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Borussia Mönchengladbach: Marcus Thuram und Alassane Plea brauchen Zeit

Trotz Thurams und Pleas Rückkehr : Borussias Wucht ist noch nicht voll da

Beim 0:3 in Dortmund fehlte es Borussia an Wucht. Marcus Thuram und Alassane Plea, die diese Durchschlagskraft verkörpern, sollen über Einsätze wieder herangeführt werden.

Dem Fußballfreund Marco Rose wird gefallen haben, was Erling Haaland da aufführte in der 78. Minute des Bundesliga-Spiels zwischen den beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach. Dem Trainer Rose indes nicht. Schließlich ist Haaland, einst bei RB Salzburg sein Schüler, angestellt beim BVB und erzielte in der Szene das entscheidende 3:0 für seinen Arbeitgeber. Doch dieser Sprint des Norwegers, von eigenen Fünfmeteraum binnen elf Sekunden bis zum Abschluss vor Yann Sommer, der unbedingte Wille, das Tor zu machen, dann der coole Torschuss, das ist es, was Rose mag. Und genau das war der Unterschied im Topspiel zwischen beiden Borussias.

In Roses Sprachgebrauch darf man einen Kerl wie Haaland, der auch noch ein begabter Fußballer ist, als „Urgewalt“ einstufen. Rose hat auch solche Typen in seinem Team, Marcus Thuram zum Beispiel: Kommt der Franzose einmal ins Rollen, ist da kaum ein Kraut gewachsen, ihn aufzuhalten. Und natürlich: Denis Zakaria und Breel Embolo. Und auch Alassane Plea darf man da eingemeinden. Doch 50 Prozent der Gladbacher Wucht sind noch in der Reha nach Verletzungen. Thuram und Plea zwar weiter, aber lange nicht bei 100 Prozent. Beide kamen in Dortmund nach rund 80 Minuten ins Spiel.

Plea verkörpert insbesondere den zweiten Aspekt, der Gladbach fehlte: den Knipserinstinkt. „Wenn man in Dortmund zwei Torchancen hat, muss man aber mindestens eine davon nutzen“, gab Lars Stindl, der mit Hannes Wolf und Jonas Hofmann den Angriffs-Dreier bildete, zu. So wie Giovanni Reyna beim 1:0. Zuvor hatten die Gladbacher ebenfalls im Strafraumgetümmel den Ball nicht im Tor untergebracht. „Dortmund war in der Box einfach effektiver, klarer und besser als wir“, sagte Rose.

Er musste indes über zwei Drittel des Topspiels auf seine beiden besten Tormacher der Vorsaison verzichten. Als er Thuram und Plea dann brachte, hatten sie sicher den Willen, etwas zu verändern an der Geschichte, doch die Kraft, das zu tun, ist noch nicht da. Thuram hatte einige Pokalminuten Spielpraxis, Plea hatte zuletzt am 5. Juni in Freiburg gespielt. Beide sollen langsam über Einsätze herangeführt werden, es ist quasi eine Saisonvorbereitung im Ernstfall-Modus.

Für den Moment ist Borussias Wucht aber nicht voll da. „Es war nie eine Option, dass einer von beiden beginnt. Ihre Einwechslung hatte auch nichts mit dem 0:2 zu tun, sondern es war eine klar besprochene Entscheidung, dass sie diese Spielzeit gebrauchen und bekommen, um für die kommenden Wochen Körner zu sammeln“, sagte Rose.

Wolf, Stindl und Hofmann waren bemüht und schafften es immer dann, den BVB aus der Ruhe zu bringen, wenn sie anliefen und Druck aufbauten. Doch es fehlte die Konsequenz in dieser Disziplin auf die lange Distanz. Wolf, der früher in Salzburg bei Rose weiter war als Haaland, war bei seinem ersten Liga-Spiel als Flügelmann Stindls wenig präsent, Hofmann und Stindl hatten Gelegenheiten, die offensive Null zu verhindern, trafen aber nicht ins Tor. Stefan Lainer versuchte sich als „Urgewalt“ (Rose über Lainer) einzubringen, über seine Seite kam auch mehr als über links, seinen Schuss aber meisterte der starke BVB-Torwart Roman Bürki.

Thuram war dann noch in die Elfmeter-Szene mit Mats Hummels verstrickt, doch da blieb er Pfiff aus. Insgesamt wurde in Dortmund deutlich, dass Rose-Fußball ganz ohne Wucht in der Spitze auf höchstem Niveau ein bisschen was fehlt. „Das ist der Unterschied, wenn Dortmund mit dem Topsturm spielt und wir mit einer Variante“, sagte Sportdirektor Max Eberl am Sonntag bei Sport1.

„Ich denke schon, dass man auch sieht, dass die Jungs, wenn sie gesund sind, uns weiterhelfen“, sagte Rose über Thuram und Plea. Gegen Union Berlin am Samstag sind die Franzosen schon weiter. Jeder Tag, wenn es wie gewünscht läuft, wird Gladbach wuchtiger machen.