Radsportler bleibt in der Wüste von Katar auf Kurs: Wilhelms wieder Dritter

Radsportler bleibt in der Wüste von Katar auf Kurs: Wilhelms wieder Dritter

Doha (rpo). Ein Nobody sorgt für Furore: Nicht Telekom-Superstar Jan Ullrich geht als erster deutscher Sieger der neuen Radsport-Saison in die Annalen ein, sondern der international unbekannte, 33-jährige Thorsten Wilhelms. Einen Tag nach seinem ersten Saisonsieg hat Thorsten Wilhelms aus Hannover bei der Katar-Rundfahrt erneut Platz drei errungen.

Der 33-jährige Profi aus dem Team Coast musste sich nur dem Italiener Alberto Loddo und dem Franzosen Damien Nazon geschlagen geben.

Die Gesamtwertung führt Nazon jetzt mit einer Sekunde Vorsprung vor Wilhelms an. Auf dem flachen vierten Tagesabschnitt von Ras Laffa nach Doha über 125,5 km starteten die Profis gleich mit einem Schnitt von fast 60 km/h, so dass sich das Feld schnell in drei Teile spaltete. In der 30-köpfigen Spitzengruppe war Olympiasieger und Weltmeister Jan Ullrich (Merdingen) einer der aktivsten Fahrer. Den Schlussspurt fuhr dann Wilhelms von der Spitze weg, konnte das Tempo aber wegen Krämpfen nicht bis zum Ende halten. Ullrich rollte in der ersten Gruppe über den Zielstrich.

In der Wüste von Katar hat Nobody Thorsten Wilhelms dem Olympiasieger, Weltmeister und Tour de France-Favoriten die Show gestohlen. Nach dem Sprint-Erfolg auf der dritten Etappe der Katar-Rundfahrt über 179 Kilometer jubelte der Profi vom Essener Team Coast: "Alles was jetzt noch kommt, ist ein Bonus."

Vor dem Start war Wilhelms bei einem Fototermin noch vom Kamel gefallen und musste von zwei Jockeys aufgefangen werden. Danach trat er mit seinen Rennschuhen auch noch in Kamelmist. "Das bringt Glück, hat unser Mechaniker noch bei der Reinigung gesagt", amüsierte sich der Sprinter aus Hannover nach seinem Erfolg auch gegen den prominenten Ullrich. "Mein Saisonziel sind so viele Siege wie möglich. Mal schauen, der Druck ist jetzt erst mal weg", schrieb Wilhelms in seinem Internet-Tagebuch. Für Verblüffung bei Freunden, Fans, Rivalen und Experten hatte er schon zuvor gesorgt.

Denn nach einer durchaus erfolgreicher Amateur-Laufbahn hatte Wilhelms bereits für sechs Jahre den Radsport an den Nagel gehängt. "Ich habe meinen Betriebswirt gemacht und nach dem Tod meines Vaters seine Großtankstelle mit Autohaus übernommen", berichtete der Radsport-Besessene. Mit 20 Kilogramm Übergewicht und mit kalkweißen Beinen ging Wilhelms 1999 wieder bei einem Radrennen an den Start - und bekam vom Team Nürnberger eine Chance. Das Vertrauen rechtfertigte er mit sieben Erfolgen im Vorjahr.

In Rennfahrer-Kreisen gilt Wilhelms als "verrückt", als Typ, der im Endkampf schon mal "das Gehirn ausschaltet", was er schon oft genug mit Stürzen bezahlen musste. Der Etappensieg nach einem vierten und dritten Platz an den Vortagen bei dem von der Societe du Tour de France organisierten Rennen am Persischen Golf rückt Wilhelms nun endgültig in den Blickpunkt. "Unser absolutes Ziel ist die Teilnahme an der Tour, solche Siege sind ein Schritt dahin", unterstrich der sportliche Leiter Wolfram Lindner von Coast, der selbst nicht in Katar ist, die Bedeutung für sein Profi-Team.

"Etwas Besseres, als unter Wüst zu fahren, konnte mir nicht passieren. Marcel weiß genau, bei welchen Rennen ich punkten kann", gab der Profi das Lob weiter an Team-Coast-Manager Marcel Wüst. Der mittlerweise durchtrainierte und braun gebrannte Wilhelms sieht sich in seiner korrigierten Berufswahl erst einmal bestätigt: "Ich wollte einen Etappensieg, die Gesamtwertung war mir egal."

(RPO Archiv)
Mehr von RP ONLINE