Ultimatum für Blatter: UEFA setzt auf Bewährtes: Team bleibt Marketing-Partner

Ultimatum für Blatter : UEFA setzt auf Bewährtes: Team bleibt Marketing-Partner

Porto (rpo). Die Europäische Fußball-Union (UEFA) baut weiter auf seinen langjährigen Marketing-Partner und lässt im Machtkampf mit FIFA-Präsident Joseph Blatter nicht locker.

Das Exekutiv-Komitee vergab am Donnerstag in Porto die Vermarktungsrechte für die Champions League bis 2006 an die Schweizer Agentur Team, obwohl Kontrahent IMG mit einer jährlichen Einnahmegarantie von 1,1 Milliarden Schweizer Franken das finanziell lukrativere Angebot unterbreitet hatte.

Im Dauerstreit mit Blatter haben die Europäer mit einem Ultimatum an den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes eine neue Runde eingeleitet. Binnen drei Wochen müsse der Schweizer weitere Informationen zur finanziellen Situation der FIFA vorlegen. Andernfalls wollen die europäischen Mitglieder der FIFA-Exekutive gemeinsam mit Kollegen aus Afrika eine erneute Sondersitzung des Gremiums beantragen.

"Es sind noch immer nicht alle Fragen beantwortet. Und es gibt zu viel, was durcheinander geht", erklärte UEFA-Präsident Lennart Johansson, ohne aber ins Detail gehen zu wollen. Erst am 18. Dezember hatte sich Blatter auf Drängen der UEFA-Mitglieder in einer außerordentlichen Sitzung erklären müssen. Wie abgekühlt das Verhältnis derzeit ist, wird auch dadurch deutlich, dass Blatter eine Einladung zur Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen am Freitag in Porto ausgeschlagen hatte.

Mayer-Vorfelder skeptisch

Vergeblich hatte sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder, auf der zweitägigen Sitzung in Porto bemüht, die Wogen zu glätten. "Ich wünsche mir, dass wieder Harmonie zwischen FIFA und UEFA hergestellt wird. Inzwischen blickt ja überhaupt keiner mehr richtig durch", sagte Mayer-Vorfelder. Die von weiten Teilen der UEFA beim FIFA-Kongress am 28. Mai angestrebte Abwahl Blatters will Mayer-Vorfelder nicht unterstützen. Er beurteilt den Versuch auch überaus skeptisch: "Ich persönlich glaube nicht, dass Blatter scheitern wird. Es gibt ja schon innerhalb der Konföderation Vorbehalte."

Große Einigkeit herrschte hingegen bei der Wahl des künftigen Marketing-Partners. Einstimmig votierten die Exekutivmitglieder für die Schweizer Agentur Team, die bereits seit 1992 die Champions League vermarktet. Zwar lockte US-Konkurrent IMG mit dem großen Geld. Doch Team, das lediglich einen prozentualen Anteil am Geschäft anbot, verfügt offenbar über das überzeugendere Konzept und die bessere Unternehmensstruktur. "Bei Team findet keine Verquickung von Interessen statt, weil es auf den Wettbewerb fokussiert ist", sagte Mayer-Vorfelder: "Wir brauchten jemanden, der absolut sattelfest ist." Diese Gewissheit konnte IMG, das auch Vereine und Spieler vertritt, nicht bieten.

Vorteil gegenüber US-Konkurrent

Zudem hatte Team auch mit dem Standort in der Schweiz einen Vorteil gegenüber dem US-Konkurrenten. "Team hat eine große Erfahrung in der europäischen Fernseh-Landschaft", verdeutlichte Mayer-Vorfelder. Dies ist umso wichtiger, weil die UEFA auf Druck der EU künftig mehr Fernsehsender an der Champions League beteiligen will. Bis 2003 liegen die alleinigen Rechte für das Free-TV bei RTL, für das Bezahl-Fernsehen beim Kirch-Sender Premiere World. Danach könnten auch ARD und ZDF in die Berichterstattung einsteigen.

Die UEFA-Exekutive übernahm zudem den FIFA-Vorschlag, die Zeiten für internationale Transfers zu vereinheitlichen. Von der kommenden Saison an dürfen lediglich zwischen Saison-Ende und dem 31. August sowie vom 1. bis 31. Januar staatenübergreifende Spielerwechsel vorgenommen werden. Die UEFA hat ihre Nationalverbände aufgefordert, diese Zeiten auch für nationale Transfers zu übernehmen.

(RPO Archiv)
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