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Rudern: Das Olympia-Aus wirft Alexandra Alex Höffgen nicht um

Rudern : Olympia-Aus wirft Alex Höffgen nicht um

Die Ausdauerathletin des Neusser Rudervereins sieht den Deutschland-Achter auch für die Zukunft gut aufgestellt. Aber jetzt steht erstmal eine Woche Urlaub an.

Am Montag war Alexandra Höffgen schon wieder in ihrer kleinen Wohnung in Potsdam. „Klamotten packen“, verriet die 27-Jährige mit erstaunlich fester Stimme. Alltag für eine Leistungssportlerin. „Aus dem Koffer leben kann ich“, fügte sie an. Noch vor dem Mittagessen ging es für sie heim zu den Eltern in Kleinenbroich. „Meine Familie mal wiedersehen.“ Luxus für die Ruderin, deren Handeln und Tun in den vergangenen Monaten auf ein großes Ziel ausgerichtet war: Sich mit dem Deutschland-Achter den Startplatz bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio zu sichern.

Aber auf dem Rotsee bei Luzern platzte der Traum jäh. Nur Platz drei im Qualifikationsrennen hinter China und Rumänien. Zu wenig. Die glücklichen Konkurrentinnen kurz darauf bei der Siegerehrung zu sehen, sei schon extrem bitter gewesen, räumte die Ausdauerathletin der Neusser Rudervereins ein. „Klar, das gehört im Sport halt einfach ein Stück weit dazu. Aber es tut weh.“ Dabei hatten sie und ihre Teamkolleginnen Tabea Schendekehl, Marie-Cathérine Arnold, Frauke Hundeling, Alyssa Meyer, Pia Greiten, Michaela Staelberg, Melanie Göldner  sowie Larina Hillemann (Steuerfrau) sich rein gar nichts vorzuwerfen. „Wir waren bei 100 Prozent, sind deutlich schneller gefahren als bei der EM.“

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Das Problem: Aus dem Nichts tauchten in der Schweiz die Chinesinnen auf. Selbst die Weltmeisterschaften 2018 und 2019 hatten die Asiatinnen ausgelassen, aber auf dem Rotsee spielten sie förmlich mit der überraschten Konkurrenz aus Europa, distanzierten nach 2000 Metern in 6:12,80 Minuten die Boote aus Rumänien (2,47 Sekunden zurück), Deutschland (9,72), den Niederlanden (12,59) und Russland (14,09) klar. „Die waren echt fix“, stellte auch Höffgen anerkennend fest und fügte leise hadernd hinzu: „Wenn die Chinesinnen nicht dabei gewesen wären, hätte es für uns mit Platz zwei geklappt. Wir haben die Holländerinnen, die eigentlich immer zu den Olympischen Spielen  fahren und im Ziel bitterlich weinten, geschlagen und waren dran an Europameister Rumänien.“

 Die Einstellung stimmte. Selbst als schon zur Rennhälfte der Rückstand auf den zweiten Rang auf mehr als fünf Sekunden angewachsen war, blieben die Schützlinge von Bundestrainer Tom Morris  am Limit. Für die diplomierte Maschinenbauerin eine Selbstverständlichkeit: „Wenn man so richtig im Flow ist, gibt man nicht auf. Du willst ja ein gutes Rennen fahren, um Dir hinterher nichts vorwerfen zu müssen.“

Bei allem Frust darüber, „dass es mit so einer Leistung nicht für Olympia gereicht hat, das gab es nicht allzu oft“, überwiegt bei ihr der Stolz auf das Vollbrachte. „Natürlich bin ich enttäuscht, alles andere wäre gelogen. Aber mit dem Rennen an sich sind wir echt zufrieden. Nur das letzte Quäntchen hat gefehlt.“

Und was kommt jetzt? Mit knapp 28 Jahren könnte sie auch noch den kürzeren Olympia-Zyklus bis zu den Sommerspielen 2024 in Paris bestreiten. Die Antwort bleibt sie indes fürs Erste schuldig. „Im Moment bin ich mental und körperlich total durch, da wäre es nicht so schlau, schon eine Entscheidung zu treffen. Ich muss das alles mal sacken lassen.“ Bis nach Pfingsten hat der Coach seinen Mädels darum erstmal Urlaub gegeben. Eine Auszeit, die die vollständig geimpfte Topathletin nutzen will, sich Gedanken über ihre sportliche Zukunft zu machen. Ein lohnendes Ziel könnten im Oktober die Weltmeisterschaften in Shanghai sein. Auch darüber hinaus sieht sie grundsätzlich gute Perspektiven für den Deutschland-Achter der Frauen. „Wir sind international wirklich gut konkurrenzfähig.“

Zurück im Rhein-Kreis könnten sich zudem Gelegenheiten ergeben, sich für die in den vergangenen Jahren erfahrene Unterstützung zu bedanken. „Der Support war super, ganz besonders von meinem Verein. Ich habe so viele liebe Nachrichten bekommen, das hat mich echt berührt.“