Wermelskirchen: Verbot der Jogginghose? Die Kleiderordnung von Gymnasium und Sekundarschule

Kleiderordnung in Wermelskirchen : „Die Jogginghose gehört nicht auf den Schulhof“

Die erste Schule in NRW hat den Schlabberlook verboten. Auch hier ist das Outfit an Gymnasium und Sekundarschule nicht gerne gesehen.

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ So lautet eines der berühmtesten Zitate des im Februar verstorbenen Modeschöpfers Karl Lagerfeld. Diese Einstellung hat jetzt eine Realschule in Bad Oeynhausen übernommen und das Tragen von Jogginghosen in der Schule offiziell verboten. Auch an den weiterführenden Schulen in Wermelskirchen ist der Schlabberlook nicht gern gesehen.

„Die Jogginghose gehört in die Sporthalle, nicht auf den Schulhof“, sagt Dietmar Paulig, Leiter der Sekundarschule. Dort kämen Schüler immer mal wieder in Jogginghosen in die Schule. Für Paulig steckt dahinter eine Aussage. „Nimmt so jemand die Schule wirklich ernst?“, fragt Paulig. Ein offizielles Verbot gibt es in der Sekundarschule zwar nicht, aber eine Kleiderordnung. „Wir wollen nichts verbieten, sondern einen Rahmen vorgeben“, erklärt Paulig. In der Kleiderordnung heißt es: „Sportliche Kleidung ist ok, aber wir laufen nicht im Trainingsanzug oder Jogginghose herum.“ Das werde so auch von den Schülern unterstützt – die SV habe an der Kleiderordnung mitgearbeitet und diese abgenickt.

Und was passiert, wenn Schüler trotzdem in Jogginghose zur Schule kommen? „Dann sprechen wir sie an“, sagt Paulig. Die Gespräche, die er bisher geführt hat, seien sehr nett verlaufen. Die Schüler hätten Verständnis gezeigt. „Manche haben beim Griff in den Kleiderschrank am Morgen einfach nicht nachgedacht“, sagt Paulig.

Am Gymnasium gibt es keine Kleiderordnung. „Das Thema Jogginghose war hier bisher kein Konfliktthema“, sagt Schulleiterin Elvira Persian. Vereinzelt kämen Schüler in Jogginghosen zur Schule – vor allem bei Klausuren. „Das ist für die anscheinend bequemer“, sagt Persian. Grundsätzlich sei die Jogginghose für den Schulalltag zwar eher unpassend, man habe sich aber bewusst dafür entschieden, keine klare Regelung zu treffen. „Wir haben den Eindruck, dass das nur Einzelfälle sind, die sich meist von selbst lösen“, erklärt Persian. Entweder schreiten Eltern ein oder die Schüler machen sich untereinander auf den für die Schule eher unpassenden Schlabberlook aufmerksam.

Doch warum ziehen Schüler überhaupt Jogginghosen im Unterricht an? Dahinter steckt der Modetrend „Athleisure“ – zusammengesetzt aus „athletic“ (sportlich) und „leisure“ (Freizeit). Dabei geht es darum, sportliche Kleidung auch im Büro und Alltag zu tragen. Für Persian sind die Jogginghosen nach Schnitt kaum noch von normalen Hosen zu unterscheiden. „Die Mode ist heute halt so“, sagt Persian. Drastischer formuliert es Paulig: „Ich halte das für unangemessen, auch wenn es ein Modetrend ist.“

Für die Schule ebenfalls unangebracht seien auch andere Looks – etwa bauchfreie Oberteile oder hautenge Leggins. „Besonders diese knallengen Leggins waren bei uns schon ein Problem“, sagt Paulig. Deshalb wurde in der Kleiderordnung festgelegt: „Leggins sind ok, aber wir ziehen eine kurze Hose, einen Rock oder ein langes Oberteil darüber.“ Zum Thema bauchfreie Oberteile heißt es „Bauchnabel und Unterwäsche bleiben bedeckt“. Außerdem verpflichten sich die Schülerinnen in der Kleiderordnung dazu, keine tiefen Ausschnitte zu zeigen. Wenn sich jemand nicht daran hält, werde wieder das Gespräch gesucht. Einzige Ausnahme: der Sportunterricht. Dort sind bauchfreie Oberteile verboten. Bei Zuwiderhandlung werden Schülerinnen zum Umziehen geschickt oder dürfen nicht mitmachen.

Am Gymnasium werde auch ohne Kleiderordnung auf den Kleidungsstil der Schüler geachtet. Etwa, dass die Röcke nicht zu kurz werden oder niemand bauchfrei zur Schule kommt. Solche Vorkommnisse seien allerdings selten. „In diesen Einzelfällen sprechen wir die Schülerinnen darauf an“, sagt Persian. Eine Kleiderordnung sei glücklicherweise noch nicht notwendig.

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