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Wermelskirchen: Tierheim vermittelt mehr Hunde in der Corona-Krise

Ein Vierbeiner gegen das Alleinsein : Corona-Krise: Auf den Hund gekommen

Während des Shutdowns stieg die Nachfrage nach Hunden. „weil die Leute mehr Zeit hatten“, sagt Günter Leuerer, Vorsitzender des Tierschutzvereins und Betriebsleiter des Tierheims am Aschenberg. Er warnt vor dubiosen Händlern.

Der wochenlange Shutdown während der Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass der eine oder andere buchstäblich auf den Hund gekommen ist. Bundesweit verzeichneten Hundezüchter eine ungeheure Nachfrage nach knuffigen Welpen, auch im Tierheim in Wermelskirchen schauten mehr Interessierte als üblich vorbei, um dort vielleicht einen vierbeinigen Freund zu finden. „Wir hatten großen Zulauf während des gesamten Shutdowns und haben deutlich mehr Hunde vermitteln können als normalerweise“, sagt Günter Leuerer, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins und Betriebsleiter des Tierheims am Aschenberg. „Wahrscheinlich wären es noch mehr gewesen, wenn noch mehr Hunde zur Vermittlung bei uns im Heim gewesen wären.“

Die Gründe, warum so viele Menschen sich plötzlich für eine Fellnase entschieden haben, liegen für ihn auf der Hand: „Grundsätzlich haben die Leute durch die Corona-Krise eine neue Einstellung zu Tieren und zur Natur bekommen“, sagt er. „Und dann hatten plötzlich viele die Möglichkeit und auch die Zeit, sich um einen Hund zu kümmern und ihn zu sozialisieren.“ Bei aller Freude, noch mehr Tieren ein neues Zuhause schenken zu können, hat er bei der Vermittlung aber eins nie aus den Augen verloren: „Die Umstände müssen stimmen. Wer einen Hund bei sich aufnimmt, muss sich bewusst sein, dass es nicht nur für vier Wochen ist.“

Doch gerade in Corona-Zeiten, wo die Einsamkeit durch das Kontaktverbot einigen schwer zu schaffen gemacht hat, war das nicht immer leicht: „Da kommen dann einsame Menschen, die was fürs Herz suchen und nicht über die Konsequenzen nachdenken, die es mit sich bringt, wenn man sich um ein Tier kümmern muss“, erzählt Günter Leuerer. Er habe mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, wer es mit den Pflichten als Hundebesitzer ernst nimmt und wer „kurzentschlossen ist, weil es gerade passt, aber nicht wirklich nachgedacht hat. Wir sind es den Tieren aber schuldig, dass wir neue Besitzer finden, die es auch ernst mit ihnen meinen.“

Die Sehnsucht nach einem treuen Begleiter in schweren Zeiten ist auch beim Deutschen Tierschutzbund in NRW bekannt: „Es ist zu befürchten, dass sich viele Menschen vorschnell und unüberlegt ein Tier angeschafft haben – im Zoofachhandel, beim Züchter oder im schlimmsten Fall über dubiose Angebote von Tieren, die aus illegalem Handel stammen“, sagt Pressereferentin Lea Schmitz.

Dass unseriöse Händler die Corona-Krise ausnutzen, bestätigt Dr. Ralf Unna, Pressesprecher des Landestierschutzverbandes NRW. „Die Fälle häufen sich. Ich hatte in den letzten Wochen mehr Welpen aus dem Ausland in der Praxis, die sehr krank waren.“

„Hundevermehrer“ nennt Günter Leuerer die Händler, die Welpen aus Massenzüchtungen aus dem osteuropäischen Ausland nach Deutschland bringen und hier aus dem Kofferraum heraus an jeden x-beliebigen Interessenten verkaufen. „Das sind Verbrecher“, sagt er wütend. Denn die Verkäufer würden nicht auf das Tierwohl achten und schon gar nicht darauf, ob der Interessent sich Gedanken über die Zukunft mit dem Tierchen gemacht hat. Mit fatalen Folgen, wie Lea Schmitz weiß: „Über kurz oder lang könnten die Hunde dann lästig werden und im Tierheim landen.“ Im schlimmsten Fall würden einige auch ausgesetzt, wenn sie nicht mehr klein und niedlich, sondern groß und zeitaufwendig sind.

Konkrete Zahlen über ausgesetzte Vierbeiner liegen dem Tierschutzbund noch nicht vor: „In diesem Jahr verreisen die Menschen weniger oder fahren nicht so weit weg, dass der Urlaub mit Tier besser planbar ist. Aber das wird sich noch zeigen.“

Im Tierheim Wermelskirchen ist zu Beginn der Sommerferien noch kein Hund abgegeben worden, sagt Günter Leuerer. Allerdings räumt er ein: „Diesen illegalen Verkäufern muss man das Leben erschweren. Deshalb nehmen wir keine Abgabetiere auf, die sich dubiose Menschen über dubiose Wege in den sozialen Medien beschafft haben und dann loswerden wollen. Wir können das als privat geführte und finanzierte Einrichtung auch gar nicht leisten.“

Natürlich würde ein hilfloses Tier, das ausgesetzt wurde, bei ihnen Hilfe bekommen. „Vor allem“, so Leuerer, „zeigen wir den Halter an.“ Spuren der skrupellosen Menschen würde es immer geben. Laut Tierschutzgesetz ist das Aussetzen von Tieren verboten und kann mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro geahndet werden.

Die meisten Hunde und Katzen, die im Tierheim am Aschenberg auf Besitzer warten, die sich auf eine lange, gemeinsame Zeit mit ihnen freuen, kommen aus einer Tötungsstationen im Nordosten Rumäniens nach Wermelskirchen. „Aktuell haben wir 14 Hunde hier, die wir vermitteln können“, sagt Günter Leuerer. Seit einer Woche wartet der ungarische Hirtenhundmischling „Karli“ auf einen neuen Besitzer. Der große, achtjährige Rüde mit den treuen Augen, ist total lieb und artig, „aber beim Spazierengehen eher nichts für ganz zarte Persönchen“, sagt Leuerer.