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Nizza: 3 Tote und Verletzte bei Messerangriff - Staatsanwaltschaft prüft Terrorverdacht

Staatsanwaltschaft prüft Terrorverdacht : Drei Tote und Verletzte bei Messerangriff nahe Kirche in Nizza

Bei einer Messerattacke in Nizza sind nach Angaben der Polizei drei Menschen getötet und weitere verletzt worden. Ein Angreifer wurde festgenommen. Ein terroristischer Hintergrund soll geprüft werden. Derweil rief Frankreich die höchste Terrorwarnstufte aus.

Bei einer Messerattacke in der Basilika Notre-Dame in Nizza sind am Donnerstagmorgen drei Menschen getötet worden, zwei Frauen sowie der Aufseher der Kirche. Weitere Personen seien verletzt, heißt es nach Polizeiangaben. Der Täter sei gefasst und vernommen worden. Er sei von Kugeln verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Zwei der Morde ereigneten sich demnach in der Kirche; das dritte Opfer befand sich in einer Gaststätte vor der Basilika. Die Polizei riet, den Bereich zu meiden. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, schrieb am Donnerstag auf Twitter: „Alles deutet auf einen Terroranschlag im Umfeld der Basilika Notre-Dame von Nizza hin.“ Die Polizei hatte zuvor in einer ersten Bilanz von einem Toten und mehreren Verletzten gesprochen.

Der mutmaßliche Täter wurde nach Angaben des Bürgermeisters festgenommen. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin kündigte auf Twitter eine Krisensitzung des Kabinetts an, Regierungschef Jean Castex verließ dafür die laufende Parlamentsdebatte über den neuen Lockdown. Anschließend hat Frankreich die höchste Terror-Warnstufe ausgerufen. Sie gilt landesweit, wie Regierungschef Jean Castex am Donnerstag in Paris mitteilte. Castex verurteilte die „ebenso feige wie barbarische Tat, die das ganze Land in Trauer versetzt“.

Nach dem Messerangriff hat die französische Antiterror-Staatsanwaltschaft den Fall an sich gezogen. Ermittelt werde wegen „Mordes und Mordversuchs im Zusammenhang mit einer terroristischen Tat“, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Bürgermeister Christian Estrosi sagte, der mutmaßliche Täter habe mehrfach „Allahu Akbar“ gerufen. Auf Bildern französischer Medien war zu sehen, wie die Polizei die Umgebung des Tatorts abriegelte. Rettungswagen waren im Einsatz. Explosionen waren zu hören: Spezialkräfte der Polizei sprengten verdächtige Gegenstände. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte nach Angaben seines Büros nach einer Sitzung des Pariser Krisenstabs nach Nizza reisen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen

Die katholische Kirche in Frankreich zeigte sich entsetzt von der „unsäglichen Tat“. Christen dürften nicht „zum symbolischen Schlachtopfer werden“, forderte die Bischofskonferenz.

Der Präsident des Europaparlaments David Sassoli zur Geschlossenheit aufgerufen. „Wir haben die Pflicht, zusammen gegen Gewalt und gegen diejenigen zu stehen, die aufhetzen wollen und Hass verbreiten“, schrieb der Italiener am Donnerstag auf Twitter. Er sei schockiert und traurig über die Nachrichten aus Nizza. „Dieser Schmerz wird von uns allen in Europa gefühlt.“ EU-Ratschef Charles Michel versicherte Frankreich und den Franzosen ebenfalls seine Solidarität. Seine Gedanken seien bei den Opfern der „entsetzlichen Attacke“ und ihren Angehörigen. „Ganz Europa ist bei euch“, schrieb der Belgier auf Twitter.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Kanzlerin <a href="https://twitter.com/hashtag/Merkel?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Merkel</a>: „Ich bin tief erschüttert über die grausamen Morde in einer Kirche in <a href="https://twitter.com/hashtag/Nizza?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Nizza</a>. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Ermordeten und bei den Verletzten. Der französischen Nation gilt in diesen schweren Stunden Deutschlands Solidarität.“</p>&mdash; Steffen Seibert (@RegSprecher) <a href="https://twitter.com/RegSprecher/status/1321771606054735873?ref_src=twsrc%5Etfw">October 29, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) mit europäischen Kollegen beraten. Sie kündigte ein Gespräch mit dem französischen Justizminister Éric Dupond-Moretti, weiteren europäischen Justizministern sowie der Brüsseler EU-Kommission für Freitag an. „Ich bin schockiert über die Nachricht von einem weiteren schrecklichen Verbrechen in Frankreich und verurteile diese Tat aufs Schärfste“, erklärte Lambrecht am Donnerstag in Berlin. „All unsere Solidarität und Anteilnahme gilt unseren französischen Freunden.“

Das türkische Außenministerium hat die Messerattacke im französischen Nizza scharf verurteilt. Es gebe nichts, dass Gewalt und das Töten von Menschen rechtfertige, teilte das türkische Außenministerium am Donnerstag mit. Menschen, die derartig brutale Angriffe an einem solch heiligen Ort verübten, hätten keine religiösen, humanitären oder moralischen Werte. Man stehe solidarisch mit den Menschen in Frankreich gegen Terror und Gewalt, hieß es.

Auch in der Nähe der südfranzösischen Stadt Avignon hat es einen mutmaßlich islamistischen Angriff auf Passanten gegeben. Zudem ist ein Wachmann des französischen Konsulats im saudiarabischen Dschidda ist bei einem Messerangriff verletzt worden. Einzelheiten zu den Vorfällen lesen Sie hier.

In Frankreich hatte zuletzt ein mutmaßlicher Islamist einen Geschichtslehrer auf brutale Weise ermordet. Der Fall sorgte für große Bestürzung im Land. Nizza wurde bereits 2016 von einem Terroranschlag erschüttert, dabei starben 86 Menschen.

(ahar/lha/afp/dpa/reuters/kna)