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Wermelskirchen: Die Selbsthilfegruppe informierte Folgen des Schlaganfalls

Aktionstag : Unsichtbare Folgen des Schlaganfalls

Die Wermelskirchener Selbsthilfegruppe informierte zum Aktionstag über Folgen des Schlaganfalls.

Wer mit Sabrina Kessler ins Gespräch kommt, der ahnt nicht, dass die junge Frau vor fünf Jahren einen Schlaganfall erlitten hat. Die Sprache ist fließend, die Bewegungen sind es auch. Und trotzdem hat jener Moment vor fünf Jahren ihr Leben verändert. Unsichtbare Spuren sind geblieben. Das merkt Sabrina Kessler zum Beispiel im Büro, wo sie sich eigentlich vertraute Arbeitsabläufe zuweilen erklären lassen muss. Oder wenn sie nach Hause kommt und fröhlich von Mann und Kind und vielen Fragen nach ihrem Tag empfangen wird. „Dann wird mir das manchmal ein bisschen viel“, sagt sie. Wie ihr geht es Tausenden: „Uns sind die Folgen des Schlaganfalls nicht anzusehen, aber wir kämpfen trotzdem mit Problemen.“

Ihnen widmete die Deutsche Schlaganfallhilfe gestern ihren Aktionstag. „Ich spüre was, was du nicht siehst“: Mit diesem Titel sollte der bundesweite Aktionstag auf genau jene Probleme im Alltag von Schlaganfallpatienten hinweisen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. „Wir wollen den Patienten und auch der Öffentlichkeit Mut machen, darüber zu sprechen“, erklärte Brigitte Hallenberg, Vorsitzende der Schlaganfallgruppe in Wermelskirchen. Pünktlich zum „Tag des Schlaganfalls“ hatte die Selbsthilfegruppe ihr Büro an der Remscheider Straße geöffnet, servierte Waffeln und Kaffee und wollte Ansprechpartner sein für Betroffene und Angehörige. „Ich habe selbst damals bei einem Tag der offenen Türe die letzte Hürde genommen und um Hilfe gebeten“, erzählt Andreas Zimmermann, der zum Aktionstag gekommen war. Genau deswegen sei es so wichtig, die Öffentlichkeit immer wieder einzuladen. „Wir bieten Betroffenen und Angehörigen ein offenes Ohr und dazu Rat und Tat“, sagt Brigitte Hallenberg.

Dass der Weg zur Selbsthilfegruppe nicht immer einfach ist, weiß Sabrina Kessler. Sie selbst brauchte Jahre, um nach Unterstützung zu fragen, die junge Gruppe der Schlaganfallpatienten zu besuchen und die Einladung zum Gespräch anzunehmen. „Ich muss mich überall erklären und rechtfertigen“, sagt sie, „aber hier nicht. Hier verstehen mich die Menschen.“ Sie wissen um Konzentrationsprobleme und Aufmerksamkeitsdefizite, um gute Tage und um jene, an denen Schlaganfallpatienten an Grenzen stoßen, um neuropsychologische Nachwirkungen, um Depressionen und neue Herausforderungen, wenn es um die Organisation des Alltags geht. Deswegen wirbt auch sie für die Gruppe. Sie ermögliche ganz praktische Hilfe wie Transferstühle oder das wichtige Hirnleistungstraining, verleihe Fachbücher und biete Seminare an. „Aber vor allem sprechen wir hier miteinander“, sagt Sabrina Kessler, „und das ist und bleibt für viele das Wichtigste.“

(resa)