1. NRW
  2. Städte
  3. Willich

Mordprozess in Krefeld: Mann aus Willich soll Freund erstochen haben

Willicher soll „Kumpel“ ermordet haben : „Ich bin doch kein Mörder!“

Ein Mann aus Willich attackiert einen ehemaligen Freund mit Hammer und Messer, bis dieser stirbt. Nun muss er sich im Prozess in Krefeld verantworten. Der mutmaßliche Täter kann sich nach eigenen Angaben an die 30 Messerstiche nicht erinnern.

Das Krefelder Landgericht, Zweite Große Strafkammer, eröffnete am Mittwoch den Prozess gegen einen 55-jährigen Mann aus Willich. Dem Angeklagten wird Mord vorgeworfen. Konkret soll der Beschuldigte im August 2018, gegen 2 oder 3 Uhr nachts, in den Keller eines Hauses in Willich eingedrungen sein. Im Souterrain habe sich der Wohn- und Schlafraum eines 59-jährigen Mannes befunden, mit dem der 55-Jährige bis etwa Februar 2017 befreundet war. Laut Anklageschrift soll der Eindringling sodann „unter bewusster Ausnutzung eines Überraschungsmoments in Tötungsabsicht“  mit einem Taschenmesser auf den Bewohner des Kellerraums eingestochen haben. Dabei seien dem Geschädigten multiple Stich- und Schnittverletzungen zugefügt worden, an denen der Mann noch am Tatort starb.

Der Willicher auf der Anklagebank sagte aus, dass er den Getöteten „einige Jahre“ gekannt habe und er zunächst ein guter Kumpel gewesen sei. „Nach einer gemeinsamen Reise im Februar 2017 haben wir uns aber zerstritten“, ergänzte der Beschuldigte. In den darauf folgenden Monaten sei sein ehemaliger Kumpel dann bei diversen Begegnungen „gemein“ zu ihm gewesen, habe ihn ständig bedroht und beleidigt. Der 59-Jährige habe ihn seiner Ansicht nach provozieren wollen. Er sei deswegen wütend gewesen, habe sich aber nie dazu hinreißen lassen, den anderen körperlich anzugreifen. In der Tatnacht sei er aufgebracht gewesen, fuhr der Beschuldigte fort, habe Heroin geraucht und sich dann entschlossen, den 59-Jährigen aufzusuchen, um mit ihm „Tacheles zu reden“. Er führte zwei Waffen mit, ein Taschenmesser sowie einen selbst angefertigten Hammer. Diese Gegenstände habe er immer mitgenommen, wenn er unterwegs war, gab er an.

  • Krefeld : Mann mit Taschenmesser verletzt
  • Das Landgericht Krefeld.⇥ARCHIVFOTO: TL
    Gericht : Prozess um Karten-Betrug in Willich
  • Gericht : Prozess um Paket-Diebstahl in Willich

In der unverschlossenen  Kellerwohnung des Geschädigten traf er diesen an, und es sei direkt zum Streit und anschließend zu einer Rangelei gekommen. Dabei habe der Beschuldigte auch den mitgebrachten Hammer eingesetzt, bis der ihm aus der Hand fiel. Er wisse noch, dass er danach sein Taschenmesser aus der Hosentasche gezogen, aber nicht mehr, dass er damit mehrmals zugestochen habe.

„Plötzlich stand die Mutter des Mannes, die in der Etage über ihm wohnt, im Türrahmen“, ergänzte der Angeklagte. Daraufhin sei er geflohen. Am nächsten Tag habe er sich bei der Polizei gestellt. „Ich konnte gar nicht glauben, dass der Mann tot war und dass ich, wie man mir sagte, 30 Mal oder so zugestochen habe. Ich bin doch kein Mörder!“, meinte der 55-Jährige abschließend.

Die 92-jährige Mutter des Geschädigten, die (mit Anwältin) auch als Nebenklägerin auftritt, sagte im Zeugenstand aus, dass sie erschüttert gewesen sei, ihren Sohn so vorzufinden. „Da war enorm viel Blut“, erklärte sie. Vorher sei sie auf den Beschuldigten gestoßen, der ihr  ins Gesicht gefasst habe  – „wohl, um mich wegzudrücken.“

Der Prozess wird am Freitag, 1. Februar, 9.15 Uhr, fortgesetzt.