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Israelischer Botschafter besorgt über judenfeindliche Proteste in Deutschland

„Verstörend, diese Bilder zu sehen“ : Israelischer Botschafter besorgt über judenfeindliche Proteste in Deutschland

Der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, hat sich tief besorgt über antisemitische Kundgebungen und judenfeindliche Proteste in vielen deutschen Städten Tage geäußert.

Issacharoff sagte am Sonntagabend im "Bild"-Politiktalk "Die richtigen Fragen: "Es ist verstörend, diese Bilder zu sehen." Er verwies darauf, dass dabei "auch unglaubliche antisemitische Äußerungen gebrüllt wurden".

Der Botschafter berichtete, dass er darüber mit Verantwortlichen für die Sicherheit auf deutscher Seite gesprochen habe und dass man ihm versichert habe, dass man "alles tun werde, solche Demonstrationen zu unterbinden, bei denen zum Beispiel israelische Flaggen verbrennt werden". Der Botschafter fügte hinzu: "Ich nehme sie beim Wort." Er ließ zugleich Zweifel erkennen, ob solche Vorfälle in jedem Fall verhindert werden können.

Der Botschafter lobte zugleich die klare Haltung der politischen Führung in Deutschland. Seit Beginn der Raketenangriffe der Hamas "haben wir ganz außergewöhnliche Botschaften der Unterstützung von Politikern in Deutschland bekommen". Namentlich erwähnte er Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Heiko Maas, Innenminister Horst Seehofer sowie die drei Kanzlerkandidaten Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz. Außerdem habe es auch Solidaritäts-Demonstrationen für Israel in Frankfurt oder Leipzig gegeben.

Unterdessen machte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mitverantwortlich für die antisemitischen Proteste und Straftaten in Deutschland. "Was wir jetzt erleben, sind ganz überwiegend nicht Rechtsextremisten, sondern es sind ganz überwiegend Menschen mit muslimischem Hintergrund, die aufgestachelt zum Teil auch von brutalen Reden von Präsident Erdogan in der Türkei und anderen meinen, diese Auseinandersetzungen jetzt auf deutschen Straßen austragen zu müssen", sagte er der "Bild".

Man dürfe nicht zulassen, dass in Deutschland Menschen "mit fanatischer Intoleranz unterwegs" seien. "Wir müssen auch einfordern: Wer auf Dauer in unserem Land leben will, der muss die Grundsätze von Meinungsfreiheit, von Religionsfreiheit, von Toleranz gegenüber Andersdenkenden auch leben. Wer sich derart intolerant aufführt, dem müssen die Grenzen aufgezeigt werden."

(kna)