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Hier In Nrw: Wie viel dürfen die Hochschul-Rektoren verdienen?

Hier In Nrw : Wie viel dürfen die Hochschul-Rektoren verdienen?

Die Veröffentlichung der Rektoren-Gehälter hat viel Wirbel ausgelöst. Heute befasst sich der Wissenschaftsausschuss des Landtags damit. Hochschulministerin Svenja Schulze (SPD) gerät zunehmend unter Druck.

Was ein Grundschullehrer verdient, ist bekannt: rund 3500 Euro brutto im Monat. Die Diäten eines Landtagsabgeordneten betragen 10 726 Euro brutto monatlich. Selbst das Gehalt von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ist kein Geheimnis; sie informiert darüber auf ihrer Homepage: rund 20 000 Euro pro Monat. Was aber die Leiter der Hochschulen verdienen, wusste die Öffentlichkeit bislang nicht so genau.

Das ist schlagartig anders geworden, als der Internet-Blog "Nachdenkseiten" die Gehaltsliste veröffentlicht hat. Hinter dem Blog steht der SPD-Mann Wolfgang Lieb, der in den 90er Jahren Regierungssprecher des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau gewesen ist. Laut Liste liegt der Leiter der RWTH Aachen mit 152 528 Euro brutto an der Spitze der Jahresgehälter für Rektoren in NRW.

Doch es ist nicht so sehr die absolute Summe, die aufhorchen lässt, sondern der rasante Anstieg in den vergangenen Jahren, seit die Rektorengehälter mit den Hochschulräten frei vereinbart werden können. Im Jahr 2006 etwa hatte das Jahresgehalt des RWTH-Leiters noch bei "nur" 109 601 Euro gelegen.

Man kann sich trefflich darüber streiten, welche Bezüge für einen Rektor angemessen sind. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass unsere Hochschulen im internationalen Wettbewerb stehen und auf wissenschaftliche Exzellenz angewiesen sind. Die kann man nicht mit Tarifgehältern ködern.

Wer den totalen Durchblick haben will, muss fordern, dass die Hochschulen zur Offenlegung ihrer Vergütungen verpflichtet werden. Doch das hat bislang nicht einmal NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) verlangt, die eine höchst umstrittene Hochschulnovelle durchsetzen will.

Mit der Gehaltsaffäre befasst sich heute der Wissenschaftsausschuss des Landtags in einer Sondersitzung. Schulzes Ministerium, so wird vermutet, könnte hinter der Indiskretion mit der Gehaltsliste stehen — es handle sich um ein Ablenkungsmanöver oder gar um eine Art Racheakt für das Aufbegehren der Professorenschaft gegen die verhasste Hochschulnovelle.

Wer auch immer hinter der Durchstecherei steht — er (oder sie) hätte der Ministerin mit dem Bruch des Dienstgeheimnisses einen Bärendienst erwiesen. Statt ihr den Rücken zu stärken, hat er (oder sie) bewirkt, dass Schulze zunehmend unter Druck gerät. Die CDU hält ihr süffisant vor, dass sie auf ihrer Homepage die "Nachdenkseiten" an die Spitze ihrer Lieblings-Links gesetzt hat. Und schon fühlt man sich erinnert an ihr unglückliches Auftreten in derAffäre um angeblich verschwundene Atomkugeln.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)