APX zeigt Anfänge der Globalisierung

Xanten : Die Anfänge der Globalisierung

Wie entstanden Handel und Wirtschaft am Niederrhein? Dem geht eine neue Sonderausstellung im Römer-Museum im Archäologischen Park Xanten nach.

Datteln aus Ägypten, Marmor und Wein aus Rom, Bernstein aus dem Baltikum, Austern aus Südengland, Feigen aus Syrien. Kaum ein Weg war zu weit, um den römischen Soldaten das Leben in Xanten so gut es ging zu versüßen. Entsprechend groß und weit verzweigt war das Handelsnetz, das die Römer schon zu Zeiten vor Christi Geburt aufgebaut hatten. Die feinen Waren kamen per Schiff an den Niederrhein, geschäftiges Treiben herrschte damals im Xantener Hafen, in dem die Waren aus allen Winkeln des römischen Reichs umgeschlagen wurden.

Doch wie sind Wirtschaft und Handel hier in der Region entstanden? Wie gelang es, die Güter aus dem Orient oder dem Mittelmeerraum bis nach Xanten zu bringen? Wie waren die römischen Handelswege strukturiert? Diesen Fragen geht die neue Sonderausstellung „Warenwege – Warenflüsse. Handel, Logistik und Transport am römischen Niederrhein“ nach, die bis zum 25. November im Römer-Museum im Archäologischen Park Xanten (APX) besucht werden kann.

Erarbeitet hat diese Ausstellung Dr. Christoph Eger, der seit 2015 für den APX arbeitet und unter anderem am Institut für prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin als Privatdozent lehrt. „Die Vorbereitung hat knapp zwei Jahre in Anspruch genommen und war durchaus eine logistische Herausforderung“, erklärt der Prähistoriker. Denn einige der Ausstellungsobjekte sind von insgesamt 18 europäischen Museen ausgeliehen, darunter eine über 800 Kilogramm schwere Grabstele, die aus Österreich nach Xanten transportiert werden musste. Gemeinsam mit Architektin Dorien Wulff entwickelte er Inhalt und Struktur der Ausstellung, die nun auf rund 300 Quadratmetern in die Handelsgeheimnisse des römischen Reiches einführt.

Eine Nachbildung der Kaimauer, wie sie zur Zeit der Römer im Xantener Hafen errichtet war, ist ebenfalls zu betrachten. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

„Grundsätzlich muss man festhalten, dass das Militär entscheidenden Anteil an der Entwicklung des Handels hatte. Die Soldaten hatten Bedürfnisse, wollten auf Produkte aus ihrer Heimat nicht verzichten. Darüber hinaus spielte natürlich auch der Rhein eine wichtige Rolle, der schon damals als Handelsroute genutzt wurde. Aber auch erste Fernstraßen wurden errichtet.“ Daher befasst sich die in vier Abschnitte aufgeteilte Ausstellung nicht nur mit den gehandelten Waren und den Handelswegen, sondern beleuchtet auch die Geschichte der Händler und Personen, die in diesem Netzwerk aktiv waren.

Zeitgleich hat Museumspädagoge Stephan Quick ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung erarbeitet. „Wir bieten offene Führungen für Erwachsene und Familien mit Kindern an, nehmen aber auch Buchungen von Gruppen entgegen.“ Darüber hinaus gibt es Mitmachaktionen und Ferienprogramme für Kinder. „Außerdem haben wir einen Museumsrucksack zusammengestellt, mit dem Familien mit Kindern die Geschichte des Handels in der antiken Stadt auf eigene Faust entdecken können. Darin enthalten sind einige Rätsel und hilfreiche Gegenstände, um die Ausstellung ganz genau unter die Lupe nehmen zu können“, erläutert Quick.

Christoph Eger hat die Sonderausstellung in zwei Jahren Vorbereitungszeit konzipiert. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Zudem zeigen Nachbauten in einem Pavillon und in der Werft des APX die Fuhrwerke und Schiffe, mit denen die Waren an den Niederrhein gebracht wurden. Besucher können an einer interaktiven Medienstation aber auch selbst in die Rolle eines Händlers schlüpfen und versuchen. Verschiedene Vorträge runden das Begleitprogramm ab. Ein 688 Seiten starker bebilderter Begleitband zur Ausstellung ist ebenfalls erhältlich (29,90 Euro).

Führungen werden samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils um 13 Uhr angeboten, Führungen für Familien zusätzlich an jedem Freitag in den Ferien, ebenfalls um 13 Uhr. Mehr Infos unter www.apx.lvr.de

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