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Berliner Bühne: Steinbrücks doppelte Borussia

Berliner Bühne : Steinbrücks doppelte Borussia

Berlin (RP). Als NRW-Ministerpräsident war Peer Steinbrück leidenschaftlicher Fan von Borussia Mönchengladbach. In drei Wochen lässt sich der Ex-Finanzminister in den Aufsichtsrat von Borussia Dortmund wählen – und prüft erstmal das Kassenbuch des Klubs.

Berlin (RP). Als NRW-Ministerpräsident war Peer Steinbrück leidenschaftlicher Fan von Borussia Mönchengladbach. In drei Wochen lässt sich der Ex-Finanzminister in den Aufsichtsrat von Borussia Dortmund wählen — und prüft erstmal das Kassenbuch des Klubs.

Auf Borussia Mönchengladbach ließ der damalige NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück nichts kommen. Gerne zeigte sich der SPD-Politiker mit schwarz-grünem Schal, trank medienwirksam ein Altbier mit den Altvorderen der Elf vom Niederrhein. Im Nordrhein-Teil des Bindestrich-Landes galt Steinbrück fortan als Fußballfachmann mit Geschmack. Eine persönliche Bindung zum Klub am Niederrhein hatte der gebürtige Hamburger indes nie. Aber ein Politiker auf Stimmenfang muss eben Fußball-Fan sein.

Gerhard Schröder hat es vorgemacht (der SPD-Kanzler war wahlweise Hannover, Cottbus oder Dortmund-Fan), Angela Merkel hat es perfektioniert (sie liebt nur Deutschland). Steinbrücks Berater hatten sich die Gladbacher damals strategisch ausgesucht. Schalke und Dortmund galten als zu polarisierend für einen NRW-Regierungschef, der 1. FC Köln ebenfalls. Die sympathischen Underdogs aus Gladbach passten da besser ins Konzept.

Aufsichtsrat für Borussia Dortmund

Ewige Treue war also nicht zu erwarten. Und am 30. November kehrt Steinbrück den Gladbachern endgültig den Rücken zu. Der Sozialdemokrat will sich in den Aufsichtsrat von Borussia Dortmund wählen lassen, der "falschen" Borussia, wie man am Niederrhein zu sagen pflegt. In Dortmund sorgte Steinbrücks Nominierung für Unmut, einige Fan-Clubs kritisierten im Internet den Neuling mit der Gladbach-Vergangenheit. Doch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, ein Mann der großen Gesten, setzte sich durch und überzeugte den 63-Jährigen Polit-Star. Übrigens genauso wie den einstigen CDU-Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz. Der Sauerländer war aber immerhin schon früher BVB-Fan.

Für seine Zusage erbat sich Steinbrück indes Bedenkzeit. Mehrere Wochen. Der Ex-Finanzminister soll sämtliche Geschäftsberichte des einstigen Fast-Pleite-Klubs durchforstet haben, bevor er "Ja" sagte, erzählte neulich ein Parteifreund. Ein Blick in die Kassenbücher soll den Finanzpolitiker offenbar auch vor unangenehmen Überraschungen schützen. Es könnte ja sein, dass Steinbrück noch einmal auf die politische Bühne zurückkehrt. Als Aufsichtsrat eines hochverschuldeten Fußballvereins wäre das für einen Ex-Finanzminister nicht besonders imagefördernd.

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Aber danach sieht es ja derzeit nicht aus. Die Dortmunder Borussia ist Tabellenführer, wirtschaftlich weitgehend gesundet und die Aktie krabbelt nach oben. Einen schwarz-gelben Schal soll sich der rote Peer ebenfalls schon zugelegt haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Peer Steinbrück