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Corona: So reagiert die Welt auf die neue Corona-Variante

Politiker sind besorgt : So reagiert die Welt auf die neue Corona-Variante

Aus Südafrika werden Fälle einer neuen Corona-Variante gemeldet, die wegen ungewöhnlich vieler Mutationen für Beunruhigung sorgt. Mehrere EU-Staaten ergreifen Vorsichtsmaßnahmen.

Wie reagieren Deutschland und die EU auf die neue Variante?

Aus Sorge vor einer neuen Coronavirus-Variante schränken Deutschland und andere Staaten den Flugverkehr aus Südafrika ein. Deutschland werde Südafrika zum Virusvariantengebiet erklären, kündigte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitagmorgen mit. Die Regelung trete in der Nacht zum Samstag in Kraft. Gegebenenfalls seien auch Nachbarländer Südafrikas betroffen. Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern. „Das letzte, was uns jetzt noch fehlt, ist eine eingeschleppte neue Variante, die noch mehr Probleme macht“, sagte Spahn.

Wegen der Ausbreitung der Variante will die EU-Kommission Reisen aus dem südlichen Afrika in die EU auf ein absolutes Minimum beschränken. Die Brüsseler Behörde werde den EU-Staaten vorschlagen, die dafür vorgesehene Notbremse auszulösen um den Luftverkehr auszusetzen, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mit. Die EU-Staaten müssen darüber jetzt noch beraten und entscheiden. Rechtlich bindend wäre die Notbremse nicht, doch es wäre eine wichtige Richtungsentscheidung. Mehrere EU-Länder verhängten bereits Reisebeschränkungen, so etwa Italien, die Niederlande und Tschechien. Dänemark führt ab Mitternacht Reisebeschränkungen für Südafrika und die sechs südafrikanischen Nachbarländer ein. Die WHO äußerte allerdings zum jetzigen Zeitpunkt Vorbehalte gegen Reisebeschränkungen.

Ist die neue Variante ansteckender?

Experten befürchten, dass die vielen Mutationen der zunächst im südlichen Afrika nachgewiesenen Variante B.1.1.529 dazu führen, dass sich der Erreger schneller ausbreitet oder die Impfstoffe ihre Schutzwirkung verlieren. Am Freitag wurde ein erster Fall in Belgien gemeldet. In Deutschland ist die Variante nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Freitagvormittag noch nicht festgestellt worden.

Spahn betonte, die Auswirkungen der Variante auf Krankheitsschwere, Infektiosität und Impfschutz seien noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wird sich erst in einigen Wochen herausstellen, ob die Variante ansteckender oder aggressiver ist als bisherige Varianten. Die im südlichen Afrika aufgetretene Version des Virus sei bislang weniger als 100 Mal genetisch sequenziert worden. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC wollte noch am Freitag eine Einschätzung zu der Variante abgeben.

Was sagen Experten zur neuen Corona-Variante?

Der Präsident des RKI, Lothar Wieler, sagte: „Wir sind sehr besorgt. Und ich hoffe sehr, dass stringent dahingehend gearbeitet wird, dass zumindest die Ausbreitung dieser Variante so gut wie möglich durch Reisebeschränkungen eingeschränkt wird.“

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„Das Ding ist bis an die Zähne bewaffnet“, sagt Friedemann Weber, Leiter des Instituts für Virologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Das Virus bringe einen „Riesen-Strauß an Mutationen mit sich“, allein mehr als 30 seien im Spike-Protein. Von einigen der festgestellten Mutationen sei bereits bekannt, dass sie die Wirkung von Antikörpern abschwächen. Allerdings sei es zu früh, um Aussagen über den weiteren Verlauf zu machen, betont Weber. „Es ist durchaus denkbar, dass die Variante wieder verschwindet.“

„Sie hat keine Mutationen, die wir nicht schon kennen, aber die Kombination der Mutationen kennen wir bisher nicht“, sagt auch Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). „Wie diese Kombination wirkt, muss man jetzt untersuchen.“ Aussagen über den Einfluss der Variante auf den Krankheitsverlauf sind derzeit nicht möglich. „Dazu haben wir momentan einfach zu wenige Fälle.“

Ein WHO-Expertengremium sollte am Freitagnachmittag über die Einstufung der neuen Corona-Variante B.1.1.529 beraten. Es gehe dabei unter anderem um die Frage, ob die Mutante als „besorgniserregende Variante“ („variant of concern“) oder als „Variante unter Beobachtung“ („variant of interest“) klassifiziert werden soll, hieß es von der UN-Behörde.

Wo, wann und wie wurde die neue Variante bekannt?

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD hatte am Donnerstag mitgeteilt, es seien in Südafrika 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen.

Wie verbreiten sich Virus-Varianten über Länder hinweg?

Der Flugverkehr und Reisen insgesamt sind die wesentlichen Verbreitungswege für Viren. Sie können so innerhalb von Stunden von einem Land ins andere, sogar von einem Kontinent zum nächsten gelangen und, einmal dort angekommen, neue Infektionsketten starten. Die Beschränkung des Flugverkehrs zählt deshalb zu den Maßnahmen, die bei Auftauchen einer als bedrohlich eingestuften Virusvariante getroffen werden können - so wie es auch jetzt bei der neu entdeckten Variante gemacht wird. Aber: „Wir werden die Varianten nicht aus Europa raushalten können, wir können aber wertvolle Zeit gewinnen, um an bessere Daten über das Virus zu kommen“, sagt Watzl.

(mba/dpa)