ zwei kongeniale Interpreten (Sony). Den famosen Pianisten gelingt es, die radiologische Präzision, die subtile Sinnlichkeit und auch den Humor Febels perfekt zu transportieren. Neue Musik? Ach was, das hört man mehrfach hintereinander und will noch mehr. Wolfram Goertz