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Corona: Wurde das Coronavirus tatsächlich noch nie nachgewiesen? - Gerüchte zur Corona-Pandemie

Gerüchte zur Corona-Pandemie : Wurde das Coronavirus tatsächlich noch nie nachgewiesen?

In sozialen Netzwerken halten sich hartnäckig Gerüchte, die die Existenz des Coronavirus leugnen und den Sinn der Impfstoffe infragestellen. Sieben (zum Teil absurde) Thesen und was dran ist.

Mit (vermeintlich) unsichtbaren Gefahren ist es so eine Sache. Alles, was wir nicht sehen oder sonstwie mit einem unserer Sinne erfassen können, verliert für manchen schnell seinen Schrecken. Dabei gibt es ausreichend Beispiele für lebensgefährliche unsichtbare Katastrophen, man denke nur an Radioaktivität oder Kohlenmonoxid. Und auch Krankheitskeime aus dem Mikro- und Nanokosmos sieht man mit dem bloßen Auge nicht. Das Laute, Große oder Schmerzhafte hat es leichter, uns von seiner Gegenwart zu überzeugen.

Mag sein, dass dies einer der Gründe ist, warum sich in Sozialen Netzwerken hartnäckig Meinungen halten, die die Existenz des Coronavirus schlicht leugnen. Wir räumen mit einigen falschen Thesen aus dem Netz auf.

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Das Virus gibt es gar nicht. Seine Existenz wurde nie nachgewiesen.

Das ist (leider) falsch. Die Existenz des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 wurde bereits im Februar 2020 in wissenschaftlichen Publikationen beschrieben, nachzulesen ist dies unter anderem im Fachmagazin The Lancet im Februar 2020 und im Journal of Korean Medical Science. Seitdem gelang es Forschern auf der ganzen Welt, das Virus zu isolieren, unter anderem auch am Institut für Virologie des Düsseldorfer Universitätsklinikums. „Das Coronavirus ist heute 100.000-fach aus Patientenabstrichen isoliert und in Zellkulturen kultiviert“, bestätigt Hartmut Hengel, Virologe und Professor am Institut für Virologie der Freiburger Universitätsklinik.

Nicht eindeutig geklärt ist tatsächlich bis heute der genaue Ursprung des Virus. Die bisher unter Wissenschaftlern wahrscheinlichste These besagt, dass es sich um eine Zoonose handelt, also den Artensprung vom Tier auf den Menschen. Eine neue Studie des Biologen Michael Worobey von der Universität von Arizona untermauert diese Theorie. Er analysierte die Zeitleiste bis zum ersten Ausbruch und ermittelte in seiner Studie (veröffentlicht im Magazin Science) eine Meeresfrüchtehändlerin auf einem Markt im chinesischen Wuhan als mögliche Patientin Null. Dies berichteten mehrere Medien, unter anderem Spiegel.de. Damit würde die zweite Theorie, dass das Virus Ergebnis eines Laborexperiments ist, unwahrscheinlicher.

Es gibt keinen validierten Testnachweis für Sars-CoV-2.

Doch, den gibt es. Als anerkannter Goldstandard zum Nachweis von Sars-CoV-2 gilt die Polymerase-Ketten-Reaktion, kurz PCR. Dieses Verfahren weist das genetische Erbgut von Sars-CoV-2 im Labor nach. Hengel: „Die PCR definiert zweifelsfrei den Infektionsfall beim Menschen.“ Darüber hinaus werde heute weltweit auch das komplette Genom von Sars-CoV-2 regelmäßig nachgewiesen. „So lassen sich mögliche molekulare Veränderungen und die Entstehung neuer Varianten beobachten“, sagt Hengel. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hat übrigens den PCR-Test für das Coronavirus in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungsinstituten mitentwickelt. In groß angelegten Validierungsstudien mit echten Patientenproben wurde das Verfahren immer weiter optimiert. Detalliert erklärt Christian Drosten den ganzen Entwicklungsprozess des PCR-Verfahrens für Sars-CoV-2 in seinem NDR-Podcast.

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Covid wurde isoliert, Covid-19 aber nicht

Hier wurden Begriffe verwechselt: Covid oder Covid-19 nennt man die Krankheit, die das Coronavirus auslöst und an der bereits Millionen Menschen weltweit erkrankt und gestorben sind. Eine Krankheit kann man nicht isolieren, nur diagnostizieren und therapieren. Das Virus selbst heißt Sars-CoV-2.

Alle Impfstoffe gegen das Coronavirus sind Totimpfstoffe.

Nein. In der Europäischen Union zugelassen sind bisher zwei mRNA-Impfstoffe und zwei Vektorimpfstoffe. Beide schleusen letztlich den Bauplan für das Spike-Protein des Coronavirus in die Zelle ein und aktivieren so deren Immunantwort. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Coronaviren beziehunsgweise inaktive Partikel von Coronaviren. Zugelassen ist bisher keiner davon in der EU. Hersteller Novavax hat die Zulassung für seinen Totimpfstoff aber bereits beantragt.

Totimpfstoffe enthalten auch das Spike-Protein. Es ist also das gleiche, nur in anderer Verpackung.

Für eine potente Immunantwort gegen das Coronavirus ist das Spike-Protein zwingend erforderlich. Es ist das entscheidende Antigen für die Stimulierung der Immunabwehr und für die Bildung neutralisierender Antikörper. „Es kann keinen Corona-Impfstoff ohne das Spike-Protein geben“, sagt Hengel. Zu den Unterschieden der Impfstoffarten: siehe oben.

Impfstoffe enthalten gefährliche Substanzen, zum Beispiel in Nanopartikel verpacktes Aluminium.

Hier geht einiges durcheinander. Impfstoffe können sowohl Nanopartikel enthalten als auch Aluminiumsalze. Nanopartikel sind in den neuen mRNA-Impfstoffen. Sie umhüllen dort die Nukleinsäure, also die Erbsubstanz von Sars-CoV-2, und transportieren sie in die Zellen. Aluminiumsalze werden seit Jahrzehnten in Impfstoffen als Wirkverstärker genutzt. Die enthaltenen Mengen sind minimal und laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weitaus geringer als die Menge an gebundenem Aluminium, die wir täglich über die Luft, Trinkwasser oder etwa die Nahrung aufnehmen. „Es sind keine wissenschaftlichen Analysen bekannt, die eine Gefährdung von Kindern oder Erwachsenen durch Impfungen mit aluminiumhaltigen Adjuvanzien zeigen“, schreibt das PEI. Aluminiumsalze sind aber keine Nanopartikel, sondern größer. Die Totimpfstoffe enthalten Aluminiumsalze, aber keine Nanopartikel; bei den mRNA-Impfstoffen ist es umgekehrt.

Ohne Virus kann es auch keinen Impfstoff geben

Wer an dieser Stelle noch immer glaubt, dass es das Coronavirus nicht gibt, braucht ein Elektronenmikroskop oder gute Kontakte zu Virologen, die es vor ihren Augen im Labor aus Patientenmaterial nachweisen können. „Es gibt das Virus, es ist nachgewiesen, und es ist die Basis für die Impfstoffe“, so Virologe Hartmut Hengel. „Sollen sich etwa alle Virologen der Welt irren?“