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Lidl-Einbrüche in Wermelskirchen: Angeklagter gibt Tat zu

Auf frischer Tat ertappt : Angeklagter gibt zwei Einbrüche bei Lidl zu

Beim ersten von fünf Verhandlungstagen vor dem Kölner Landgericht zeichnete sich ab, dass es vor allem darum gehen wird, wie stark der Angeklagte an der Überwältigung des Wachmanns beteiligt war.

Wer von der Polizei auf frischer Tat ertappt wird, hat wenig Verhandlungsspielraum. Dass mit einer Verurteilung zu rechnen ist, betonte denn auch der Vorsitzende Richter beim ersten von insgesamt fünf angesetzten Verhandlungstagen am Landgericht Köln. Auf der Anklagebank: einer der Diebe, der Anfang des Jahres gleich zwei Mal in den Wermelskirchener Lidl-Discounter an der Thomas-Mann-Straße eingestiegen war – während der Umbauphase des Marktes und zuletzt kurz vor dessen Neueröffnung. Beim zweiten Einbruch überwältigte das Einbrecher-Duo obendrein einen Wachmann und fesselte ihn. Beim Versuch hochwertige Fernsehgeräte, die als besonders lukratives Neueröffnungs-Angebot die Kunden locken sollten, in einen Transporter zu verladen, schlug eine aufmerksame Polizeistreife zu.

Kaum war die Verhandlung mit Staatsanwaltschaft, Schöffen, Nebenkläger (Wachmann vertreten durch seinen Anwalt) sowie dem Rechtsanwalt des Beklagten eröffnet, wurde sie auch schon unterbrochen: Der Anwalt des beschuldigten 31-Jährigen bat um ein Rechtsgespräch. Nach einer halben Stunde stand fest: keine Einigung mit beispielsweise einer Aufhebung des Haftbefehls bis zur Urteilsverkündung.

Während der Angeklagte die Einbrüche und Diebstähle zwecks Hehlerei in seinen Einlassungen zugab, wird es in den kommenden Verhandlungstagen vor allem durch die Anhörung von Zeugen darum gehen, welchen Anteil der Angeklagte an der Überwältigung des Wachmannes hatte. „Wir wussten, dass es einen Wachmann gibt“, gestand der Beschuldigte ein und auch, dass er und sein Partner eigens an einer Tankstelle Kabelbinder besorgt hatten, die als Handfesseln zum Einsatz kommen sollten.

Weiterhin schilderte der Angeklagte mit deutscher Staatsangehörigkeit, dass er beim ersten Einbruch mit einem Mittäter zwei Brotback-Automaten, eine Brotschneide-Maschine und eine Küche, die zu seiner eigenen Verwendung gedacht gewesen sei, aus dem Lidl-Markt gestohlen habe. Der Mittäter des ersten Einbruchs sollte auch den zweiten Einbruch mitmachen, bekam jedoch kurz vorher „kalte Füße“. Der Beklagte überzeugte dann einen Bekannten – dieser habe letztlich den Wachmann gefesselt und bewacht, während er die Fernseher in den geliehenen Transporter verladen habe: „Ich habe anfangs dem Wachmann lediglich seine Kapuze über das Gesicht gezogen.“ Damit wies der Beklagte von sich, etwas mit blau-grünen Verfärbungen am Brustkorb des Wachmannes, von denen die Anklageschrift spricht, zu tun zu haben: „Ich wollte nicht, dass der Wachmann zu Schaden kommt.“

Seit seiner Verhaftung am Lidl-Markt Ende Januar sitzt der Beklagte in Untersuchungshaft. Wegen Verdunkelungsgefahr darf er von dort nur mit seiner Mutter, die nur gut Polnisch spricht, telefonieren – unter Mitwirkung eines Dolmetschers. „Wir haben heute die Hosen heruntergelassen“, stellte der Rechtsanwalt des Angeklagten fest und bat im Gegenzug für seinen Mandanten: Zum einen, dass er ohne Dolmetscher mit seiner Mutter telefonieren dürfe, weil die Beschaffung eines Dolmetschers schwierig sei, und zum anderen mit seiner Lebensgefährtin telefonieren dürfe, was ihm bislang gänzlich untersagt sei. Die Staatsanwältin wollte auf den Dolmetscher nicht verzichten und stellte sich neutral zum zweiten Teil der Anfrage. Die Kammer des Gerichts wird in den nächsten Tagen über die Genehmigung der Anträge beraten.