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Supercup in Budapest vor Zuschauern: Markus Söder warnt vor "Fußball-Ischgl"

Supercup in Budapest vor Zuschauern : Angst vor einem "Fußball-Ischgl"

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder fürchtet ein "Fußball-Ischgl", auch Trainer Hansi Flick hat Bedenken. Doch die Uefa hält unbeirrt an ihren Supercup-Plänen fest.

Ein "Fußball-Ischgl" beim Supercup in Budapest? Markus Söder hat beim Gedanken an einen möglichen neuen europäischen Corona-Hotspot "wirklich Bauchschmerzen". Der bayerische Ministerpräsident hat sich an die Spitze der Kritiker gestellt und erhebliche Bedenken hinsichtlich der Abenteuerreise von Bayern München ins Risikogebiet geäußert. Doch Uefa-Boss Aleksander Ceferin hält an seinem umstrittenen "Pilotprojekt" fest und erhofft sich unbeirrt "nützliche Erkenntnisse".

Für Söder ein Unding. "Wir müssen sehr, sehr aufpassen, dass wir da nicht eine Art Fußball-Ischgl riskieren", sagte er im bayerischen Rundfunk (B5). Eine Reise in die ungarische Hauptstadt, warnte der Landesvater, sei "unvernünftig, deswegen werden wir auch die Quarantäne-Verordnung noch mal ändern". Demnach sollen Rückkehrer auch dann in Quarantäne, wenn sie kürzer als 48 Stunden vor Ort waren.

Söder fürchtet ein "Superspreading-Event", wie es die Champions-League-Duelle zwischen Bergamo und Valencia oder Liverpool und Atletico Madrid im Frühjahr oder die Apres-Ski-Partys in Ischgl waren. "Wir können das nicht mit 2000, 3000 Leuten riskieren, die sich dann möglicherweise verständlicherweise im großen Feiern in den Armen liegen, und dann haben wir eine Riesen-Infektionswelle", sagte er.

Auch Hansi Flick und viele Fans haben keine Lust auf die Rolle als Versuchskaninchen. "Das ist eine Sache, die man nicht ganz so versteht", sagte der Trainer über den unnötigen Risikotrip zum Duell mit Europa-League-Sieger FC Sevilla am Donnerstag (21.00 Uhr). Die Anhänger schreckt "die Angst vor dem Virus", wie das spanische Sportblatt AS berichtet.

Entsprechend übersichtlich ging es am Montag am Gästeparkhaus der Allianz Arena zu. Nur wenige Fans nahmen zunächst das Klub-Angebot "Super Cup, Super Safe!" wahr, dort den für die Einreise nach Ungarn erforderlichen Corona-Test machen zu lassen. Kein Wunder: Die organisierte Fanszene will dem Kick fernbleiben, lediglich 2100 der 3000 Tickets wurden angefordert. Aus Sevilla kommen sogar nur 500 Anhänger.

Die Uefa verkauft das Spiel als "Startschuss für die Rückkehr der Zuschauer". Deshalb hat sie Anfang des Monats den Antrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) abgelehnt, das Spiel der Nations League gegen Spanien in Stuttgart (1:1) vor 500 Fans auszutragen. Die Uefa verspricht, dass in Budapest "bezüglich der Sicherheit der Menschen keinerlei Risiken eingegangen werden".

Maßnahmen wie Abstand halten, Maskenpflicht oder Messung der Körpertemperatur sollen das ebenso gewährleisten wie die Reduzierung der Kapazität in der Puskas Arena auf 30 Prozent, was rund 20.000 Plätzen entspricht. Und doch bleibt vielen angesichts der Lage vor Ort "nur Kopfschütteln", wie der kicker kommentierte.

Ungarn meldete am Sonntag 1070 neue Fälle - ein trauriger Rekord. Auch der Shorttracker Shaolin Sandor Liu, Ungarns erster Winter-Olympiasieger, ist positiv, die Handballer des SC Szeged sind in Quarantäne, Ausländern ist die Einreise aktuell verboten - Ausnahme: Zuschauer internationaler Sportereignisse und kultureller Veranstaltungen.

Janos Szlavik, Chef-Epidemiologe am Süd-Pester Zentralkrankenhaus, hält das Spiel für einen "riskanten Versuch", die Opposition geht noch weiter. "Wir fordern, dass Ministerpräsident Viktor Orban und seine Regierung dieses Spiel sofort absagen", sagte Ildiko Borbely von der sozialdemokratischen Oppositionspartei MSZP. Wenn Gesundheit Priorität habe, sei klar: "Ungarn kann dieses Spiel nicht austragen."

Spielen oder nicht? Diese Frage spaltet sogar den FC Bayern. Während Flick zweifelt, hat Karl-Heinz Rummenigge Verständnis. Die Uefa habe sich die Entscheidung "sehr schwer gemacht", sagte der Vorstandschef bei Sky90: "Sie wollte zielbewusst einen ersten Schritt in Richtung Normalität gehen. Grundsätzlich halten wir das für möglich und nachvollziehbar."

Das dürfte Sandor Csanyi unterschreiben. Der reichste Mann Ungarns steht dem nationalen Fußball-Verband vor - und sitzt als Vize-Präsident im Uefa-Exekutivkomitee. Flick hat deshalb resigniert und will sich aufs Sportliche konzentrieren: "Alles andere liegt nicht in meiner Hand."

(ako/sid)