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Borussia Mönchengladbach: Noch nicht alle Tickets weg für Union Berlin

Fans zwischen Sehnsucht und Skepsis : Borussia-Park gegen Union Berlin noch nicht ausverkauft

Für das Borussia-Heimspiel gegen Union Berlin sind noch nicht alle Tickets verkauft. Bei vielen ist die Freude groß. Viele wollen aber erst einmal abwarten, wie die Premiere unter diesen Bedingungen funktioniert.

Der Stadionplan des Borussia-Parks im Ticketshop sieht einige Tage vor dem Heimspiel gegen Union Berlin fast aus wie immer: Große Teile sind ausverkauft, nur im Oberrang der Südkurve und der Ostgeraden gibt es noch Karten. In normalen Zeiten würde das bedeuten: Am Samstag ist mit rund 50.000 Zuschauern zu rechnen. Doch die Dimensionen sind in der Corona-Pandemie andere.

Beim ersten Heimspiel der Bundesligasaison 2020/21 darf das Stadion zu etwa 20 Prozent gefüllt werden. Dass die 10.800 Tickets fünf Tage nach dem Start des Vorverkaufs noch nicht weg sind, überrascht viele. 30.000 Dauerkarteninhaber hatten zunächst ein Vorkaufsrecht, dann kamen die 94.000 Vereinsmitglieder (darunter natürlich viele Dauerkarteninhaber) hinzu, doch es gingen tatsächlich noch Tickets in den freien Verkauf.

Wir haben unsere Follower bei Twitter gefragt, was ihre Beweggründe waren, erstmals seit dem 7. März wieder in einen nicht ganz so gespenstisch leeren Borussia-Park zu kommen – oder eben auf einen Besuch zu verzichten. @Roobarb16 antwortete, dass er sonst alle Heimspiele und einige Auswärtsspiele pro Saison sehe, um die 25 insgesamt: „Bei steigenden Infektionszahlen verzichte ich aber gerne. Fußball ist geil, aber nicht wichtig.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Mir fehlt die <a href="https://twitter.com/borussia?ref_src=twsrc%5Etfw">@borussia</a> einfach. Dem Hygienekonzept vertraue ich. Es gibt soviel Situationen im Alltag wo ich wahrscheinlich gefährdeter bin. In ein vollbesetztes Stadion würde ich allerdings nicht gehen.</p>&mdash; 41179MG (@41179MG) <a href="https://twitter.com/41179MG/status/1308072639714426880?ref_src=twsrc%5Etfw">September 21, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Einige verweisen auf Vorerkrankungen, die dafür sorgen, besondere Vorsicht walten zu lassen. Andere können sich vorstellen, beim nächsten Mal dabei zu sein und sparen sich die Premiere unter den neuen Bedingungen. „Ich möchte erst das Feedback des Vereins und der beim Spiel Anwesenden abwarten, bevor ich mich wieder um Karten bemühe“, schreibt @Volvonello.

Die Sehnsucht ist bei vielen dennoch groß, nach mehr als einem halben Jahr ohne Stadionbesuch. Beim Spiel gegen den BVB in der Rückrunde der vergangenen Saison ahnte kaum jemand, dass es das letzte Mal sein würde für lange Zeit, obwohl sich das Virus bereits ausbreitete. „Mir fehlt die Borussia einfach“, schreibt @41179MG. „Dem Hygienekonzept vertraue ich. Es gibt so viele Situation im Alltag, wo ich wahrscheinlich gefährdeter bin. In ein vollbesetztes Stadion würde ich allerdings nicht gehen.“

Bevor ein Impfstoff flächendeckend verfügbar ist, dürfte ein Borussia-Park mit 54.000 Zuschauern utopisch bleiben. „Es geht darum, dass der Fußball in Richtung Normalität zurückkommt. Wenn mit 10.800 Zuschauern sechs Wochen lang alles gut läuft und die Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik gut bleiben, dann landen wir vielleicht bei 15.000“, sagte Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers. „Und zu 20.000 kommt man nur über 10.000 und 15.000. Wir müssen uns in die Normalität zurücktasten und alle Vorsicht walten lassen, dass vom Fußball nichts ausgeht in Sachen Infektionsgeschehen.“

Dafür werden genauso viele Ordner im Einsatz sein wie bei einem ausverkauften Bundesligaspiel in Gladbach, alle Drehkreuze werden geöffnet, Abstände markiert, der Einlass auf den Toiletten wird reguliert, überall – bis auf den Sitzplatz – herrscht Maskenpflicht. Anders als an anderen Standorten dürfen auch Fans aus einem Haushalt nicht direkt nebeneinander sitzen, in der Regel bleiben immer drei Plätze frei.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Nein. Ich möchte erst das Feedback des Vereins und der beim Spiel Anwesenden abwarten, bevor ich mich wieder um Karten bemühe.</p>&mdash; Volvonello (@Volvonello) <a href="https://twitter.com/Volvonello/status/1308066793668464641?ref_src=twsrc%5Etfw">September 21, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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„Stadion ist immer noch besser als kein Stadion“, Jetzt hat das Wochenende wieder Sinn!“ – das sind die Kommentare am begeisterten Ende des Spektrums. Skepsis und Ablehnung drückt der Slogan „Alle oder keiner“ aus. Nicht nur die Gladbacher Ultras werden dem Borussia-Park aus diesem Grund fernbleiben. Der FPMG Supporters Club stützt dagegen die Teil-Rückkehr der Fans. „Unser gemeinsames Ziel, die Fankultur über diese schwierige Zeit zu tragen, bis die Stadien wieder voll sein dürfen, können wir so vorantreiben", sagte Thomas Ludwig, Vorsitzender des Fanprojekts.

So sehr die Meinungen auch auseinandergehen, herrscht der Eindruck vor: Die Vertreter verschiedener Strömungen gehen respektvoll miteinander um. Rund 10.000 Borussia-Fans werden am Samstag erstmals seit dem 7. März wieder ein Spiel ihrer Mannschaft live sehen. Die Gefahr, dass die Behörden wie in München oder Köln aufgrund des Infektionsgeschehens kurzfristig ein Verbot aussprechen, ist aktuell gering. Die Zahl der Neuinfektion pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag am Dienstag in Mönchengladbach bei 10,7, der Grenzwert liegt bei 35.