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Olympische Spiele: Land NRW will auf Entscheidung von IOC warten zu Tokio 2020

Land will auf Entscheidung des IOC warten : NRW vertröstet Olympia-Sportler

Das Land will erst abwarten, ob das IOC die Sommerspiele in Tokio verschiebt. Bis dahin müssen die Sportler individuell trainieren. Dressurreiterin Isabell Werth ist vehement für Wettkämpfe erst im nächsten Jahr.

Thomas Bach macht in diesen Tagen keine glückliche Figur. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees klammert sich an der Macht. Die Sommerspiele sind das Mächtigste, was der Weltsport zu bieten hat. Ein Milliardenunternehmen. Die Welt um ihn herum sendet eindeutige Signale. Doch Bach besteht auf seinen eigenen Takt. Er hat sich selbst ein Ultimatum verhängt. Innerhalb der kommenden vier Wochen soll eine Entscheidung verkündet werden. Kaum vorstellbar, dass er dem Druck noch so lange standhalten kann. Es gibt überhaupt keine Alternative – in Tokio werden erst 2021 Wettkämpfe ausgetragen werden können. Säbelfechter Hartung hatte schon vor der Ankündigung des IOC am Sonntagabend Fakten geschaffen und seinen Verzicht für die Spiele 2020 erklärt – unabhängig von der Entscheidung des Verbands.

Andrea Milz befürwortet die IOC-Initiative, über eine Verschiebung der Spiele 2020 in Tokio nachzudenken. „Das IOC wird dazu sicher nicht vier Wochen benötigen“, sagt die für Sport zuständige Staatssekretärin der Landesregierung NRW im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir respektieren die Eigenständigkeit des Sports und vertrauen auf eine vernünftige Entscheidung. Andere Nationen haben ja auch schon Tatsachen geschaffen.“ Kanada hatte bekanntgegeben, keine Mannschaft 2020 zu den Spielen zu schicken. Bis es eine Entscheidung des IOC gibt, wolle Milz für NRW den Spitzensportlern keine Erlaubnis für Ausnahme-Trainingsmöglichkeiten erteilen: „Das würde keinen Sinn machen. Wir warten auf die Entscheidung des IOC, dann haben wir Klarheit.“ Der DOSB, so Milz, hole sich derzeit bei den Athleten ein Stimmungsbild und werde zeitnah eine Erklärung abgeben. Der DOSB hat aber auch so schon eine Meinung. Da nach den Prognosen der Experten wegen der Coronavirus-Pandemie auch ein Termin im Herbst keine sichere Alternative darstellen würde, „präferieren wir eine Verlegung mindestens ins nächste Jahr“, sagte Präsident Alfons Hörmann.

Olympia-Ausrichter Japan hat derweil erstmals eine Verschiebung der Olympischen Sommerspiele wegen der Corona-Krise in Betracht gezogen. Vor dem Parlament in Tokio sagte Premierminister Shinzo Abe, dass damit gerechnet werden müsse. Von einer Absage könne aber keine Rede sein. „Es ist schwierig, Spiele unter diesen Umständen abzuhalten, wir müssen über eine Verschiebung entscheiden, wobei die Gesundheit der Athleten oberste Priorität hat“, sagte Abe. Die endgültige Entscheidung aber liege beim IOC.

Isabell Werth gehört zu den deutschen Weltklassesportlern, die sich seit längerem wegen der Corona-Epidemie für eine Verlegung der Olympischen Spiele aussprechen. „Stand jetzt ist es ein realistisches Szenario, dass die Spiele in Tokio nicht in diesem Herbst, sondern erst 2021 stattfinden“, sagt die Dressurreiterin aus Rheinberg. Die 50-Jährige hatte IOC-Präsident Thomas Bach und die japanische Regierung schon in der vergangenen Woche aufgefordert, die Sportler nicht länger im Unklaren zu lassen. „In den kommenden vier Wochen sollten die Entscheidungsträger uns Athleten doch bitte eine nachvollziehbare Alternative aufzeigen“, meint die sechsmalige Olympia-Siegerin, deren Alltag weiter ausgefüllt ist. „Das Tagesgeschäft geht weiter. Ohne die Turnier-Teilnahmen habe ich jetzt mehr Zeit, um mich um die jüngeren Pferde zu kümmern.“ Natürlich beschäftigt sich die Rheinbergerin auch weiter intensiv um ihre Championatspferde. Mit Intervalltraining sollen Bella Rose oder Weihegold ihre körperliche Fitness beibehalten. Auf ihrem Hof in Rheinberg hat Isabell Werth ihre Angestellten angewiesen, Abstand untereinander zu halten. „Wir haben hier viel Platz. Da kann man sich gut aus dem Weg gehen.“ Ihren Mitarbeitern sagt Isabell Werth immer wieder, „ruhig und besonnen“ zu bleiben.