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Von der Leyen, Röttgen und zu Guttenberg: Die Kronprinzen der Kanzlerin

Von der Leyen, Röttgen und zu Guttenberg : Die Kronprinzen der Kanzlerin

Düsseldorf (RPO). Die CDU ist eine Partei im Umbruch - zumindest an der Spitze. Zwei politische Shootingstars und Merkel-Vertraute sind in die Führungsriege aufgerückt: In Karlsruhe haben Ursula von der Leyen und Norbert Röttgen den vorläufigen Höhepunkt ihrer steilen politischen Karriere erreicht. Zusammen mit Karl-Theodor zu Guttenberg stehen sie für die Zukunft der Unionsparteien. Einer von ihnen dürfte die Kanzlerin eines Tages beerben.

Beharrlichkeit und Geduld sind auch in der Politik eine Tugend. Das beste Beispiel hierfür ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihre (potenziellen) Konkurrenten um die Macht hat sie allesamt überdauert. Die oftmals zitierte Männerriege der Ministerpräsidenten mit eigenen Ambitionen gibt es nicht mehr. Jürgen Rüttgers wurde die Wahlschlappe in NRW zum Verhängnis. Roland Koch zieht es - wohl mangels Perspektiven - in die Wirtschaft. Christian Wulff wurde ins Amt des Bundespräsidenten gehievt. Friedrich Merz warf bereits 2004 das Handtuch.

Die Führungsspitze der CDU hat seit Montag ein neues Gesicht. Es ist nach den Vorstellungen von Merkel modelliert: Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Norbert Röttgen, ihr Kollege aus dem Umweltressort, rücken auf die freigewordenen Posten der stellvertretenden Parteivorsitzenden auf. Damit stehen zwei Shootingstars in der ersten Reihe, die in der Vergangenheit von Merkel gefördert wurden, die ihr politisch nahe stehen, die als ihre Vertrauten gelten.

Ambitionen auf das Kanzleramt

Dabei werden dem Duo immer wieder eigene Ambitionen auf die Kanzlerschaft nachgesagt. Diese Variante ist nicht ganz unrealistisch: "Die beiden CDU-Aufsteiger Norbert Röttgen etwa oder Ursula von der Leyen hätten durchaus das Zeug, ihre politische Mentorin dereinst zu beerben. Fast aus dem Nichts haben sich beide zu politischen Leistungsträgern und Schwergewichten gemausert", schreibt die "Mittelbayerische Zeitung". In der "Bild" heißt es: "Eines Tages wird Angela Merkels Nachfolger an der Parteispitze aus der Reihe derer kommen, die sie selbst groß gemacht hat."

Passenderweise war am Montag auf dem Parteitag auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zugegen, um vor den Delegierten für die Aussetzung der Wehrpflicht zu werben. Der charismatische CSU-Aufsteiger, vor zwei Jahren noch ein bundespolitischer Nobody, ist nun nicht mehr der einzige Hoffnungsträger der Unionsparteien.

Auch Norbert Röttgen (Spitzname: "Muttis Klügster") hat eine steile Karriere hinter sich: Der aus Meckenheim bei Bonn stammende Röttgen ist seit dem vergangenen Jahr Bundesumweltminister. Zuvor war der 45-Jährige vier Jahre lang Parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Fraktion. Erst kürzlich setzte er sich in einer Kampfabstimmung um den Landesvorsitz der NRW-CDU gegen Armin Laschet durch. Als Chef des größten Landesverbandes verfügt er nun über eine eigene Hausmacht und hat sein bundespolitisches Gewicht deutlich erhöht.

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Steile Karrieren

Anders, aber nicht minder steil verlief Ursula von der Leyens Karriere. Sie gewann erst vor sieben Jahren richtig an Schwung, als sie als Sozialministerin in das niedersächsische Landeskabinett einzog. 2005 folgte der Ruf nach Berlin, wo sie vier Jahre lang das Familienressort leitete. In dieser Funktion machte sich die 52-jährige Mutter von sieben Kindern einen Namen mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und die Einführung des Elterngeldes. Im Sommer war sie nach dem Rückritt von Horst Köhler kurzzeitig als neue Bundespräsidentin gehandelt worden.

Statt dessen wird von der Leyen nun ebenso wie Röttgen und der populäre zu Guttenberg mit der Kanzlerschaft in Verbindung gebracht - was alle heftig dementieren. Es wird ohnehin noch einige Zeit vergehen, bis eine Merkel-Nachfolge zum Thema wird. Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Kanzlerin auch bei den Bundestagswahlen 2013 als Spitzenkandidatin der Union antreten wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Merkel kämpferisch in Karlsruhe