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Wie der Niersverband das Wasser veredelt

Investitionen rund um die Niers : Wie der Niersverband das Wasser veredelt

Der Verband investiert viel, um die Niers zu renaturieren und in ausgebauten und erneuerten Kläranlagen das Abwasser besser zu reinigen.

Im Mönchengladbacher Bresgespark haben in der vergangenen Woche Baumfällungen begonnen. Damit laufen die Bauarbeiten für ein wichtiges Hochwasserschutzprojekt: Die Kostenpflichtiger Inhalt Niers wird dort renaturiert, aus ihrem beinahe schnurgeraden Verlauf geholt und in Schleifen durch den Park geführt. Ringsherum entsteht ein Auenwald, der als Retentionsraum für Wasser dient. 8,5 Millionen Euro kostet das Projekt, mit dem der Niersverband seine Strategie fortsetzt: Der namensgebende Fluss soll wieder natürlicher werden.

Denn die Niers hat ein großes Problem: Der Fluss wurde zwischen 1930 und 1975 in praktisch seinem gesamten Verlauf am Niederrhein begradigt, was die Länge auch deutlich verkürzt hat. Das Ziel war, die umliegenden Flächen, die bis dahin bei Hochwasser regelmäßig überflutet waren, für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Die Niers verläuft über 108 Kilometer in Deutschland und fünf Kilometer in den Niederlanden, bevor sie in die Maas mündet. Heute weiß man, dass die Begradigung keine so gute Idee war. „Die Niers war biologisch wirklich tot“, sagt Dietmar Schitthelm, Vorstand des Niersverbands.

Renaturierung des Flusses, Reinigung des Abwassers – alles dient einem Ziel: „Wir veredeln das Nierswasser“, sagt Verbandsvorsteher Rolf Königs. Dabei geht es vor allem darum, die Fließgeschwindigkeit zu verringern und damit den Lebensraum für insbesondere Kleinstlebewesen zu verbessern, aber auch Fische und Wasserpflanzen profitieren davon. 12,5 Prozent der gesamten Nierslänge wurden bisher umgestaltet, weitere sechs Prozent folgen in den kommenden Jahren. Durch das Mäandern wird die Niers immer länger. Der Hauptlauf soll am Ende 7,7 Kilometer länger sein als vorher, davon sind knapp zwei Kilometer bereits umgesetzt.

Mit der Maßnahme in Mönchengladbach, ein ähnliches Projekt mit der naturnahen Umgestaltung im Fritzbruch in Viersen-Süchteln und durch eine bessere Klärung von Abwasser hat sich die Gewässergüte in den vergangenen Jahren schon deutlich verbessert. Das macht sich auch bei Wasserpflanzen und Fischen bemerkbar. Und trotzdem stehen in den Kläranlagen des Verbands erhebliche Umbauten an. Denn die Stoffe und Rückstände im Wasser, die dort nicht hingehören, mehren und verändern sich: Mikroplastik (Kleidungsfasern, Kosmetika, Reifenabrieb), Spurenstoffe (Arzneimittel, Antibiotika, Industriechemikalien, insbesondere das Schmerzmittel Diclofenac) und Mikroorganismen (antibiotikaresistente Keime, Viren, Bakterien, Legionellen) mehren sich im Abwasser, können von den Anlagen aber nicht entfernt werden.

Bisher gibt es in den Klärwerken (so auch in Mönchengladbach-Neuwerk) bis zu drei Reinigungsstufen: In der ersten, der mechanischen Stufe, werden Feststoffe aus dem Abwasser entfernt. In der zweiten Stufe wird das Wasser biologisch gereinigt, anschließend belebt und nachgeklärt. Dann wird das geklärte Wasser in die Niers geleitet. Um die neuen Verunreinigungen auch entfernen zu können, sind zwei weitere Stufen notwendig: In einer Membranfiltration, in der Aktivkohlefiltration und in der UV-Behandlung werden Spurenstoffe und Keime entfernt.

Das will der Niersverband in der vergleichsweise kleinen Kläranlage Nette in Breyell erproben. Die soll ab 2023 für geschätzt 75 Millionen Euro neu gebaut werden, damit anschließend darin wissenschaftliche Erkenntnisse über die neuen Klärstufen gesammelt werden. „Wir wollen wissen, wie sich der Zustand im Gewässer ändert und wir wollen in dem Prototypen Erfahrungen mit den neuen Stufen sammeln“, sagt Schitthelm.

Mittel- bis langfristig sind die zusätzlichen Reinigungsstufen auch in der deutlich größeren Anlage Neuwerk geplant, deren Arbeit Auswirkungen auf die Gewässergüte nahezu der gesamten Niers hat. Aber auch so stehen in Neuwerk in den kommenden sieben Jahren Investition von mehr als 100 Millionen Euro an. Die Anlage ist in Teilen mehr als 80 Jahre alt. Unter anderem die mechanische Stufe soll neu gebaut werden.

Grundsätzlich stehen viele Investitionen an, weil ein großer Teil des Bestands überaltert ist. „Wir müssen jedes Jahr 45 Millionen Euro investieren, um den Bestand zu erhalten“, sagt Vorstand Dietmar Schitthelm. „Aber alles andere wird für den Gebührenzahler die schlechtere Lösung sein. Später handeln war noch nie preiswerter.“