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Wermelskirchen: Auf dem Weg in den nächsten Stau

Ferienbeginn in NRW : Auf dem Weg in den nächsten Stau

Susanne und Jürgen Hamann sind für den ADAC als Stauberater im Einsatz. Sie bringen Tipps, Erfrischungen und Spiele für Kinder mit – auch zum Ferienbeginn an die Raststätte Remscheid auf Wermelskirchener Stadtgebiet.

An der Raststätte Remscheid herrscht Hochbetrieb. Lastwagenfahrer suchen nach Parkplätzen, Urlauber einen Ort zum Verschnaufen, und Motorradfahrer vertreten sich in der Hitze die Beine. In NRW haben die Sommerferien begonnen. Jetzt sind Susanne und Jürgen Hamann in ihrem Element. Mit ihren Motorrädern erreichen die beiden Samstagmittag zum Start der Urlaubszeit die Raststätte. Am Morgen haben sie die Staunachrichten gehört und sich auf den Weg gemacht – von Hürth auf den Kölner Autobahnring bis Wermelskirchen. „Wir fahren immer Richtung Stau“, sagt Jürgen Hamann. Gemeinsam mit Ehefrau Susanne ist er als Stauberater für den ADAC im Einsatz. Von den Osterferien bis zum Ende der Herbstferien pendeln sie mit den auffälligen gelben ADAC-Motorrädern auf den Autobahnen rund um Köln, um Autofahrer im Stau nicht alleine zu lassen.

„Wir machen oft Halt an Raststätten“, sagt Susanne Hamann, „und wenn wir einen Stau finden, der von einer Sperrung und langen Wartezeiten begleitet wird, dann nutzen wir unsere Sonderrechte.“ Die garantieren den Stauberatern, dass sie mit ihren Maschinen die Rettungsgasse nutzen und auf dem Seitenstreifen anhalten dürfen. Dann öffnen sie die großen Motorradkoffer, verteilen kalte Getränke an die Menschen in aufgeheizten Autos, rüsten Kinder mit Spielen für die lange Fahrt aus und bieten Kartenmaterial an. „Die Karten werden in Zeiten des Navigationssystems zwar seltener, aber immer noch gerne angenommen“, erzählt Susanne Hamann.

Für die Menschen in der Warteschlange auf Autobahnen und an Raststätten bedeutet der Besuch der Stauberater Abwechslung. „Wir kommen schnell ins Gespräch, und manchmal heitern wir die Stimmung auf“, erzählt der 50-Jährige. Auch an der Raststätte Remscheid verteilen sie kaltes Wasser, sprechen über Reiseziele und mögliche Routen – und eine Dame mit Panne spricht die beiden vorsichtig an. Da verweisen die Hamanns an die gelben Engel, rüsten die Frau mit der Telefonnummer aus und erklären den weiteren Vorgang. „Wir haben keine technische Ausrüstung dabei“, erklärt Jürgen Hamann, „das macht die Straßenwacht“. Eine Weile später erreicht das gelbe Einsatzfahrzeug die Raststätte. Genauso eines sei früher sein Vater gefahren, erinnert sich Hamann. Und dann erzählt der gebürtige Rheinländer von jenen Zeiten, als der ADAC zur Familiensache wurde. „Bei uns Zuhause war der ADAC immer präsent, unser Wohnzimmer fühlte sich manchmal wie eine ADAC-Geschäftsstelle an“, sagt der 50-Jährige und lacht, „ich wollte immer ein Teil davon werden.“ Und auch wenn er als Motoreningenieur andere berufliche Wege einschlug, entschied er sich vor 25 Jahren trotzdem, nebenberuflich Stauberater für den ADAC zu werden. Ein Jahr später begeisterte er auch Ehefrau Susanne. „Wir sind gerne unterwegs, fahren beide Motorrad und schätzen den ADAC“, sagt er, „da bot sich diese Aufgabe einfach an.“ Seitdem holen sie regelmäßig am Wochenende am Stützpunkt in Hürth die Maschinen, rüsten sie mit dem nötigen Material auf und machen sich auf den Weg. „Es ist eine schöne Erfahrung, helfen zu können“, sagt sie, „selbst wenn es nur darum geht, Kontakt zu den staugeplagten Menschen aufzunehmen.“ Nicht zuletzt wegen ihrer eigenen Erfahrungen auf deutschen Autobahnen bringen die beiden immer mal wieder auch Ideen für alternative Streckenführungen mit. „Wir sind Ansprechpartner für Menschen, die im Stau gestrandet sind und dienen hin und wieder auch als Blitzableiter“, sagt Susanne Hamann.

Auf aggressive Stimmungen seien sie bisher nicht getroffen. Ganz im Gegenteil: So klopften sie neulich kurz vor Köln an die Fensterscheibe eines gestrandeten Fahrzeugs am Straßenrand. „Zwei ältere Herren waren bei 34 Grad mit ihrem Auto liegen geblieben“, erzählt Jürgen Hamann. Also erinnerten die Stauberater erst mal freundlich an die Pflicht, das Warndreieck aufzustellen, teilten dann kaltes Wasser aus und berieten mit den Männern über das weitere Vorgehen. „Die Menschen sind dann einfach froh, dass jemand für sie da ist“, erzählt die Architektin, „und das motiviert uns für den Einsatz.“ Dann steigen die beiden wieder auf ihre Maschinen und machen sich auf den Weg in den nächsten Stau.