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Stoltenberg bei Illner: Nato-Generalsekretär lobt Deutschlands Engagement​

Interview bei „Illner“ : Nato-Generalsekretär Stoltenberg lobt Deutschlands Engagement

Am Donnerstagabend ziert ein Spezial-Einspieler die Talkshow „Maybrit Illner“: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg spricht über die neue Strategie des Militärbündnisses.

Zum Talk bei „Maybrit Illner“ am Donnerstag gehört ein Interview mit dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, das nach dem Ende des Nato-Gipfels in Madrid aufgezeichnet worden war. Drei wichtige Ergebnisse dieses Gipfels hatte Illner zuvor per Einspieler illustriert: Die Nato verstärkt binnen der nächsten drei Jahre ihre schnelle Eingreiftruppe von 40.000 von auf 300.000. Deutschland will dazu zusätzlich 15.000 Soldaten, 60 Flugzeuge und 20 Marineschiffe schicken. Und die USA richten eine dauerhafte Militärbasis in Polen ein. Angesichts dieser Aufrüstung fragt die Moderatorin, ob sich die Welt nun in „einer Art Kaltem Krieg 2.0“ befinde.

Nato will Zahl der schnellen Eingreifkräfte drastisch erhöhen

„Wir befinden uns in einer gefährlicheren Welt, einer Welt, in der es einen heißen Krieg in Europa gibt“, eröffnet Stoltenberg. Er begründet die neuen Nato-Pläne mit dem Ziel, die Ukraine solle sich besser selbst verteidigen können. Gleichzeitig solle ein Krieg über das Gebiet der Ukraine hinaus verhindert werden. „Die Nato hat zwei Ziele: Die Unterstützung der Ukraine und die Verhinderung einer Eskalation“, sagt der Nato-Generalsekretär.

Für die Umsetzung der immensen Aufstockungspläne für eine Nato-Präsenz sieht Stoltenberg keine Probleme. „Deutschland führt hier vorbildlich“, sagt er und hebt er die Ankündigung einer „besonderen Brigade“ hervor, die das Baltikum schützen solle. Stoltenberg berichtet, beim Nato-Gipfel habe es auch Lob für die Ankündigung der Bundesregierung gegeben, 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr auszugeben. Zudem habe Deutschland in den letzten Wochen bereits seine militärische Präsenz deutlich erhöht und der Ukraine viel Unterstützung geboten. Das sähen auch die Verbündeten.

Illner holt das Gespräch zur Ukraine zurück. Mit dem Verweis, dass inzwischen etwa ein Fünftel des Landes unter russischer Besatzung stehen, konfrontiert sie Stoltenberg mit seiner früheren Äußerung, die Ukraine könne den Krieg gewinnen. Der Nato-Generalsekretär will sich nicht dazu äußern, ob diese Einschätzung zu optimistisch gewesen sei. Stattdessen räumt er ein, die derzeitige Lage in dem Land sei besorgniserregend. Das stellt er als Anlass dafür dar, die Ukraine noch stärker militärisch zu unterstützen.

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In der Frage der Lieferung von Kampfpanzern hält sich Stoltenberg indes bedeckt. „Die Nato trifft keine Entscheidungen über spezifische Waffengattungen“, sagt er. Generell stellt sich Stoltenberg aber hinter die Idee, schwere Waffen zu liefern, etwa Leopard-Panzer aus Spanien. Die USA würden solche Lieferungen als Schirmherren in der sogenannten Ramstein-Gruppe koordinieren. „Mehr schwere Waffen, modernere Ausrüstung, die schneller geliefert werden muss: Das ist die Hauptbotschaft.“

Ob er noch immer glaubt, die Ukraine könne den Krieg gewinnen, verrät Stoltenberg indes nicht. Nun fasst Illner nach und fragt andersherum, ob die Gefahr bestehe, dass die Ukraine den Krieg verlieren könne. Erneut weicht Stoltenberg aus. Um die Definition eines Sieg für die Ukraine drückt er sich ebenfalls. „Dieser Krieg wird wie die meisten Kriege wahrscheinlich am Verhandlungstisch enden“, sagt er schließlich und betont den Zusammenhang zwischen Verhandlungsspielraum und Gefechtsstärke. Nur die Ukraine selbst könne bestimmen, unter welchen Bedingungen sie ein Friedensangebot annehmen könne. „Unsere Verantwortung ist es, sicherzustellen, dass sie die stärkste Position bei den Verhandlungen bekommen.“

Mit der Dauer-Betonung von Waffen wirkt Stoltenberg wie ein Schuster mit seinen Leisten. Schließlich ist sein Job die Leitung eines Militärbündnisses; allerdings ist er von Haus aus eigentlich Politiker, inklusive Erfahrung als norwegischer Regierungschef. „Die meisten Politiker denken, es ist wichtig, auch in Bildung, in Gesundheit, in Infrastruktur zu investieren“, sagt Stoltenberg nun. „Aber wenn die Welt gefährlicher wird, müssen wir für unsere Sicherheit sorgen und in sie investieren.“ Genau das täte Deutschland.

(peng)